Ein südkoreanischer Mann steht neben einem Schild mit einem Bild des japanischen Premierministers Abe | Bildquelle: dpa

Südkorea und Japan Alte Narben brechen auf

Stand: 12.08.2019 10:02 Uhr

Das Verhältnis zwischen Japan und Südkorea ist derzeit angespannt. Hintergrund ist ein Streit über Entschädigungszahlungen für koreanische Zwangsarbeiter. Nun haben sich beide Länder von ihrer "Weißen Liste" gestrichen.

Die Wurzeln des Konflikts zwischen Südkorea und Japan reichen weit zurück und sorgen in der Gegenwart für einen immer größer werden Handelsstreit zwischen den Staaten. Der geht nun in die nächste Runde: Die Regierung in Seoul strich Japan von der "Weißen Liste". Diese umfasst bevorzugte Handelspartner des Landes.

Japan habe internationale Prinzipien bei Exportkontrollen nicht eingehalten, begründete Seoul den Schritt. Die Maßnahme trete Anfang September in Kraft, teilte das südkoreanische Handelsministerium mit. Künftig werden südkoreanische Exporte nach Japan damit strengeren Regularien und möglicherweise längeren Genehmigungsprozeduren unterliegen.

Schaden für Lieferketten?

Durch die Eskalation des Streits zwischen den beiden Staaten könnten weltweite Lieferketten Schaden nehmen, die ohnehin schon unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China zu leiden haben. Der Streit könnte nach Einschätzung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) auch für Europa negative Konsequenzen haben. "Auch wenn Europa keine großen Einflussmöglichkeiten hat, sollte es deutlich machen, dass ein besseres japanisch-koreanisches Verhältnis auch in seinem Interesse liegt", heißt es in einer Publikation der Stiftung.

Am 2. August hatte Japan seinerseits entschieden, Südkorea von seiner "Weißen Liste" zu streichen. Japan hatte den Beschluss damit begründet, dass das gegenseitige Vertrauen untergraben sei.

Streit um Schadensersatzzahlungen

Hintergrund des Handelsstreits zwischen den zwei Nachbarländern ist ein Disput über die Entschädigung koreanischer Zwangsarbeiter während Japans Kolonialherrschaft (1910 bis 1945). Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hatte im vergangenen Jahr in separaten Verfahren Nippon Steel und den Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industries angewiesen, Schadenersatz an ehemalige Zwangsarbeiter zu zahlen. Tokio sieht das Thema Entschädigung durch einen bilateralen Vertrag von 1965 als abgeschlossen an.

Der Streit hatte sich hochgeschaukelt, als Japan die Belieferung südkoreanischer Technologiekonzerne mit Baumaterialien für Handys und Halbleiter beschränkte. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 02. August 2019 um 12:39 Uhr.

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