Ein Baum liegt auf dem Gehweg an der Warschauer Straße in Berlin. | dpa

"Zeynep", "Ylenia" und "Antonia" Milliardenschaden durch Stürme

Stand: 21.02.2022 12:22 Uhr

Die drei Winterstürme "Zeynep", "Ylenia" und "Antonia" dürften den Versicherern laut ersten Schätzungen Kosten in Milliardenhöhe eingebrockt haben. Dass die Bäume noch keine Blätter trugen, verhinderte noch höhere Schäden.

Umgestürzte Bäume, zahlreiche Unfälle, kaputte Leitungen oder beschädigte Gebäude: Die Zerstörungen in Deutschland durch die heftigen Stürme der vergangenen Tage dürften die Versicherungsbranche Experten zufolge eine Milliardensumme kosten. Die versicherten Schäden könnten sich auf insgesamt 1,6 Milliarden Euro belaufen, wie etwa der Versicherungsmakler Aon in Hamburg mitteilte. Die auf Versicherungsmathematik spezialisierte Unternehmensberatung Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) schätzt die Schadenssumme allein durch "Zeynep" und "Ylenia" auf mehr als 1,4 Milliarden Euro.

Hälfte der Sturmschäden eines Durchschnittsjahres

"Wir gehen davon aus, dass 'Ylenia' und 'Zeynep' zu den schadenträchtigsten Stürmen in Deutschland zählen", erklärte Aon-Deutschland-Chef Jan-Oliver Thofern. Besonders in der Mitte und im Norden Deutschlands richteten die Stürme erhebliche Zerstörungen an. Von der gesamten Schadenssumme entfallen nach Schätzung von Aon etwa 500 Millionen Euro auf den ersten Sturm "Ylenia", eine Milliarde Euro auf den Orkan "Zeynep" und 100 Millionen Euro auf "Antonia".

Dies entspreche etwa der Hälfte der gesamten versicherten Sturmschäden eines durchschnittlichen vollständigen Jahres. Doch es hätte noch schlimmer kommen können: "Die Schäden wären noch höher ausgefallen, wenn die Bäume schon Blätter getragen hätten, die wegen des Segeleffektes noch mehr Bäume zum Umsturz gebracht hätten", so Thofern.

Intensivste Sturm seit "Kyrill"

Allein "Zeynep" habe versicherte Schäden von mehr als 900 Millionen Euro in Deutschland verursacht, teilte MSK bereits am Samstag mit. Es sei der intensivste Sturm seit "Kyrill" im Jahr 2007 gewesen. Die versicherten Schäden des vorangegangenen Sturms "Ylenia" hatte das Unternehmen zuvor auf 500 Millionen Euro geschätzt.

Versicherte Schäden sind ausschließlich die Schäden, die am Ende auch von einem Versicherer übernommen werden. Die Gesamtschäden sind bei Stürmen und anderen Naturkatastrophen in aller Regel höher, zum Teil ganz erheblich. Die Schätzungen von MSK beruhen nicht auf Schadenmeldungen von Versicherungskunden, sondern auf den Berechnungen eines "Storm Chaser" genannten Prognosemodells. Das Unternehmen betreibt zahlreiche Datenpools, mit denen die Unternehmensberatung bestehende Schadendaten auswertet und Prognosen erstellt. Grundlage sind die Statistiken der teilnehmenden Versicherungen.

Im Unterschied zu "Kyrill" traf "Zeynep" die Südhälfte Deutschlands demnach kaum. Südlich einer Linie von Saarbrücken bis Nürnberg seien die Auswirkungen gering, wie es in der Mitteilung der Unternehmensberatung weiter hieß. "Kyrill" hatte noch sehr viel höhere versicherte Schäden verursacht, in heutigen Werten waren es nach Angaben von MSK über drei Milliarden Euro.

Beruhigung ab heute Abend

Die drei Stürme hatten in den vergangenen Tagen im Nordwesten und Westen teils für Verwüstung gesorgt. Wege der Räumung umgestürzter Bäume und beschädigter Oberleitungen waren etwa bei der Bahn seit Beginn der Unwetter-Serie am Mittwochabend zwischenzeitlich mehr als 6000 Kilometer des Streckennetzes nicht befahrbar.

Die Feuerwehren in den Regionen zählten Tausende Einsätze - meist wegen umgestürzter Bäume, umherfliegender Gegenstände oder beschädigter Gebäude. In Nordrhein-Westfalen rückten die Einsatzkräfte allein bis Samstagmittag zu über 12.000 Einsätzen aus. Erstmals seit 2013 gab es in Hamburg wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In Bremen stürzte ein 55 Meter großer Baukran in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude.

Eine große Gefahr ging vor allem von Bäumen aus, wie Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erklärte. Schon durch die vorangegangenen Stürme in Mitleidenschaft gezogene und in stark aufgeweichtem Boden stehende Bäume könnten leicht umstürzen. In Bad Zwischenahn (Niedersachsen) kippte etwa eine rund neun Meter hohe Fichte auf ein Klinikgebäude. Deutlich beruhigen soll sich das Wetter nach DWD-Vorhersage ab heute Abend. Der Wind werde die Woche zwar weiter ein Thema bleiben. "Allerdings wird das eine ganz andere Hausnummer als das, was wir in diesen Tagen erleben", so ein Meteorologe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2022 um 12:00 Uhr.