DAX-Kurve auf der Anzeigetafel im Handelssaal der Börse | Bildquelle: dpa

IWF-Prognose zur Weltwirtschaft Auf dem Weg der Besserung

Stand: 20.01.2020 16:28 Uhr

Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums ist der IWF vorsichtig optimistisch: Global gesehen werde die Wirtschaft wieder etwas stärker wachsen, so die Prognose. Das größte Sorgenkind ist die größte Demokratie der Welt.

Die Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem und im nächsten Jahr erholen. In seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick rechnet der IWF mit einem globalen Wachstum von 3,3 und 3,4 Prozent in den Jahren 2020 und 2021. Der IWF ist damit optimistischer als andere Experten, allerdings einen Tick pessimistischer als in seiner eigenen Oktober-Schätzung.

"Ein gemäßigt beschleunigtes Wachstum"

Die aktuelle Konjunkturprognose wurde in Davos vorgestellt - am Tag vor Beginn des Weltwirtschaftsforums. "Wir sehen ein gemäßigt beschleunigtes Wachstum", sagte IWF-Direktorin Kristalina Georgieva. "Aber wir haben noch keinen Wendepunkt erreicht."

Was aus der aktuellen Schätzung aber klar erkennbar ist: Die "Delle" beim globalen Wachstum gab es 2019: Im abgelaufenen Jahr lag das Wachstum laut IWF lediglich bei 2,9 Prozent, 2018 waren es noch 3,6 Prozent.

IWF-Direktorin Kristalina Georgieva | Bildquelle: GIAN EHRENZELLER/EPA-EFE/REX
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IWF-Direktorin Georgieva präsentierte in Davos wirtschaftlich erfreuliche Zahlen, warnte aber zugleich vor Risiken.

Entspannung im Handelsstreit, gestärkter Konsum ...

Warum ist der IWF für die kommenden Jahre wieder zuversichtlicher? Dafür gibt es ein Bündel von Gründen: Die Entspannung im Handelsstreit zwischen USA und China, die weiterhin lockere Geldpolitik der Zentralbanken, die den Konsum stärkt, und die Tatsache, dass ein ungeordneter EU-Austritt der Briten aktuell wieder unwahrscheinlicher geworden ist.

... aber auch geopolitische Spannungen und Proteste

Auf der anderen Seite gebe es aber weiterhin zahlreiche Risiken, so der IWF: Etwa eine neuerliche Eskalation im Handelsstreit oder geopolitische Spannungen wie etwa zwischen den USA und dem Iran. Auch Anti-Regierungsproteste in vielen Ländern könnten zulasten der Wirtschaft gehen. In Chile sei dies schon zu beobachten.

Die einzelnen Länder werden laut IWF auch sehr unterschiedlich vom weltweiten Aufschwung profitieren. In den USA werde sich das Wachstum abschwächen, in der Euro-Zone leicht zulegen. Für Deutschland geht der IWF 2020 von einem Plus von 1,1 Prozent aus, 2021 dann von 1,4 Prozent. Das wäre gegenüber 2019 mehr als eine Verdoppelung.

Sorgen vor allem wegen Indien

Dass der IWF aktuell etwas pessimistischer ist als in seiner Schätzung vom Oktober, liegt vor allem an Indien. Das große Schwellenland leidet derzeit unter heftigen politischen Unruhen, die zu einer Gefahr für die Entwicklung in der größten Demokratie der Welt werden. Der Konsum dort habe sich deutlicher als erwartet abgeschwächt, weil die Einkommen nur langsam stiegen und die Menschen entsprechend wenig Geld für Ausgaben haben.

IWF-Direktorin Georgieva forderte die Staaten auf, für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. "Seien sie bereit, wenn das Wirtschaftswachstum wieder nachlässt." Das gerade beginnende Jahrzehnt erinnere in mancher Weise an die 1920er-Jahre: Hohe Ungleichheit, die rasante Ausbreitung neuer Technologien und hohe Risiken und Chancen im Finanzsystem. Daher sei es nötig, Fehlentwicklungen gemeinsam vorzubeugen.

Über dieses Thema berichtete B5 am 20. Januar 2020 um 16:40 Uhr.

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