Geparkte Flugzeuge der Airline Tuifly in Hannover | dpa

Ferienflieger in der Krise Fracht statt Urlauber

Stand: 13.01.2021 13:36 Uhr

Ferienflieger wie Condor und TUIfly setzen in der Corona-Krise vermehrt auf Frachtaufträge. Sie sollen helfen, den Einbruch im Tourismusgeschäft auszugleichen und weiter für Einnahmen zu sorgen.

Vom Flughafen Stuttgart starteten im Dezember mehrfach Boeing 787 "Dreamliner" der TUI-Gruppe. Die Maschinen hatten aber keine sonnenhungrigen Urlauber an Bord, sondern Maschinen und Autoteile. Wie der Reiseveranstalter versuchen derzeit auch andere Ferienflieger, das weggebrochene Geschäft mit Touristen durch Frachtflüge zu kompensieren.

Dazu hat Condor zwölf ihrer 16 Boeing 767-Flugzeuge zu Frachtern umgebaut. Gerüchte, dass auch die Boeing 757 sowie Teile der Airbus-Flotte derart umfunktioniert werden sollen, dementierte die Airline, doch das Geschäft gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Frachtkapazitäten um 20 Prozent erhöht

Der Frachtmarkt ist dem Welt-Airline-Verband IATA zufolge einer der wenigen Lichtblicke im internationalen Luftverkehr. Das liegt in allererster Linie am knappen Angebot, denn zu normalen Zeiten wird rund die Hälfte der Luftfracht als Beiladung in Passagiermaschinen transportiert. Da diese wegen der zahlreich eingestellten Verbindungen aber nicht zu Verfügung stehen, sind die Frachtpreise schon im vergangenen Frühsommer in die Höhe geschnellt.

In der Zwischenzeit haben die Gesellschaften laut IATA ihre Kapazität in reinen Frachtmaschinen zwar global um 20 Prozent erhöht, die Angebotslücke ist damit aber bei weitem noch nicht geschlossen. In Europa fehlte im November ein Viertel des Vorkrisenniveaus, berichtete der Verband. Die Cargo-Raten bleiben daher absehbar hoch.

Frankfurt: Ein Flugzeug des Ferienfliegers Condor steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Frankfurt am Main. | dpa

Condor hat zwölf ihrer 16 Boeing 767-Flugzeuge zu Frachtern umgebaut. Bild: dpa

Lukrative Umrüstung

Die Umrüstung für Ferienflieger ist umso verlockender, weil damit nicht nur Geld verdient werden kann, sondern auch Flugzeuge und Piloten einsatzbereit gehalten werden. Denn auch am Boden stehende Jets verursachen hohe Kosten. Soll ein Jet langfristig eingemottet werden, sind umfangreiche und kostspielige Wartungsarbeiten vorgeschrieben. Zudem verfallen die Lizenzen des Personals, wenn nicht geflogen wird. Da ist es günstiger Frachtflüge durchzuführen, statt teure Simulator-Trainings zu bezahlen.

Deshalb versucht auch der TUI-Konzern, einen Teil der weggebrochenen Urlaubsflüge durch Frachtangebote zu ersetzen. Dabei arbeiten die Airlines mit Cargo-Vermittlern zusammen, um Güter auf den lukrativen Fernstrecken zu transportieren. "Viele Unternehmen versuchen gerade, hier die Kapazitäten und Preise in den Griff zu bekommen", sagt ein TUI-Sprecher.

Bereits im Frühjahr hatten mehr als 20 TUI-Maschinen Schutzmasken nach Deutschland gebracht. In den vergangenen Wochen habe es nun rund 30 Flüge in die USA, nach Mexiko oder nach Argentinien gegeben, um vor allem Teile für Auto- und Maschinenbauer nach Baden-Württemberg zu transportieren, so das Unternehmen.

Sitze bleiben meist drin

Das Unternehmen nutzt auf solchen Verbindungen vor allem nicht umgebaute Jets wie die Boeing 787 "Dreamliner" oder die Boeing 767, manchmal bis zu fünf an einem Tag. Genutzt würden ausschließlich die üblichen Frachtkapazitäten, so ein Firmensprecher. Die reichten aus, da keine Passagierkoffer Platz in Anspruch nähmen.

Auch die Lufthansa Cargo nutzt derzeit zusätzliche Passagiermaschinen der anderen Konzern-Airlines - vorzugsweise Boeing 777 und Airbus A340 mit vergleichsweise großen Laderäumen. "Das Problem sind die engen Türen auf dem Passagierdeck", erläutert eine Lufthansa-Sprecherin. Lediglich leichte Materialien wie Masken oder Schutzanzüge können auf den Sitzen gelagert werden, ansonsten bleibt die Kabine leer und die sperrige Fracht wandert in den Laderaum unterhalb.

Lufthansa setzt wegen Corona auf Fracht statt Passagiere

Auch die Lufthansa setzt wegen Corona auf Fracht statt Passagiere.

Hoffnung auf Corona-Impfstoffe

Die Airlines hoffen auch auf das Geschäft mit den Corona-Impfstoffen. Derzeit werden die meisten Dosen noch per Lastwagen transportiert, statt per Flugzeug um die Welt geflogen. Die TUI rechnet weiterhin mit geschäftlichen Gelegenheiten bei der Fracht: "Der Markt ist weiter angespannt, die Fracht-Alternativen werden daher wohl noch länger anhalten."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 13. Januar 2021 um 17:40 Uhr.