Wirtschaft in China: Arbeiterin in einer Textilfabrik in Lianyungang | Bildquelle: AFP

Chinas Wirtschaft stockt Schwächstes Wachstum seit 28 Jahren

Stand: 21.01.2019 08:36 Uhr

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Konjunkturschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt dürfte auch die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen.

Die weltweite Konjunkturlokomotive China verliert an Schwung. Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft so langsam wie seit 28 Jahren nicht mehr. Die vom Statistikamt mitgeteilte Wachstumsrate sank auf 6,6 Prozent von 6,8 Prozent im Jahr 2017.

Der Handelsstreit mit den USA hinterlässt mittlerweile seine Spuren. Investitionen und Konsum schwächelten zum Jahresende. Experten erwarten weitere Konjunkturstützen der Regierung.

"Es wird zusätzliche Impulse geben", sagte Analystin Christy Tan von der National Australia Bank in Singapur. "Es ist noch nicht die Zeit, sich zurückzulehnen."

Hafen von Shanghai | Bildquelle: dpa
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Diverse Schritte wurden von der politischen Führung in China bereits auf den Weg gebracht, um die Wirtschaft zu stützen - zum Beispiel Steuersenkungen. Eine neue Flut an staatlichen Wirtschaftshilfen erwarten Experten derzeit aber nicht.

Im März könnte es ernst werden

"Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer wachsenden Unsicherheit bemerkbar", sagte Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft beim China-Institut Merics.

Schwächelnde Exporte und Zurückhaltung bei Investitionen wirkten sich bereits auf das Wachstum aus. "Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt."

Einbruch im Fahrzeugmarkt erwartet

Deutsche Unternehmen dürften sich im China-Geschäft künftig mehr zurückhalten. "Es ist zwar mit keinem dramatischen Einbruch in der Nachfrage nach deutschen Waren zu rechnen, allerdings werden die deutschen Unternehmen sich an die neuen Realitäten anpassen müssen", meint Zenglein.

Deutsche Autohersteller, die stark von China abhängig sind, müssen sich auf den ersten Einbruch des größten Fahrzeugmarktes der Welt seit zwei Jahrzehnten einstellen.

Präsentation der neuen Mercedes-Benz-C-Klasse auf der Messe "Auto China" im April 2014
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Deutsche Autohersteller müssen künftig mit Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt rechnen.

Immenser Schuldenberg

Nach der globalen Finanzkrise hatte die Volksrepublik vor rund zehn Jahren mit riesigen Konjunkturprogrammen dafür gesorgt, dass die globale Wirtschaft nicht in eine Depression stürzte. Eine Folge davon waren allerdings auch immense Schuldenberge von Firmen und öffentlicher Hand.

Für 2019 wird die Führung in Peking ein niedrigeres Wachstumsziel ausgeben, wie Reuters jüngst von Insidern erfuhr. Angestrebt wird demnach eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent. Analysten erwarten im Schnitt eine Abschwächung auf 6,3 Prozent.

An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die Abkühlung die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2019 um 08:00 Uhr.

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