Ein gefälschter 200-Euro-Schein unter einer UV-Lampe. | dpa

Bundesbank-Bilanz Immer weniger Falschgeld im Umlauf

Stand: 23.07.2021 10:00 Uhr

Wegen ausgefeilter Sicherheitsmerkmale und der Corona-Einschränkungen zieht die Bundesbank immer weniger Blüten aus dem Verkehr. Bei den entdeckten Fälschungen handelt es sich oft um "Filmgeld".

Von Ursula Mayer, HR

Im ersten Halbjahr 2021 hat die Bundesbank rund 21.400 falsche Euro-Banknoten registriert. Sie hatten einen Nennwert von einer Million Euro. Damit sank die Zahl der Fälschungen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2020 um 13 Prozent. Noch stärker ging die Zahl der falschen Münzen zurück, nämlich um 35 Prozent auf 14.600. Die Bundesbank sieht darin eine erfreuliche Entwicklung.

Den Rückgang beim Falschgeld führt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann auf die Einschränkungen in Folge der Corona-Pandemie zurück. So seien etwa Restaurant- und Jahrmarktbesuche ausgefallen, auch Einkaufen sei nur teilweise möglich gewesen, sagt Beermann. Dort spiele Bargeld traditionell eine große Rolle. "Dadurch, dass das soziale Leben weitgehend runtergefahren wurde, hatten auch die Fälscher Schwierigkeiten, die falschen Münzen oder Scheine an den Mann oder die Frau zu bringen", so der Bundesbankvorstand.

Neue Banknoten immer fälschungssicherer

Damit verstärkt die Corona-Krise einen bestehenden Trend: Seit Jahren tun sich Kriminelle immer schwerer, Euro-Scheine zu fälschen, da die immer fälschungssicherer werden. Die Banknoten der zweiten Generation, der sogenannten Europaserie, wurden mit immer komplexeren Sicherheitsmerkmalen ausgerüstet und mittlerweile in allen Stückelungen eingeführt. So gibt es etwa bei vielen Scheinen im silbernen Hologrammstreifen rechts ein Fenster. Halten Verbraucher sie gegen das Licht, erscheint dort das Porträt der mythologischen Figur Europa. 

Rein rechnerisch entfallen damit in Deutschland auf 10.000 Einwohner nur noch fünf falsche Banknoten, während es im restlichen Europa im Durchschnitt zehn sind. "Damit stehen wir im Vergleich gut da", meint Beermann, der bei der Bundesbank für das Thema Bargeld zuständig ist. Die gute Ermittlungsarbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaften trage dazu maßgeblich bei. So hatten deutsche Ermittler erst Anfang des Jahres geschafft, mit "DarkMarket" einen riesigen Umschlagsplatz auch für Falschgeld im Internet offline zu stellen. 

Zwanziger meistgefälschter Schein

Jahrelang war der "falsche Fuffziger" bei Fälschern am beliebtesten, doch mittlerweile hat ihn der falsche Zwanziger knapp überholt. Im ersten Halbjahr 2021 machte er 41 Prozent aller Fälschungen aus und war damit der meistgefälschte Schein - zum ersten Mal. "Das hat vermutlich damit zu tun, dass wir die Dinge des täglichen Bedarfs, etwa Lebensmittel, noch eher bar zahlen als etwa hochpreisigere Güter wie Schuhe und Kleidung", meint dazu Bundesbank-Vorstand Beermann. 

Die Fälschungen sind häufig leicht zu erkennen. Es handelt sich um sogenanntes Filmgeld, das in Filmen und im Theater als Requisite verwendet wird. In der Regel sind die Worte "MovieMoney" oder "Prop Copy" sogar auf den Geldscheinen aufgedruckt. "Mitunter übermalen die Fälscher die Aufschriften aber und fügen dann die Unterschrift des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi hinzu", erklärt Beermann.

Laut Bundeskriminalamt ist mittlerweile fast jeder zweite gefälschte Schein in Deutschland Filmgeld. Wie aus dem aktuellen Bundeslagebild zum Thema Falschgeldkriminalität hervorgeht, stammen die Scheine vor allem von Anbietern aus China. Sie böten das Falschgeld oder die Materialien dazu im Internet an und schickten dieses auf dem Postweg nach Deutschland.  

Bei den gefälschten Münzen handelt es sich laut Bundesbank hauptsächlich um Zwei-Euro-Münzen. Auch die könnten Verbraucher beim Anfassen leicht erkennen, heißt es. Denn die Münzen hätten keine Prägung.

Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz

Wie schnell man auf Falschgeld hereinfallen kann, hat der Frankfurter Kioskbesitzer Daler Singh bereits selbst erlebt. Letztes Jahr standen zwei Jugendliche vor ihm und wollten Alkohol kaufen, Whiskey mit Cola und andere harte Spirituosen. Als sie Singh einen Zwanzig-Euro-Schein in die Hand drückten, stutzte er: "Der Schein fühlte sich an wie Papier", erzählt Singh. Und er war heller als andere Zwanziger. 

Da waren die beiden Kunden mit den Getränken bereits auf und davon. Als Singh sie verfolgen wollte, sprühten sie ihm Pfefferspray in die Augen. Er rief die Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Entschädigt wurde er bis heute nicht, denn für Falschgeld gibt es keinen Ersatz. Und so kann der Kioskbesitzer anderen nur raten: "Sie sollten erst das Geld entgegennehmen und dann die Ware herausgeben - und vor allem die Scheine gut kontrollieren."

Ertasten und Kippen

Das empfehlen auch Bundesbank und Bundeskriminalamt. Verbraucher sollten Banknoten auf jeden Fall in die Hand nehmen und die Griffigkeit und Festigkeit des Papiers erfühlen, auch Reliefs ertasten. Wenn sie sie gegen das Licht halten, sollte das Porträt der Europa als Schattenbild erscheinen. Werden die Scheine gekippt, sollten sich die Hologramm-Elemente und auch die Smaragdzahl darauf verändern. 

Falsche Banknoten und Münzen sollten Betroffene umgehend bei der Polizei abgeben. Sonst gehen wichtige Hinweise auf die Fälscher verloren. Wer Falschgeld selbst bewusst wieder in den Verkehr gibt, macht sich strafbar.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Juli 2021 um 15:41 Uhr.