Bahnwaggons mit VW-Neuwagen | Bildquelle: dpa

Frühjahrsgutachten Deutscher Konjunkturboom zu Ende

Stand: 04.04.2019 11:31 Uhr

Über Jahre konnte die deutsche Konjunktur deutliche Zuwächse verbuchen. Doch die große Party ist laut Wirtschaftsforschern nun vorbei. Wie erwartet senkten sie ihre Prognose deutlich. Ein Grund: das Brexit-Chaos.

Vor dem Hintergrund einer abflauenden Weltkonjunktur sehen führende Wirtschaftsforscher auch ein Ende des Konjunkturbooms in Deutschland. Die fünf führenden Institute senkten ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich von 1,9 auf 0,8 Prozent ab. "Der langjährige Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist zu Ende", sagt der stellvertretende Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, zu der veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose. Die Gefahr einer ausgeprägten Rezession halten die Autoren jedoch bislang für gering.

Grund für die Prognosesenkung sei unter anderem, dass die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich wegen politischer Risiken weiter eingetrübt hätten. Die Institute warnten vor einem harten Brexit. Ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen sei seit Abschluss der Prognose Ende März "zwar weniger wahrscheinlich geworden, aber noch nicht ausgeschlossen".

Ohne No-Deal-Brexit gute Prognose für 2020

Bei einem No-Deal-Brexit dürfte das Wirtschaftswachstum in diesem und im kommenden Jahr "deutlich niedriger ausfallen" als in der Prognose ausgewiesen. Darin rechnen die Wirtschaftsforscher eigentlich mit einem kräftigen Anstieg des Wachstums im Jahr 2020. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 1,8 Prozent zunehmen, heißt es in der Prognose.

Risiken sehen die Experten außerdem im noch ungelösten Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China.

Ende des Konjunkturbooms in Deutschland erwartet
tagesschau 14:00 Uhr, 04.04.2019, Martin Polansky, ARD Berlin

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Risiken durch höhere Rentenausgaben

National bremsten Fachkräftemangel, Lieferengpässe sowie Schwierigkeiten in der Autoindustrie die Konjunktur. "Auch die deutsche Wirtschaftspolitik schafft Risiken, etwa indem sie die langfristige Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung durch erhebliche Leistungsausweitungen belastet, die aus dem Beitragsaufkommen nicht zu finanzieren sein werden", kritisieren die Institute. Dies ließe Steuererhöhungen erwarten, die Deutschland als Investitionsstandort weniger attraktiv machen. Die Politik sollte stärker darauf ausgerichtet werden, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern.

Der Beschäftigungsaufbau dürfte sich zwar fortsetzen, aber an Fahrt verlieren. Die Zahl der Erwerbstätigen soll bis 2020 auf 45,5 Millionen steigen, was rund 700.000 mehr wären als 2018. Gleichzeitig soll die Zahl der Arbeitslosen auf 2,1 Millionen sinken.

Altmaier macht Sondereffekte verantwortlich

Trotz der gedämpften Prognose rechnet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit einem baldigen Ende der Wirtschaftsflaute. "Die im zweiten Halbjahr 2018 zu beobachtende Abkühlung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird im Verlauf dieses Jahres allmählich überwunden, und die Auftriebskräfte gewinnen wieder die Oberhand", erklärte Altmaier.

In den vergangenen Quartalen hätten neben der Eintrübung des weltwirtschaftlichen Umfeldes auch heimische Sonderfaktoren wie die Umstellung auf den neuen Autoabgas-Messstandard WLTP und das Niedrigwasser im Rhein belastet. "Dieses Jahr wird sich die Konjunktur wieder beleben, ohne allerdings die hohe Dynamik zurückliegender Jahre zu erreichen", sagte der CDU-Politiker.

Dennoch kräftige Steuereinnahmen erwartet

Die Gemeinschaftsdiagnose der fünf Institute dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Prognosen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Die Regierung hatte ihre Schätzung für dieses Jahr zuletzt auf 1,0 Prozent fast halbiert und geht im kommenden Jahr von einem Plus von 1,6 Prozent aus. Die Experten rechnen trotz der trüberen Konjunktur auch weiter mit kräftigen Staatsüberschüssen. Im laufenden Jahr soll das Plus bei 41,8 und 2020 bei 35,6 Milliarden Euro liegen.

Erarbeitet wird das Gutachten vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH.

Wirtschaftsforscher: Wachstum 2019 nur noch 0,8 Prozent
Torsten Huhn, ARD Berlin
04.04.2019 11:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. April 2019 um 11:00 Uhr.

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