Negativer Verlauf der Dax-Kurve | Bildquelle: REUTERS

Auswirkungen von Corona Angst vor einer neuen Finanzkrise

Stand: 13.03.2020 14:40 Uhr

Die Corona-Krise hat den Finanzmärkten die heftigsten Verluste seit Jahrzehnten beschert. Die massiven Kursverluste schürten Angst vor einer neuen Finanzkrise.

Von Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio

Es war ein denkwürdiger Auftritt: Michael Corbat, der Chef der amerikanischen Citibank, will bei einem Termin im Weißen Haus unbedingt etwas klarstellen: "Das ist keine Finanzkrise, die Banken sind in guter Verfassung. Wir sind hier, um zu helfen."

Aber wenn ein Banker schon betonen muss, dass alles in bester Ordnung ist, dann macht das viele Beobachter eher hellhörig. Denn in den USA setzt der kollabierte Ölpreis vielen kleinen Ölunternehmen massiv zu, sagt Kieran Calder von der Bank UBP im Börsensender CNBC: "Viele Schieferölunternehmen sind hoch verschuldet. Das ist eine Sorge. Aber die Banken, die denen geliehen haben, sind nicht die global systemwichtigen Banken."

Citibank-Chef Corbat (l.) beim Treffen mit Präsident Trump im Weißen Haus | Bildquelle: YURI GRIPAS/ABACA/POOL/EPA-EFE/S
galerie

Beim Treffen im Weißen Haus am Mittwoch sind Citibank-Chef Corbat (l.) und Bank-of-America-CEO Moynihan (m.) gemeinsam mit Präsident Trump darum bemüht, keine Panik an den Märkten aufkommen zu lassen.

Warnung vor dem Dominoeffekt

Das klingt nach einer Beruhigung: Offenbar sind nur kleine Regionalbanken aus den USA betroffen. Jürgen Michels, der Chefvolkswirt der BayernLB, sagt hingegen, auch aus der US-Provinz kann sich ein Problem wie ein Dominoeffekt durch den Finanzmarkt fressen: "Wenn der Einzelne ausfällt, bedeutet das zunächst mal ein Problem für die Bank, die den Kredit ausgegeben hat." Das sei nicht weiter schlimm.

"Wenn ich jetzt aber diese Bank aufgrund des Verlustes in die Situation bringe, dass die auch bei anderen in der Kreditvergabe vorsichtiger werden - Finanzierungen werden teurer, einige können sich das nicht mehr leisten - dann kann es zu stärkeren Kreditausfällen führen, von denen viele Investoren betroffen werden. Und das kann dann zu einer Kreditknappheit führen."

Und wenn Finanzinstitute keine Kredite mehr vergeben, gehen Unternehmen pleite. Am Ende geraten dann wiederum auch die Banken in Bedrängnis. 

Italien ohnehin schon angeschlagen

Das könnte auch in Italien passieren, wo die Wirtschaft beinahe still steht. Und die italienischen Banken müssten sowieso viele alte Problemkredite verdauen, sagt Bankexpertin Carola Schuler von der Ratingagentur Moody's: "Ganz sicherlich werden die Problemkredite stark ansteigen, die Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Und das heißt für Banken, dass sie mit sehr viel mehr notleidenden Krediten rechnen müssen. Das wird die Kapitalpuffer bei den italienischen Banken schneller abschmelzen lassen als in anderen Gegenden."

Börsenhändler an der New Yorker Wall Street verfolgen die dramatische Kursentwicklung. | Bildquelle: AP
galerie

Die Anspannung ins Gesicht geschrieben: Börsenhändler an der New Yorker Wall Street verfolgen die dramatische Kursentwicklung.

Deswegen aber panisch zu werden, ist nicht angesagt. Denn Regierungen können Wirtschaftshilfen beschließen oder spezielle Überbrückungskredite für angeschlagene Unternehmen. Außerdem verlangen die Aufseher von den Banken heute deutlich mehr als zu Zeiten der Finanzkrise 2007/2008, erklärt Schuler. "Seit der letzten Finanzkrise hat sich da einiges getan in der Verbesserung der Bilanzen. Daher gehen wir davon aus, dass die deutschen Banken im Wesentlichen einiges an Krisenauswirkungen verkraften können."

Wenn das Coronavirus sich also verflüchtigt, und die Regierungen helfen, dann zumindest stehe keine Bankenkrise zu befürchten, sagt Schuler. Aber die Politiker müssten eben auch handeln, um einen Dominoeffekt im Finanzsystem zu verhindern.

ARD-Börse: Droht eine Finanzkrise?
Victor Gojdka, HR
13.03.2020 14:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: