Die Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt | dpa

Deutsche Bank und Commerzbank "Ergebnisoffene" Gespräche über Fusion

Stand: 17.03.2019 13:59 Uhr

Lange hat die Politik Druck gemacht, jetzt haben Deutsche Bank und Commerzbank nachgegeben. Sie wollen offiziell über eine mögliche Fusion reden. Aktionäre sind skeptisch, die Gewerkschaften fürchten um Tausende Jobs.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank beginnen offiziell mit Gesprächen über eine Fusion. Das teilten die beiden größten deutschen Privatbanken mit. Beide Banken erklärten, die Gespräche seien ergebnisoffen.

"Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird", betonte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. "Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können."

Sollte das Vorhaben glücken, entstünde die mit weitem Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro.

Großer Wunsch des Finanzministeriums

Über ein Zusammengehen der beiden Institute wird seit Monaten spekuliert. Die Vorstände beider Geldhäuser hatten schon seit geraumer Zeit im kleinen Kreis beraten, ob die beiden Geldhäuser zusammenpassen könnten. Immer wieder bekräftigten Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, Deutschland brauche starke Banken.

Scholz beklagte, hiesige Banken hätten nicht mehr die "Größenordnung und die Globalität", die notwendig sei, um Unternehmen bei ihren Geschäften weltweit zu begleiten. Die Bundesregierung stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber".

Allein Kukies traf sich offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr fast zwei Dutzend Mal mit führenden Vertretern der Deutschen Bank. Bei der Commerzbank hat der Bund seit der Finanzkrise über seine Aktienbeteiligung von gut 15 Prozent Mitspracherecht. Medienberichten zufolge sollen Scholz und Kukies die Bankchefs Sewing und Martin Zielke (Commerzbank) gedrängt haben, ein Zusammengehen zu prüfen - idealerweise vor der Europawahl Ende Mai.

Christian Sewing | AFP

Deutsche-Bank-Chef Sewing versucht mit hartem Sparkurs, wieder dauerhaft in die Gewinnzone zu kommen. Bild: AFP

Martin Zielke (Archivbild)

Martin Zielke hat die Commerzbank in den letzten Jahren radikal umgebaut. Noch ist die Bank aber nicht am Ziel.

Sparkurse und Altlasten

Die Sorge der Politik: Europas größter Volkswirtschaft fehlt eine schlagkräftige internationale Großbank. Während die US-Konkurrenz längst wieder bestens verdient, dümpeln Deutschlands Großbanken zehn Jahre nach der Finanzkrise vor sich hin. Der deutsche Bankenmarkt ist traditionell hart umkämpft, die niedrigen Zinsen im Euroraum und hohe Regulierungskosten erschweren der Branche das Geldverdienen zusätzlich.

Dazu kamen hausgemachte Probleme wie teure juristische Altlasten bei der Deutschen Bank. Nach drei Verlustjahren in Folge hat Deutschlands größtes Geldhaus 2018 mit 341 Millionen Euro Überschuss gerade erst die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Von glänzenden Milliardengewinnen der Vergangenheit ist die Deutsche Bank allerdings meilenweit entfernt - ebenso wie der Aktienkurs von einstigen Höchstständen.

Der seit fast einem Jahr amtierende Sewing hat dem einstigen deutschen Vorzeigeinstitut 2018 eine Rosskur verordnet. In deren Rahmen wurden Tausende Stellen gestrichen. Das Institut dampfte außerdem seine Investmentbank ein, die seit Jahren der Konkurrenz vor allem aus den USA hinterherläuft.

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr zwar etwa zweieinhalb Mal so viel verdient wie die Deutsche Bank (865 Mio Euro), sieht sich bei ihrem Konzernumbau inklusive Stellenabbau aber auch noch nicht am Ziel. Das Institut stieg im Herbst angesichts eines ebenfalls kräftig gestutzten Börsenwertes sogar vom Dax in den MDax ab.

Werden zwei Schwache zu einem "Champion"?

Ob ein Zusammenschluss der beiden Häuser die Lösung der Probleme wäre, ist unter Experten umstritten. Auch wichtige Anteilseigner sind nicht überzeugt, dass eine Fusion Sinn ergibt. Bezweifelt wird vor allem, dass aus der angeschlagenen Deutschen Bank und der im Umbau befindlichen Commerzbank der "nationale Champion" mit deutlich mehr Gewicht auf der internationalen Bühne entstünde, den die Politik sich wünscht.

Zwar könnten in einer größeren Einheit auf Dauer die Kosten gesenkt werden, und die Institute könnten das Thema Digitalisierung mit vereinten Kräften vorantreiben. Allerdings würde eine Fusion an den Zentralen und Filialen sicher nicht spurlos vorübergehen. Experten gehen davon aus, dass mindestens 30.000 Stellen wegfallen dürften.

Die Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsräten der beiden Geldhäusern kündigten bereits an, dass sie gegen eine Fusion stimmen würden. Am kommenden Donnerstag soll das Thema in den Aufsichtsräten beider Konzerne diskutiert werden. Rein rechtlich gesehen müssten die Aufsichtsräte erst ganz am Ende der Verhandlungen zustimmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. März 2019 um 13:15 Uhr.