US-Notenbankchef Jerome Powell | picture alliance/dpa/AP

Kampf gegen Inflation mit Nebenwirkungen Fed-Zinsschritt stößt auf geteiltes Echo

Stand: 21.09.2022 23:28 Uhr

Experten kritisieren den dritten "Jumbo"-Zinsschritt der US-Notenbank in Folge. Die Fed nehme im Kampf gegen die Inflation zunehmend eine milde Rezession in Kauf. Darauf deuteten die gesenkten Wachstumserwartungen für die US-Wirtschaft hin.

In mehreren Medien wird Fed-Präsident Jerome Powell schon als Retter der Welt gesehen. Tatsächlich kämpft er unverdrossen gegen die hohe Inflation - koste es, was es wolle. "Die US-Notenbank hat heute eindrucksvoll ihre Rolle als Vorreiterin unter den großen Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation untermauert", meint LBBW-Ökonom Elmar Völker.

Die Notenbankpolitik werde Wirkung zeigen und eine deutliche Senkung der Inflationsraten im kommenden Jahr bewirken, ist Michael Heise, Chefökonom vom Vermögensverwalter HQ Trust überzeugt. Der Höhepunkt der Inflationsraten in den USA dürfte nun überwunden sein.

"Fed-Politik ist konjunkturdämpfend!"

Allerdings sei der Preis des aggressiven Kampfs gegen die Inflation hoch. Die Gefahr einer Rezession in den USA steigt. "Die Fed-Politik ist nicht länger als neutral, sondern als konjunkturdämpfend anzusehen", moniert Experte Heise. "Die abgesenkten Wachstumserwartungen der Notenbank und die gleichzeitig höheren Zinserwartungen zeigen, dass die Notenbank auch eine milde Rezession und einen gewissen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen wird, um die hohe Inflation einzudämmen", sagte er. Aber: "Es ist das kleinere Übel im Vergleich zu einer Verfestigung der Inflation, die nur um den Preis einer sehr tiefen Rezession zu einem späteren Zeitpunkt zu beseitigen wäre."

Nach Einschätzung von Christian Scherrmann, US-Volkswirt der DWS, zeige die US-Notenbank einmal mehr, dass sie bereit ist, dass Notwendige zu tun: die Nachfrage zu bremsen, indem die Zinsen länger höher bleiben - selbst wenn dies Wachstum und Arbeitsplätze koste.

"Kein schmerzfreier Weg, die Inflation zu überwinden"

Fed-Chef Powell machte deutlich, einen Wachstumsrückgang im Kampf gegen die Inflation in Kauf zu nehmen. Er räumte ein, dass der Kurs der hohen Zinsen eine Periode des verlangsamten Wachstums und der wachsenden Arbeitslosigkeit mit sich bringe. Doch die Eindämmung der Preissteigerung bleibe wichtigstes Ziel: "Wir müssen die Inflation überwinden. Ich wünsche mir, es gäbe einen schmerzfreien Weg, dies zu tun. Aber den gibt es nicht." Für die Fed gibt es keinen Grund, sich zurückzulehnen: "Wir werden dran bleiben, bis wir zuversichtlich sind, dass die Arbeit in Sachen Inflation erledigt ist."

Für das laufende Jahr rechnen die Währungshüter nur noch mit einem mageren Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,2 Prozent. Im Juni hatten sie noch einen Zuwachs von 1,7 Prozent veranschlagt. 2023 erwartet die Fed nur noch ein BIP-Plus von 1,2 Prozent.

Ist die Inflation zu besiegen?

Andere Experten zeigen sich indes skeptisch, ob der harte Kampf gegen die Inflation aufgeht. Besonders der Anstieg der um Energie und Lebensmittel bereinigten Kerninflation auf über sechs Prozent zeige, wie breit die Inflationsdynamik inzwischen geworden ist, sagt ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann von der ZEW. "Die amerikanische Notenbank stemmt sich mit ihren raschen Zinserhöhungen gegen die Inflation, und dieser Weg geht weiter." Schon Anfang November werde der Leitzins das Vier-Prozent-Niveau erreicht haben.

"Powell hat heute erneut sehr klargemacht, dass die Fed der Bekämpfung der Inflation Priorität einräumt", betonte auch Bernd Weidensteiner, USA-Experte bei der Commerzbank. "Die Leitzinsen werden daher wohl deutlich höher steigen, als dies die meisten Beobachter und die Fed selbst ursprünglich erwartet hatten."

Herbe Kursverluste an der Wall Street

An der Wall Street kam der Fed-Ausblick nicht gut an. Die US-Börsen gaben nach zwischenzeitlichen Gewinnen deutlich nach. Der Dow Jones sackte um 1,7 Prozent ab. Gleichzeitig nahm der Dollar noch mehr Fahrt auf. Der Dollar-Index erklomm in der Spitze bei 111,45 Punkten ein frisches 20-Jahres-Hoch. Der Euro rauschte um anderthalb Prozent auf 0,9827 Dollar nach unten.