Heringe liegen im Hafen von Stahlbrode in Mecklenburg-Vorpommern in einer Fisch-Kiste. | dpa

EU-Fischfangquoten Weniger Hering aus der Ostsee

Stand: 20.10.2020 07:07 Uhr

Weniger Hering, mehr Scholle und Sprotte: Die EU-Agrarminister haben sich auf die Fischfangquoten für 2021 geeinigt. Nicht nur Landwirtschaftsministerin Klöckner sprach von einem "guten Gleichgewicht".

Deutsche Ostsee-Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering fangen. Die erlaubte Fangmenge für den westlichen Hering wird 2021 erneut gesenkt, wie aus einer Einigung der EU-Fischereiminister hervorgeht.

Jedes Jahr legen die EU-Fischereiminister die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission macht dafür Vorschläge auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), in denen der Zustand einzelner Fischbestände untersucht wird. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die die Verhandlungen aufgrund der deutschen EU-Ratspräsidentschaft leitete, zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen. Mit den Beschlüssen habe man ein gutes Gleichgewicht gefunden, so die CDU-Politikerin. "Die Fischbestände müssen sich erholen. Gleichzeitig ist es wichtig, auf Grundlage der wissenschaftlichen Daten eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen." Vom Fischfang und vom Angeltourismus hänge die wirtschaftliche Existenz vieler Familien an den Küsten ab.

WWF: Balance "in Teilen erreicht"

Beim für deutsche Fischer besonders wichtigen westlichen Hering sieht die diesjährige Einigung der Minister eine Kürzung um 50 Prozent vor, beim westlichen Dorsch hingegen ein leichtes Plus um fünf Prozent. Dorsch-Freizeitfischer sollen weiterhin fünf Exemplare am Tag aus dem Wasser ziehen dürfen. Von Mitte Mai bis Mitte August sollen es nur zwei sein. In der östlichen Ostsee darf Dorsch weiterhin nicht gezielt gefischt werden. Ein leichtes Plus gibt es im kommenden Jahr auch bei der Fangquote für die Scholle (plus fünf Prozent) und die Sprotte (plus sechs Prozent).

Auch Umweltschützer reagierten weitgehend positiv auf die Einigung der EU-Fischereiminister. Stella Nemecky, Fischereipolitik-Expertin des WWF, sagte, die Balance aus Erholung der Fischbestände und Einkommenssicherung für die Fischer sei "überraschenderweise in weiten Teilen erreicht" worden. Die Ergebnisse seien zwar insgesamt schlechter als die Vorschläge der EU-Kommission, "aber es hätte durchaus schlimmer kommen können". Es habe den Anschein, als hätten die Ministerinnen und Minister den Ernst der Lage erkannt. Nemecky kritisierte jedoch, dass für den westlichen Hering kein Fangstopp beschlossen wurde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.