Abendstimmung auf Astypalea | AP

Astypalea wird klimaneutral Die grüne Insel

Stand: 29.11.2020 17:29 Uhr

Die griechische Insel Astypalea wird klimaneutral: Nach Plänen der Regierung in Athen und des VW-Konzerns fahren dort bald nur noch E-Autos; Windräder und Photovoltaik-Anlagen liefern Ökostrom.

Von Thomas Bormann, ARD-Studio Athen

Nikólaos Kominéas, der Bürgermeister der 1300-Einwohner-Insel Astypálea, freut sich, dass seine Insel zur ökologischen Vorzeige-Insel wird. "Absolut alle Fahrzeuge werden hier mit Elektro-Motor unterwegs sein. Alle! Das gilt für die privaten Pkw, die Busse auf der Insel, für Leihwagen und Motorroller - eben für alle Fahrzeuge auf der Insel!"

Thomas Bormann ARD-Studio Istanbul

Noch fahren rund 1500 Autos mit Diesel- oder Benzin-Motor auf Astypálea umher, einer Insel, die etwa so groß ist wie Sylt. Es sind Privatautos und vor allem die vielen Leihwagen der Autovermieter - immerhin besuchen jährlich mehr als 70.000 Touristen die Insel in der Ägäis.

Carsharing oder bezuschusste E-Autos

Künftige werden Urlauber auf Astypálea nur noch E-Autos und E-Motorroller mieten können, aber zum gleichen Preis wie bisher. Und die Inselbewohner? Die haben die Wahl, sagt Konstantinos Frangojannis, der für die griechische Regierung das Projekt leitet. Sie könnten entweder auf Auto oder Motorad verzichten und beim Carsharing mitmachen, "oder, wenn sie es denn unbedingt wünschen, ein eigenes Elektro-Auto kaufen und dafür die finanzielle Unterstützung bekommen, die auf der Welt einzigartig ist."

Hier kommt Volkswagen ins Spiel: Der VW-Konzern bietet den Inselbewohnern seine Elektro-Autos besonders günstig an - und der griechische Staat gibt noch einmal 12.000 Euro Zuschuss pro Auto dazu. Manch ein Beobachter sagt, die Mitwirkung der Insel-Bewohner werde teuer erkauft.

Nur noch regionaler grüner Strom

Im Werbefilm des VW-Konzerns drehen sich schon Windräder auf Astypálea, aber die müssen erst noch gebaut werden. Noch bezieht die Insel ihren gesamten Strom aus vier großen Diesel-Generatoren. Wenn die erst einmal abgeschaltet sind, wird Astypálea ausschließlich mit Strom aus Wind und Sonne versorgt werden. "Energiewende total" innerhalb von zwei, drei Jahren. Der VW-Konzern wird dabei helfen, ein dichtes Netz mit mehr als 200 Ladestationen auf der Insel aufzubauen.

VW-Chef Herbert Diess findet, es sei ein spannendes Projekt, eine ganze Insel in kurzer Zeit komplett auf klimaneutrale Mobilität umzustellen. "In ganz Europa oder weltweit wird so etwas mindestens noch 20 Jahre dauern. Das werden wir auf der Insel in drei, vier oder fünf Jahren schaffen. Das wird uns neue Erkenntnisse bringen." Und, da ist sich Diess sicher, werde es viele Orte in der ganzen Welt anregen, "diese Idee aufzugreifen und auch umzustellen."

Nächster Schritt: autonomes Fahren

Bürgermeister Kominéas ist sicher, dass seine 1300 Insel-Mitbewohner bei dem Projekt mitziehen werden. Noch gibt es Diskussionen auf der Insel, wo denn die Windräder aufgestellt werden sollen, aber daran werde es nicht scheitern, versichert der Politiker. Er denkt schon an den nächsten Schritt, den er zusammen mit VW auf seiner Insel gehen will:

"In sechs Jahren wollen wir autonomes Fahren haben. Das heißt, du tippst in dein Handy ein: 'Ich will jetzt da und dort hingebracht werden.' Das System erkennt per GPS, wo du bist, schickt ein Auto und das Auto bringt dich auf dem schnellsten und sichersten Weg dorthin."

Die Insel Astipálea, ein Versuchslabor für neue, abgasfreie Mobilität, das sich Regierung und VW insgesamt zehn Millionen Euro kosten lassen. Bürgermeister Kominéas ist sicher: Das ökologische Image seiner Insel werde bald auch zusätzliche Touristen anlocken, die mal erleben möchten, wie die klimaneutrale Mobilität von morgen aussieht.