Ein Mechaniker arbeitet an den Schaufeln einer Turbine | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt So viele Leiharbeiter wie noch nie

Stand: 08.09.2016 08:56 Uhr

Fast eine Million Menschen sind in Deutschland als Leiharbeiter beschäftigt, so viele wie nie zuvor. Zwei von drei arbeiten zudem für besonders wenig Geld. Die meisten Leiharbeiter beschäftigt die Metall- und Elektroindustrie.

Mit 961.000 Leiharbeitnehmern hat es in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand gegeben. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

2014 waren es noch rund 50.000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. Das mittlere Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro - deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. "Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2960 Euro", so die Regierung.

5,7 Prozent der Leiharbeiter stocken mit Hartz IV auf

Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger.

Die Domäne der Leiharbeit ist der Maschinen- und Fahrzeugbau. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an allen Leiharbeitern. Allein im Maschinenbau sind elf Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau zehn Prozent.

Kritik an Nahles' Gesetzesentwurf

Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst, der die Anfrage gestellt hatte, sagte: "Das Zweiklassensystem im Betrieb hat sich leider etabliert." Er warf Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vor, ihre geplante Reform bei Zeitarbeit und Werkverträgen diene nicht im Ansatz dem Schutz der Leiharbeitnehmer. Trotz Reform werde fast niemand von einer besseren Entlohnung profitieren.

Der Entwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden. Sie sollen längstens 18 Monate in demselben Betrieb arbeiten dürfen, ohne von diesem übernommen zu werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche.

Das Thema Leiharbeit dürfte auch bei den Haushaltsberatungen des Bundestags eine Rolle spielen, wenn der Etat von Nahles beraten wird. Voraussichtlich noch im September sollen die parlamentarischen Beratungen eines Gesetzentwurfs von Nahles zur Eindämmung von Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen beginnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. September 2016 um 07:00 Uhr.

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