Spaten stecken in einem Acker | Bildquelle: dpa

Prognose der EU-Kommission Wachstum überall

Stand: 13.02.2017 12:13 Uhr

Die Zeiten sind schwierig für die EU, doch das beeinflusst die Konjunktur in den Mitgliedstaaten bislang offenbar nicht. Im Gegenteil: Erstmals seit zehn Jahren prognostiziert die EU-Kommission Wachstum in allen Staaten der Eurozone. Besonders positiv: Griechenland.

Trotz starker Unsicherheiten durch die neue US-Regierung und den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU hat die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für die Eurozone leicht angehoben. Für das laufende Jahr geht die Kommission von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,6 Prozent aus, für 2018 um 1,8 Prozent. Damit erhöhte sie ihre Vorhersagen für die 19 Staaten umfassende Währungsunion um jeweils 0,1 Prozentpunkte.

Für die Brüsseler Behörde sind diese Zahlen ein Erfolg: "Erstmals seit fast einem Jahrzehnt ist in allen EU-Mitgliedstaaten für den gesamten Prognosezeitraum (2016-2018) Wachstum zu erwarten", teilte sie mit. So bessern sich die Zahlen auch in den mit Haushaltsproblemen kämpfenden Staaten Italien und Frankreich. In Frankreich dürfte das BIP in diesem Jahr um 1,4 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um 1,7 Prozent. In Italien soll das Wachstum bei 0,9 Prozent liegen und 2018 auf 1,1 Prozent steigen.

Gute Zahlen für Griechenland

Auch Griechenland, das noch immer am Tropf der Geldgeber der Eurozone und des Hilfsprogramms ESM hängt, erholt sich weiter - hier wird ein Wachstum von 2,7 Prozent erwartet. In ihrer Herbstprognose hatte die Kommission für Griechenland für 2016 noch eine schrumpfende Wirtschaft erwartet.

Deutschlands Überschüsse werden sinken

Für Deutschland geht Brüssel 2017 von 1,6 Prozent aus und 2018 von 1,8 Prozent. Deutschlands enorme Exportüberschüsse werden der Prognose zufolge etwas sinken, da die Importe stärker zulegen dürften als die Ausfuhren. Die Leistungsbilanz werde in diesem Jahr einen Überschuss von 8,3 Prozent und 2018 von 8,0 Prozent ausweisen, nachdem es 2016 noch 8,7 Prozent waren. Die EU-Kommission sieht Werte von dauerhaft über sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an. Deutschland reißt diesen Wert seit Jahren.

Moscovici: Wirtschaft ist widerstandsfähig

Wirtschafts- und Finanzkommissar Pierre Moscovici verwies mit Blick auf das Brexit-Votum darauf, dass sich die Wirtschaft in Europa trotz Störfeuers von außen als widerstandsfähig erwiesen habe. Daher sei es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Unterstützung des Wachstums zu nutzen. Dennoch sei der Ausblick mit einer ungewöhnlich hohen Unsicherheit behaftet - auch wegen der Vielzahl von Wahlen, die in den Mitgliedstaaten anstehen.

EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis mahnte die Staaten zugleich, bei ihren Reformanstrengungen nicht nachzulassen. Angesichts einer anziehenden Inflation dürften sie sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass die für Konjunkturimpulse sorgende ultra-lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) "auf Dauer" bestehen bleibe: "Deshalb sollten Länder mit hohem Haushaltsdefizit und hohem Schuldenniveau diese weiter zurückführen, um widerstandsfähiger gegen wirtschaftliche Schocks zu werden."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Februar 2017 um 12:30 Uhr in der Wirtschaft.

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