Schriftzug der Deutschen Bahn an der Konzernzentrale in Berlin | dpa

Gering ausgelastete Züge Rekordverlust bei der Deutschen Bahn

Stand: 25.11.2020 16:42 Uhr

Die zweite Corona-Welle verschärft die Probleme der Deutschen Bahn. Für 2020 zeichnet sich ein Milliardenverlust ab. Strittig ist zwischen Bund und Ländern, ob neue Corona-Regeln für mehr Abstand auf Bahnreisen sorgen sollen.

Die Deutsche Bahn steuert offenbar auf einen Rekordverlust zu. Infolge der Covid-19-Pandemie sei für das laufende Jahr mit einem Minus von 5,6 Milliarden Euro zu rechnen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf konzerninterne Unterlagen für die anstehende Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am 9. Dezember. Die Fernzüge seien derzeit im Schnitt nur noch zu 20 Prozent ausgelastet, die Regionalzüge zu 55 bis 60 Prozent.

Neue Auflagen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Pandemie könnten die finanziellen Probleme der Deutschen Bahn weiter verschärfen. Vor den heutigen Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel waren auch mehrere konkrete Vorschläge für den Bahnverkehr in der Diskussion, wie Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten.

Länder befürchten Auflagen für Nahverkehr

Die Bundesländer sehen die vom Bund vorgeschlagenen Corona-Auflagen jedoch kritisch. In einem Entwurf der Ministerpräsidenten für die abschließende Beratung mit Kanzlerin Angela Merkel wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters Passagen wieder gestrichen, die der Bahn vorschreiben, im Winter nur die Fensterplätze zu reservieren - um so für mehr Abstand zwischen den Passagieren zu sorgen. Hintergrund ist offenbar die Sorge, dass ähnliche Forderungen auch für den öffentlichen Nahverkehr erhoben werden könnten.

Rechnungshof kritisiert Vorgehen bei Staatshilfen

Die Deutsche Bahn kämpft infolge der Pandemie mit stark gesunkenen Passagierzahlen - insbesondere im Fernverkehr. Zum Halbjahr hatte der Konzern bereits einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro ausgewiesen. Um dieses Minus auszugleichen, sagte die Bundesregierung dem staatseigenen Konzern im Konjunkturpaket vom Juni eine Aufstockung des Eigenkapitals um fünf Milliarden Euro zu.

Dieses Vorgehen hatte der Bundesrechnungshof gestern ausdrücklich kritisiert. Es deute sich an, dass das Geschäft 2020 nicht so schlecht gelaufen sei wie noch im Frühjahr erwartet, heißt es in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages. "Vor diesem Hintergrund ist die sofortige und vollständige Auszahlung der Eigenkapitalhilfe von fünf Milliarden Euro nicht zu rechtfertigen", schrieb der Bundesrechnungshof. Stattdessen sollten die Hilfen nur schrittweise mit Nachweis bereits eingetretener Schäden ausgezahlt werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. November 2020 um 08:03 Uhr.