Aufräumarbeiten in Bad Neuenahr-Ahrweiler | AP

Elementarschäden durch Unwetter Milliardenbelastungen für Versicherer?

Stand: 16.07.2021 15:30 Uhr

Die Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dürften die deutschen Versicherer viel Geld kosten. Es wird wohl eine der teuersten Naturkatastrophen der vergangenen 20 Jahre.

Die anhaltende Katastrophe im Westen Deutschlands könnte sich unter die teuersten Naturkatastrophen der vergangenen 20 Jahre in Deutschland einreihen. Der Versicherungsbranche drohen hohe Belastungen.

"Wir gehen davon aus, dass wir mit der aktuellen Unwetterserie das drittgrößte Ereignis seit 1984 erleben", teilte die Versicherungskammer Bayern mit. Die Versicherung ist den Sparkassen verbunden und der größte öffentliche Versicherer Deutschlands. Das Unternehmen ist vor allem in der Gebäudeversicherung in Bayern und der Pfalz stark vertreten.

"Eine aktuelle Schadensschätzung werden wir voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen haben", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen.

Der tatsächliche Schaden dürfte aber noch höher sein, weil nur 45 Prozent der Gebäude in Deutschland durch eine Elementarversicherung gegen Überschwemmungen und Starkregen versichert sind. "Es zeichnet sich ab, dass sich dieses Jahr mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zu einem der schadenträchtigsten seit 2013 entwickeln könnte", sagte Asmussen. Bereits im Juni hatten Starkregen und Hagel einen geschätzten versicherten Schaden von 1,7 Milliarden Euro verursacht.

Vor acht Jahren hatten Sach- und Kfz-Versicherer laut GDV 9,3 Milliarden Euro für Naturkatastrophenschäden in Deutschland zahlen müssen, gefolgt vom Jahr 2017 mit gut drei Milliarden.

Allianz hält sich zurück

Die größte deutsche Erstversicherung Allianz hält sich bisher mit Schätzungen zu Schäden durch die Überschwemmungen zurück. "Zu den aktuellen Schäden haben wir noch keine Informationen, die wir kommunizieren können", erklärte Christian Weishuber von der Allianz gegenüber tagesschau.de. Mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen Anfang August werde man sich voraussichtlich zu den Elementarschäden im ersten Halbjahr äußern. Allerdings dürfte das Unternehmen kaum um Aussagen zu den aktuellen Ereignissen herumkommen.

Und diese sind immer noch sehr dynamisch. So traten die Überschwemmungen in Erftstadt viele Stunden nach dem Ende der verheerenden Regenfälle auf. Die Wassermassen waren erst lange aus der Eifel unterwegs, bevor sie die Stadt aus dem Rhein-Erft-Kreis erreichten.

Münchener Rück wartet auf Erstversicherer

Noch zögerlicher als die Allianz äußerte sich der größte deutsche Rückversicherer Münchener Rück: "Wir sind als Rückversicherer erst in der zweiten Linie. Wir müssen erst einmal auf die Schätzungen der Erstversicherer warten", erklärte Pressesprecherin Irmgard Joas. Rückversicherer agieren quasi als Versicherer der Erstversicherer. Dadurch können große Risiken auf mehrere Versicherungsunternehmen verteilt werden.

Die Zurückhaltung der Allianz und der Münchener Rück ist nachvollziehbar. Denn beide Unternehmen sind börsennotiert und damit an die strengen Ad-hoc-Publizitätspflichten der Börse gebunden. Die nun zu erwartenden Schadensleistungen der Konzerne dürften durchaus das Potenzial haben, die Prognosen und die Ergebnisse der Versicherungen deutlich zu beeinflussen. Damit sind sie sogenannte Insiderinformationen. Eine Verwendung vor ihrer Veröffentlichung wäre strafbarer Insiderhandel. Auffällig schwach entwickelten sich die Kurse der beiden Branchenriesen bisher aber nicht.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juli 2021 um 15:00 Uhr.