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Maßnahmen gegen Corona Luftfilter nicht in allen Klassenzimmern

Stand: 12.10.2021 10:04 Uhr

Noch im Sommer hatten Landespolitiker versprochen, alle Schulen bis zum Herbst mit Luftfiltern auszustatten. Manchen ist es geglückt, andere sehen die flächendeckende Anschaffung sogar skeptisch.

Von Bianca von der Au, tagesschau.de

Während der Sommerferien war Lüften kein Problem, doch nun kommt der Herbst. Wie reagieren die Schulen darauf? In Hamburg etwa sollen bis Ende Oktober alle Klassenräume in allen Hamburger Schulen mit Luftfiltern ausgestattet sein. Damit ist die Hansestadt auf dem besten Weg, die Ankündigungen von Bildungssenator Ties Rabe aus dem Sommer zu erfüllen. Nach Angaben des Amtes für Bildung haben derzeit rund 80 Prozent der 376 allgemeinen Hamburger Schulen schon entsprechende Geräte. 21 Millionen Euro kostet die Anschaffung.

Das Land Berlin hat sogar 25 Millionen Euro für Luftfilter ausgegeben. Dafür wurden bislang 11.000 Geräte an die Schulen gebracht. Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Bildung ist damit nahezu jede Schule in der Hauptstadt ausgestattet - vor allem dort, wo nicht optimal gelüftet werden könne; weitere 13.000 Luftfilter sollen folgen, heißt es.

Flickenteppich Förderantrag

So konkret wie die beiden Stadtstaaten sind die meisten Bundesländer nicht in ihren Angaben. Sie verweisen darauf, dass die Ausstattung der Schulen Sache der Bildungsträger, also der Kommunen, ist. Die Länder haben aber zusätzliche Budgets für die Anschaffung der Luftfilter an Schulen aufgelegt: Bayern etwa im Umfang von 37 Millionen Euro, in Niedersachsen sind es 20 Millionen, Rheinland-Pfalz nennt eine Summe von 18 Millionen Euro. Wie langwierig der Weg vom Antrag zur Beschaffung sein muss, zeigt die Tatsache, dass in Rheinland-Pfalz laut dortigem Bildungsministerium gerade einmal drei Millionen Euro abgerufen wurden.

In Frankfurt ist die Ausschreibung für eine dritte Förderrunde sogar gerade erst veröffentlicht worden. In rund zwei Wochen erwartet Bildungsdezernentin Sylvia Weber erste Angebote. Damit will die Stadt auch die Schulklassen mit Luftfiltern bestücken, die aus der Bundesförderung herausfallen. Denn die gelte nur für Räume, die nicht ausreichend belüftet werden können.

Der Bund stellt nach einem Beschluss von Mitte Juli zusätzlich zu den Ländern Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro für mobile Luftfilter zur Verfügung. Für stationäre raumlufttechnische Anlagen gibt es seit Oktober 2020 ein Bundesprogramm in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Viele Hersteller wie UlmAir oder Daikin kritisieren die uneinheitlichen Ausschreibungs- und Förderkriterien von Bund und Ländern. Dadurch seien Bestellungen erst spät eingegangen. Hinzu komme, dass mobile Luftfiltergeräte lange von der Bundesförderung ausgeschlossen gewesen seien.

Nicht alle wollen Luftfilter

Zudem gibt es Bundesländer, in denen das Interesse an Raumlüftern von Seiten der Schulträger eher gering ist. So sind beispielsweise von den 615 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern an nur 23 Schulen solche Geräte im Einsatz. Das hatte eine Abfrage des Bildungsministeriums in Schwerin ergeben. Weitere 45 Geräte würden in Kürze eingesetzt. Nach Angaben eines Sprechers des Bildungsministeriums war die Stimmung bei den Schulträgern gegenüber Luftfiltern zeitweise eher ablehnend. Ein Kritik-Punkt lautete danach, dass sie die Luft ja nur umwälzen und nicht für Frischluft sorgen würden. Auch in anderen Bundesländern wie etwa Sachsen haben sich einige Kommunen nach einer Testphase gegen mobile Luftfilter entschieden - etwa, weil sie zu laut und zu störend gewesen seien.

Kritisch gegenüber der flächendeckenden Ausstattung aller Klassenzimmer mit Luftfiltern ist auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst. Die Bildungsministerin Brandenburgs sieht die Notwendigkeit mit Verweis auf Experten nicht. "Wir halten uns an die Empfehlungen des Umweltbundesamtes, die eine flächendeckende Ausstattung aller Klassenzimmer mit Luftfiltern nicht für sinnvoll halten, weil wir am Lüften nicht vorbeikommen", sagte die SPD-Politikerin und Ehefrau von Kanzlerkandidat Olaf Scholz Anfang des Monats einer Zeitung. Die Wirkung von mobilen Luftfiltern wurde über Monate immer wieder diskutiert und war lange umstritten. Das Umweltbundesamt empfahl die Geräte zunächst nur als Ergänzung fürs Fensterlüften.

Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte bereits im Herst vergangenen Jahres ein landeseigenes Programm zur Anschaffung von Luftfiltern und zur Verbesserung der Lüftung von Räumen aufgelegt. Zusammen mit Bundesmitteln stehen in einem aktuellen Förderprogramm 90 Millionen Euro zur Verfügung. Das NRW-Bildungsministerium verweist darauf, dass die Förderung nur für solche Räume gilt, die nur eingeschränkt gelüftet werden können. Denn ein Luftfiltergerät ergänze das natürliche Lüften, könne es aber niemals ersetzen.