Daimler-Schriftzug | Bildquelle: dpa

Autobauer BAIC Zweiter chinesischer Großaktionär bei Daimler

Stand: 23.07.2019 15:46 Uhr

Daimler hat einen weiteren Großaktionär aus China: Das Unternehmen BAIC übernimmt fünf Prozent. Aus Sicht von Analysten ist der Schritt folgerichtig.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

BAIC wird mit dem Einstieg bei Daimler einer der größten Einzelaktionäre des Stuttgarter Konzerns. Überraschend kommt der Schritt nicht - zumindest nicht aus chinesischer Sicht. Denn BAIC und Daimler arbeiten in China seit mehr als 15 Jahren eng zusammen: BeiQi - so der chinesische Firmenname von BAIC - ist Joint-Venture-Partner von Daimler.

Das bedeutet: Mercedes-Autos werden in China von beiden Firmen gemeinsam gebaut; unter anderem Wagen der C-Klasse und der E-Klasse. Auch bei Forschung, Entwicklung und Vertrieb arbeiten die Unternehmen zusammen.

Baic EX3 | Bildquelle: picture alliance/dpa
galerie

Bekannt für seine SUVs: BAIC

Zwei Großaktionäre - zwei Motive

Aus Sicht des Pekinger Autoanalysten Zhong Shi ergibt der fünfprozentige Einstieg bei Daimler absolut Sinn für das chinesische Staatsunternehmen:  

"BAIC arbeitet nicht besonders profitabel. Deswegen sucht die Firma nach einer stabilen Einnahmequelle. Als langjähriger Partner weiß BAIC, dass Daimler eine sichere Bank ist und weltweit stabile Umsätze erzielt. Diese Investition bei Daimler jetzt sorgt bei BAIC ebenfalls für Stabilität."

Seit knapp anderthalb Jahren ist bereits der chinesische Autokonzern Geely an Daimler beteiligt. Vergleichen könne man die beiden Großaktionäre aber auf keinen Fall, betont Zeng Zhilin, Gründer der Shanghaier Unternehmensberatung LMC Automotive. Der private Autokonzern Geely und das staatliche Unternehmen BAIC seien aus völlig verschiedenen Gründen bei Daimler eingestiegen:

"Für BAIC ist der Einstieg bei Daimler eine Art finanzielle Zukunfts-Absicherung. Als Großaktionär kann BAIC bei der Unternehmensstrategie mitreden und sich im Konzern Gehör verschaffen."

Weltweit überleben nur zwei bis drei Autokonzerne

Geely-Gründer Li Shufu hingegen sei es bei seinem Einstieg bei Daimler um etwas ganz anderes gegangen: nämlich um Technologie und Innovation, sagt der Shanghaier Autoexperte Zeng. Shufu sei überzeugt, dass langfristig nur zwei oder drei Autokonzerne weltweit überlebten.

Und Daimler habe als einer der Marktführer sehr gute Chancen: "Li strebt also für sein Unternehmen Geely eine Art Allianz mit Daimler an, um selbst auch langfristig auf dem Weltmarkt mitspielen zu können."

Smart Fortwo
galerie

Anfang des Jahres hat das chinesische Unternehmen Geely die Produktion von Daimlers Zweisitzer Smart übernommen.

Der Smart als Zukunftsmodell?

Wie die anderen Autokonzerne auch setzt Daimler in China inzwischen voll auf Elektro-Mobilität. Und hier könnte es noch spannend werden zwischen den chinesischen Anteilseignern Geely und BAIC, meint Auto-Analyst Zeng.

Nachdem Daimler die Hälfte seiner Anteile von Smart an Geely verkauft habe, werde der Kleinwagen voraussichtlich nur noch in China und auschließlich elektrisch produziert.

Das wiederum wirke sich auf BAIC aus, so Zeng. Denn bisher produziere Daimler seine E-Modelle in China fast zu 100 Prozent mit BAIC. Wie das in Zukunft zwischen den beiden Anteilseignern aufgeteilt werde, sei noch unklar, meint der Experte.

Weiterer Großinvestor aus China: BAIC steigt bei Daimler ein
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
23.07.2019 16:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Juli 2019 um 13:39 Uhr.

Darstellung: