Hyperloop-Präsentation in Puerto de Santa Maria | Bildquelle: Oliver Neuroth

Hyperloop-Prototyp Überschall-Rohrpost für Menschen

Stand: 04.10.2018 10:29 Uhr

Die Passagiere sitzen in Transportkapseln, die mit Schallgeschwindigkeit durch eine Vakuum-Röhre sausen - Hyperloop könnte das Transportsystem der Zukunft sein. Eine spanische Firma hat einen Prototypen vorgestellt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Dirk Ahlborn stehen Schweißperlen auf der Stirn. Nicht nur, weil es in der Fabrikhalle in der Nähe von Cádiz über 30 Grad warm ist - sondern weil eine Weltpremiere hinter ihm liegt: die erste Präsentation der Hyperloop-Transportkapsel. Der Firmengründer von "Hyperloop Transportation Technologies" ist deshalb "sehr stolz. Es ist wichtig, dass man, wenn man so hart arbeitet, ab und zu auch mal die Meilensteine feiert. Und es ist sicherlich einer der größten Meilensteine, die wir haben können."

Bei der Präsentation zuvor starren Politiker, Investoren und Pressevertreter zunächst auf einen Vorhang. Als er fällt, gibt er den Blick frei auf die Hyperloop-Kapsel: Sie hat die Form einer Röhre mit spitzer Nase, ein wenig sieht sie aus wie eine Mischung aus einem ICE und einem Flugzeugrumpf. 32 Meter ist die Kapsel lang, fünf Tonnen schwer, 21.000 Stunden Ingenieursarbeit stecken drin. Paul Priestman ist der Chefdesigner: "Die schwierigste Aufgabe für uns war, die Vorderseite und das Endstück zu designen. Vorne muss die Kapsel aerodynamisch sein, aber auch einen Charakter ausdrücken. Denn das ist das Gesicht von Hyperloop."

1200 Kilometer pro Stunde

Eröffnungsrede | Bildquelle: Oliver Neuroth
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Dutzende Journalisten, Investoren und Politiker waren bei der Präsentation anwesend.

Hyperloop ist ein völlig neues Transportmittel, technisch weder mit der Eisenbahn noch dem Flugzeug vergleichbar. Eine Art Rohrpost für Menschen. Die Kapsel soll mit bis zu 1200 Kilometern pro Stunde durch eine Röhre rasen, in der ein Unterdruck herrscht. Um den zu erzeugen, ist zwar Energie nötig - aber deutlich weniger als bei anderen Verkehrsmitteln, sagt Firmenchef Ahlborn. Er nennt das System das "effizienteste Verkehrsmittel der Welt".

"Den Unterdruck beizubehalten - das kostet uns knapp 25 Kilowatt die Stunde, das sind in Amerika knapp drei Dollar auf zehn Kilometer, also wirklich nicht sehr viel. Und dadurch, dass wir in der Röhre fast keine Luft mehr haben, ist natürlich der Energieverbrauch sehr gering. 90 Prozent des Energieverbrauches bei einem konventionellen Hochgeschwindigkeitszug gehen dafür drauf, dass er versucht, den Luftwiderstand zu überwinden."

Strecken in Abu Dhabi und China geplant

Der Strom soll außerdem umweltfreundlich gewonnen werden - zum Beispiel über Solarpanels, die auf den Röhren selbst montiert werden könnten. Das wiederum wäre aber nur möglich, wenn die Strecke oberirdisch verläuft, wie bei der ersten geplanten Verbindung in Abu Dhabi. Die zweite soll in China entstehen - und zwar in einer hügeligen Region, in der einige Tunnel nötig sind.

Hyperloop Kapsel | Bildquelle: Oliver Neuroth
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Futuristisches Design für extrem hohe Geschwindigkeiten: Der Hyperloop-Prototyp bei der Präsentation in Spanien.

Herausforderungen Sicherheit und Wärmeentwicklung

Bleibt die Frage nach der Sicherheit: Was passiert mit den Passagieren, wenn der Hyperloop unterirdisch ein technisches Problem oder einen Unfall hat? "Es gibt Sicherheitssysteme, die das Ganze zum Stoppen bringen, die den Druck angleichen und dann wird der Passagier durch Notausgänge rausgebracht", erklärt Ahlborn.

Die Konstrukteure stehen vor einer weiteren Herausforderung: Wenn eine Kapsel mit Schallgeschwindigkeit durch eine Röhre saust - wie beim Hyperloop geplant - entsteht eine enorme Hitze, die sogenannte Abwärme. "Die Wärme ist natürlich ein Problem. Wir sind in einem Fast-Vakuum, das heißt, dass die Wärme nirgendwo hingeht. Aber da gibt es Systeme, die die Wärme abnehmen und speichern und das Ganze wird ausgetauscht, wenn wir in der Station sind."

Der erste Hyperloop soll in drei Jahren testweise unterwegs sein und in fünf Jahren in den Passagiereinsatz starten - so der Plan. Eine Teststrecke entsteht im französischen Toulouse, weitere Transportkapseln werden im südspanischen Puerto de Santa Maria gebaut.

Andalusien hofft auf neue Jobs

Eine gute Nachricht für Susana Diaz, die Ministerpräsidentin der strukturschwachen spanischen Region Andalusien. Auch sie steckt Hoffnung in das Projekt. "Wir sind sehr zufrieden und stolz. All das ist nur möglich, weil die andalusische Ingenieurskunst auf Weltniveau ist. Bei uns werden neue Jobs entstehen, und zwar hochwertige Jobs."

Die Entwickler gehen davon aus, dass das Projekt nach acht bis zwölf Jahren wirtschaftlich läuft, also Geld einbringt. Spätestens dann werde man auch über Strecken in Europa nachdenken, sagt Firmenchef Ahlborn. Köln-Hamburg zum Beispiel könnte der Hyperloop in 30 Minuten zurücklegen.

Köln-Hamburg in 30 Minuten? Spanische Firma stellt "Hyperloop"-Kapsel vor
Oliver Neuroth, ARD Madrid
04.10.2018 09:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 15. Mai 2018 um 07:05 Uhr.

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