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Onlinehandel Kartellamt warnt vor Fake-Bewertungen

Stand: 06.10.2020 12:55 Uhr

Der Onlinehandel boomt - und viele Verbraucher verlassen sich auf Nutzerbewertungen, wenn sie im Internet einkaufen. Doch oft seien die manipuliert, so das Bundeskartellamt. Portale müssten dagegen mehr unternehmen.

Das Bundeskartellamt warnt vor Fake-Bewertungen für Produkte in Online-Shops. "Bewertungen im Internet stammen teilweise gar nicht von echten Nutzern oder werden inhaltlich manipuliert", heißt es in einem Bericht der Behörde. Auch Bewertungen für Ärzte oder Hotels seien manchmal gefälscht, ohne dass dies für Verbraucher erkennbar sei.

"Nutzerbewertungen sind eine ganz zentrale Entscheidungshilfe beim Onlinekauf", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Online verkauften sich Produkte und Dienstleistungen mit vielen und mit positiven Bewertungen deutlich besser, als solche mit wenigen oder negativen Bewertungen. Fake-Bewertungen seien ein weit verbreitetes Phänomen.

Der Bericht des Kartellamtes beschreibt, wie sie entstehen können. So gebe es spezialisierte Dienstleister, bei denen positive Bewertungen gekauft werden könnten. Dabei würden Nutzern häufig kostenlos Produkte überlassen oder andere Belohnungen für positive Bewertungen gewährt. Auch Software, sogenannte Bots, könnten eingesetzt werden, um Bewertungen künstlich zu erzeugen.

Bei manchen Portalen sind laut Kartellamt vor allem die positiven Bewertungen sichtbar, wodurch ein verzerrtes Bild entstehe. Grund hierfür könne sein, dass zum Beispiel ein negativ bewertetes Restaurant beim Portalbetreiber einen Eintrag als kritisch gemeldet und die Löschung verlangt habe.

Das Bundeskartellamt forderte Online-Portale und Suchmaschinen dazu auf, beherzter gegen Fake-Bewertungen vorzugehen. Die meisten Portale verwendeten bislang lediglich Wortfilter oder verließen sich auf nachträgliche Meldungen von auffälligen Bewertungen, kritisieren die Wettbewerbshüter.

Künstliche Intelligenz gegen Manipulation

Es gebe verschiedene Methoden, Manipulationen aufzuspüren - etwa mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. Doch nur wenige Portale nutzten diese, so die Behörde. Es werde viel zu selten vorab überprüft, ob Bewertungen tatsächlich von Käufern des Produkts stammten.

Mundt appellierte an die Verbraucher, Produktbewertungen kritisch zu betrachten. "Achten Sie auf mögliche Hinweise wie übertriebene Sprache und wiederkehrende Muster", sagte der Kartellamtspräsident.

Es sei sinnvoll, stets möglichst viele Bewertungen eines Produkts oder eines Unternehmens zu lesen. Einen Hinweis auf die Glaubwürdigkeit könnten andere Bewertungen des selben Nutzers sein. Zudem empfiehlt das Kartellamt, auffällige Bewertungen beim Betreiber des Portals zu melden.

Kartellamt kann kein Verfahren einleiten

Ein Problem sei auch, dass es oftmals zu wenige Bewertungen gebe. Das Kartellamt legt deswegen Internet-Portalen nahe, mehr Verbraucher zum Verfassen von Bewertungen zu motivieren - etwa über Gutscheine.

In einer sogenannten Sektoruntersuchung hatte die Behörde Nutzerbewertungen im Internet unter die Lupe genommen. Dafür befragte sie über 60 große Portale mit Bewertungen aus 16 Branchen.

Verfahren gegen einzelne Unternehmen, bei denen es den Verdacht auf Verbraucherrechtsverstöße gibt, kann das Bundeskartellamt nicht einleiten. Anders als im Kartellrecht hat es im Verbraucherschutz keine entsprechenden Befugnisse.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 06. Oktober 2020 um 14:25 Uhr.