Steuerfahnder nehmen an einer Razzia teil. | Bildquelle: dpa

Cum-Ex-Skandal Razzia bei Deutsche-Börse-Tochter

Stand: 27.08.2019 14:02 Uhr

Bei der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream hat es im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Ermittlungen eine Razzia gegeben. Die Firma soll Kunden geholfen haben, die Kapitalertragssteuer mehrfach erstattet zu bekommen.

Kurz vor Beginn des ersten Cum-Ex-Prozesses ist die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream ins Visier der Fahnder geraten. Wie die Staatsanwaltschaft Köln mitteilte, wurden auf ihre Anweisung hin die Räume des Unternehmens in Eschborn bei Frankfurt durchsucht. Die Aktion fand demnach im Rahmen der Ermittlungen statt.

Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte, das Unternehmen werde wie in der Vergangenheit vollumfänglich mit den Behörden kooperieren. Die im Dax notierten Aktien der Deutschen Börse weiteten ihre Verluste aus und lagen zeitweise zwei Prozent im Minus.

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So funktionierten die "Cum-Ex"-Geschäfte

Grafik: Cum-Ex-Geschäft 1 von 6

Investor A ist Anteilseigner eines Großkonzerns. Er besitzt Aktien im Wert von 15 Millionen Euro.

Clearstream ist eine Abwicklungsgesellschaft für Börsengeschäfte. Die Firma soll Kunden geholfen haben, Kapitalertragssteuern mehrfach erstattet zu bekommen.

Schaden in Milliardenhöhe

Wegen des Cum-Ex-Skandals werden immer wieder Banken und andere Finanzinstitute durchsucht, darunter etwa die Deutsche Bank, Commerzbank und DZ Bank. Bei diesen Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragssteuer auf Aktiendividenden mit Hilfe von Banken mehrfach erstatten.

Dazu verschoben sie um den Stichtag der Dividendenzahlung herum untereinander Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Dividendenanspruch. Insgesamt geht es bei dem Skandal um Hunderte Fälle mit einem vermuteten Gesamtschaden von mehreren Milliarden Euro.

Prozess-Start am 4. September

Ab Mittwoch kommender Woche müssen sich zwei ehemalige Banker der Hypovereinsbank vor dem Landgericht Bonn verantworten. Sie sollen sich später mit einer Investmentfirma auf Cum-Ex-Deals spezialisiert haben sollen. Die Staatsanwaltschaft geht von 33 Fällen besonders schwerer Steuerhinterziehung aus, deren Schaden sich auf mehr als 440 Millionen Euro belaufe. Hinzu kommt noch ein Versuch.

Zudem müssen fünf Geldhäuser den Richtern am Landgericht Bonn Rede und Antwort stehen. Ein Urteil im Prozess wird für Anfang Januar 2020 erwartet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2019 um 14:00 Uhr.

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