Mercedesstern | Bildquelle: AP

Daimler Mehr Verkäufe - trotz Dieselskandals

Stand: 20.10.2017 10:33 Uhr

Trotz des Dieselskandals verkaufen sich Autos der Marke Mercedes bestens, Daimler fährt einen Rekord nach dem anderen ein. Auch die Aktie kommt an der Börse wieder auf Touren. Nun haben sich die Schwaben im Zusammenhang mit dem Kartellverdacht gegen die deutschen Autobauer bei der EU-Kommission als Kronzeuge gemeldet.

Das Unternehmen habe einen Kronzeugenstatus und damit Bußgeldimmunität beantragt, erklärte Finanzvorstand Bodo Uebber am Freitag. Bei der EU-Kommission läuft derzeit eine Voruntersuchung dazu, ob sich die deutschen Autobauer Volkswagen, BMW und Daimler unzulässig in den 1990er Jahren über Technik, Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgestimmt hätten. Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies eines der größten Kartelle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Kronzeugen gehen in der Regel in einem Kartellverfahren straffrei aus.

Kommt Daimler straffrei davon?

"Im Grundsatz geht es um die kartellrechtlichen Absprachen, die vor einiger Zeit in der Presse diskutiert worden sind", erklärte Uebber. Freilich sei noch immer kein förmliches Verfahren eröffnet, betonte der Finanzvorstand. Rückstellungen müsse Daimler daher nicht bilden. NaIn Medienberichten hieß es, auch der VW-Konzern habe eine Art Selbstanzeige rund um den Kartellverdacht bei den Behörden eingereicht. Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll Daimler den Wolfsburgern dabei aber zuvorgekommen sein. Wer zuerst mit den Aufsehern kooperiert, darf auf den größten Nachlass bei einer möglichen Strafe hoffen.

Weitere Kursinformationen zu Daimler

Die Diesel-Krise hat viele Autofahrer verunsichert. Die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen ist europaweit eingebrochen. Wie stark Daimler darunter leidet, ist unklar. Denn konkrete Angaben zu den Diesel-Verkaufszahlen bleiben die Stuttgarter schuldig. Eine Absatzdelle im Gesamtgeschäft ist freilich noch nicht zu sehen. Im Gegenteil: Im Zeitraum von Juli bis Ende September verkaufte der Premium-Hersteller 597.300 Autos seiner Stammmarke Mercedes - ein Plus von rund sechs Prozent und so viel wie nie in einem Quartal. Dabei waren vor allem sportliche SUVs - Stadtgeländewagen - gefragt. Der Umsatz von Daimler stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um sechs Prozent auf 40,8 Milliarden Euro.

Diesel-Nachrüstung und Rückrufaktionen drücken Gewinn

Beim Gewinn hinterließ der Diesel-Skandal im abgelaufenen Quartal allerdings erste Spuren: Unter anderem die Kosten für die Nachrüstung von Dieselwagen führten zu einem Gewinnrückgang bei Daimler. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank um 14 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro. Der Autobauer hatte im Juli angesichts der Diskussion über Diesel-Fahrverbote und überhöhte Stickoxid-Werte die Nachbesserung von drei Millionen Mercedes-Benz-Pkw in Europa beschlossen.

Verdacht auf Preisabsprachen deutscher Autobauer
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Eingenebelte Logos der Autohersteller BMW. Porsche,VW, Audi und Daimler

Die dafür erwarteten Kosten von 223 Millionen Euro wurden im dritten Quartal verbucht. Darüber hinaus belasteten Ausgaben für eine weitere Rückrufaktion und Entwicklungskosten das Ergebnis der größten Sparte Mercedes-Cenz Cars. Unter dem Strich erwirtschaftete der Premium-Autobauer ein Konzernergebnis von 2,26 Milliarden Euro - 17 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Damit schnitt Daimler in etwa so ab wie von Analysten erwartet.

Die jüngsten Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autobauer und auch die Ermittlungen wegen angeblicher Manipulationen bei den Abgasemissionen könnten Daimler in Zukunft noch weiter belasten. Im April hatte der Stuttgarter Autobauer erklärt, das Unternehmen schließe angesichts der Ermittlung von US-Behörden wegen möglicherweise unerlaubter Funktionen in Diesel-Motoren empfindliche Geldstrafen nicht aus. Zu den Ermittlungen in Sachen Dieselabgase in Deutschland und den USA gebe es aktuell keinen neuen Sachstand, erklärte ein Daimler-Sprecher.

Emissionen im Griff?

Daimler hat einiges dafür getan, um dem Diesel auch auf breiter Front eine Zukunft zu geben. Der Konzern ist auf die Herausforderungen bei den zukünftig noch strengeren Abgaswerten eigentlich gut vorbereitet. So gilt die neue Motorengeneration OM 654 als besonders sauber. Nach unabhängigen Messungen erfüllt das Aggregat auch strengste zukünftige Abgasnormen mit Bravour. Und das nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im realen Autoverkehr und auch im Winter, wo bisher viele Diesel kläglich versagten.

Daimler E-Klasse
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Daimler E-Klasse

Doch was tun, wenn die Kundschaft trotzdem massiv verunsichert ist? Darauf setzen, dass sich die Diesel-Nachfrage irgendwann wieder normalisieren wird? Das könnte sich als Trugschluss erweisen. Denn in absehbarer Zeit könnte unabhängig von der aktuellen Diskussion über Fahrverbote noch aus einer anderen Richtung Gefahr drohen. Die EU-Kommission plant, ab dem Jahr 2023 Kraftstoffe nach Energieinhalt zu besteuern. Die Folge wäre, dass auf einmal Diesel pro Liter teurer wäre als Benzin. Das wahrscheinlich wichtigste Argument günstigerer variabler Kosten wäre verschwunden. Die Auswirkungen auf die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen wären wohl dramatisch.

Zwar sind die Pläne noch nicht beschlossen, zumal auch Deutschland dem zustimmen müsste. Doch im Vorfeld einer wahrscheinlichen Jamaika-Koalition in Berlin scheint nichts undenkbar zu sein.

China entlastet...

Zum Glück für Daimler ist man vom Diesel-Stammland in Deutschland nun weniger abhängig als vor einigen Jahren. Dazu trägt insbesondere der boomende Markt in China bei. Hier spielen Diesel-Pkws traditionell keine Rolle. Inzwischen verkauft Daimler mehr gut ein Viertel aller Pkws in dem Land. Gerade erst wurde der 55. Rekordmonat in Folge verbucht.

... und belastet

Daimler China
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Präsentation eines Mercedes C-Klasse Models in China

Doch die zunehmende Abhängigkeit von China machen die Herausforderungen durch das nahende Elektroautozeitalter noch drückender. Bereits im Jahr 2019 sollen Autohersteller nach dem Willen der chinesischen Regierung mindestens zehn Prozent Elektroautos verkaufen, ein Jahr später bereits zwölf Prozent. Werden die Quoten verfehlt, drohen empfindliche Strafen.

Werden dagegen die Quoten erfüllt, drohen Auswirkungen auf die Beschäftigung innerhalb des Konzerns. Gelten doch Elektroautos als weniger fertigungsintensiv als traditionelle Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor, auch weil Zulieferer einen größeren Teil der Wertschöpfung erbringen. Nicht umsonst will Daimler das Werk in Stuttgart-Untertürkheim, in dem traditionelle Verbrennungsmotoren und dazu passende Getriebe hergestellt werden, stark in Richtung Komponenten für Elektroautos entwickeln.

Margen könnten sinken

Bis 2025 will Daimler bis zu ein Viertel des Pkw-Absatzes mit batteriegetriebenen Autos erzielen. Das dürfte die Marge drücken. Mittelfristig könnte sich die Zielrendite zwischen acht und zehn Prozent bewegen. Bisher waren stets zehn Prozent das Margen-Ziel.

Daimler sei erfolgreich unterwegs, erklärte am Freitag Vorstandschef Dieter Zetsche. "Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, aus einer starken Position heraus zu prüfen, ob wir uns noch besser aufstellen können", ergänzte er mit Blick auf den anvisierten Umbau des Konzerns. Der Autobauer hatte am Montag angekündigt, die bisher fünf Divisionen in drei eigenständige Tochterunternehmen umwandeln zu wollen. Das Pkw- und das Nutzfahrzeuggeschäft sollen voneinander getrennt werden und neben den Finanzdiensten als eigenständige Aktiengesellschaften etabliert werden. Allerdings soll die endgültige Entscheidung nach eingehender Prüfung und Vorbereitung erst 2019 fallen.

Börse 17.00 Uhr Autobauer unter Kartellverdacht
boerse
20.10.2017 18:04 Uhr

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Jahresprognose bestätigt

Den Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 ließ Daimler auf Konzernebene unverändert, obwohl in der Lkw-Sparte jetzt wegen der Erholung des US-Geschäfts mit mehr Gewinn als zuvor gerechnet wird. Das operative Ergebnis im Konzern soll deutlich über dem Vorjahresniveau liegen, also um mehr als zehn Prozent steigen. Bei Absatz und Umsatz erwartet Daimler ein Plus von mehr als fünf Prozent.

Weitere Kursinformationen zu Daimler

Die Aktie von Daimler legt am Freitag um 10,5 Prozent zu und zählt zu den Dax-Gewinnern. Seit Jahresbeginn hat der Dax-Titel knapp drei Prozent eingebüßt. Der Diesel-Skandal bremste den Kurs. Seit August hat die Aktie aber wieder die Kurve gekriegt.

nb/ME

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Quelle: boerse.ard.de
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