Jan Marsalek | Bildquelle: Wirecard

Flüchtiger Wirecard-Manager BKA fahndet öffentlich nach Marsalek

Stand: 13.08.2020 08:56 Uhr

Er wurde schon auf den Philippinen und in Moskau vermutet - der frühere Vorstand des insolvent gegangenen Zahlungsdienstleisters Wirecard ist abgetaucht. Das BKA hat ihn nun öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben.

Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal beim Dax-Konzern Wirecard fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) öffentlich nach dem flüchtigen Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek.

Jan Marsalek | Bildquelle: dpa
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Mit diesem Fahndungsfoto sucht das BKA nach Jan Marsalek.

Der österreichische Manager war bis Juni 2020 Vorstandsmitglied bei dem insolvent gegangenen Zahlungsdienstleister.

Marsalek wird verdächtigt, zusammen mit anderen Beschuldigten die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen durch Scheingeschäfte aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen.

Die Ermittler verdächtigen ihn des besonders schweren Falls der Untreue und des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

"Aktenzeichen XY...ungelöst" greift Fall auf

"Aufgrund der derzeitigen Ermittlungsergebnisse wird ein Aufenthaltsort des Gesuchten im Ausland für sehr wahrscheinlich gehalten", teilte das BKA in Wiesbaden mit.

Auch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" griff den Fall auf, Zuschauer wurden um Hinweise zu Marsaleks Aufenthaltsort gebeten.

Medien berichteten Mitte Juli, er könne sich in Belarus oder Russland aufhalten. Zuvor war Marsalek auf den Philippinen vermutet worden.

Es stellte sich allerdings heraus, dass er seine Spuren professionell verwischen ließ: Die Philippinen teilten mit, dass Beamte der Einwanderungsbehörde Marsaleks Einreisedaten gefälscht hatten. Auf diese Weise täuschte er vor, am 23. Juni auf die Philippinen eingereist und einen Tag später nach China ausgereist zu sein. Offenbar hielt er sich aber gar nicht auf den Philippinen auf.

Über drei Milliarden Euro gelten als verloren

Der ehemalige Vorstandschef Markus Braun und der frühere Finanzvorstand Burkhard Ley sowie andere Manager sitzen schon seit Ende Juli in Untersuchungshaft. Wirecard hatte Scheinbuchungen in Höhe von mutmaßlich 1,9 Milliarden Euro eingeräumt, die der Konzern in seiner Jahresbilanz 2019 auf der Habenseite bilanzieren wollte - das Ergebnis wahrscheinlich nicht existierender Luftgeschäfte mit Subunternehmern in Südostasien und im Mittleren Osten.

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Banken und Investoren über drei Milliarden Euro verloren haben könnten.

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