Goldwind Windparkprojekt, China |

Erneuerbare Energien China setzt verstärkt auf Windkraft

Stand: 21.01.2021 12:29 Uhr

China hat 2020 doppelt so viele Anlagen für Wind- und Solarenergie gebaut wie im Jahr zuvor. Auch international ist das Land in dieser Branche zur Weltspitze vorgedrungen - zu Lasten europäischer Hersteller.

China drückt beim Umbau seiner Energieversorgung aufs Tempo. Zwar werden in dem Land weiter Kohlekraftwerke gebaut, doch auch mit der Windkraft und Solarenergie geht es voran. Den jüngsten Zahlen der chinesischen Energiebehörde zufolge wurden dort im vergangenen Jahr Windkraftanlagen mit einer Kapazität von knapp 72 Gigawatt errichtet. Das sei ein Rekord und fast dreimal so viel wie 2019.

Für den Schub im vergangenen Jahr hatte die Ankündigung der Regierung in Peking gesorgt, die Fördermittel für neue Windkraft an Land ab 2021 auslaufen zu lassen. Bei Solarenergie kamen im vorigen Jahr den Daten zufolge 48,2 Gigawatt neu dazu.

Fast komplett in chinesischer Hand

China hatte 2005 zugesichert, den Anteil nicht-fossiler Energien am Primärenergieverbrauch von 6,8 auf 15 Prozent bis 2020 zu steigern. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien sogar 25 Prozent des Strombedarfs decken.

Die europäischen Hersteller von Windkraftanlagen dürften von diesem Boom kaum profitieren. Im Gegenteil. Laut einer Untersuchung von Germany Trade and Invest, dem Nachfolger der Bundesagentur für Außenwirtschaft, ist der chinesische Markt für den Bau von Windkraftanlagen fast komplett in lokaler Hand.

Danach erreichten 2019 die zehn größten Windturbinenhersteller des Landes einen Marktanteil von deutlich über 90 Prozent. Allein die drei größten Firmen Goldwind, Envision und MYSE schafften es bei Neuinstallationen auf einen Marktanteil von 62 Prozent - Tendenz steigend. Dabei sind neun der zehn größten Windkrafthersteller Chinas Staatsunternehmen oder staatlich kontrolliert.

Asiatische Unternehmen holen auf

Doch auch international gehören die chinesischen Anbieter zur Weltspitze. Zwar wird die Rangliste der weltgrößten Hersteller von Windkraftanlagen laut den letzten verfügbaren Zahlen des Branchendienstes Bloomberg New Energy Finance (BNEF) noch von dem dänischen Konzern Vestas angeführt, mit einem Marktanteil von 16 Prozent.

Zweitgrößter Hersteller ist dank seines Vorsprungs im Offshore-Geschäft - also bei Anlagen auf hoher See - mit einem Anteil von knapp 15 Prozent am Gesamtmarkt Siemens Gamesa. Aber auf Rang drei folgt bereits der chinesische Hersteller Goldwind (13,6 Prozent), vor dem US-Unternehmen GE Renewable Energy (12,1 Prozent) und dem ebenfalls chinesischen Unternehmen Envision (9,5 Prozent).

Mit Ming Yang, Windey und Shanghai Electric landen wegen des starken Ausbaus des chinesischen Marktes weitere Hersteller aus China auf dem sechsten, siebten und neunten Platz. Herausgefallen aus den Top 10 ist aufgrund des Einbruchs des deutschen Heimatmarktes der deutsche Hersteller Enercon. Auf Platz acht der Top Ten behauptet sich der Hamburger Windanlagenbauer Nordex.

Goldwind im Onshore-Markt auf Platz zwei

Im reinen Onshore-Segment, also dem Markt für Windenergieanlagen an Land, hat sich der chinesische Goldwind-Konzern bereits auf den weltweit zweiten Rang vorgearbeitet - mit einem Anteil von 14,4 Prozent Ende 2019, hinter Vestas, aber vor GE.

Goldwind ist das mit deutlichem Abstand größte chinesische Unternehmen der Branche, sowohl in Bezug auf Bestands- als auch neu installierte Windkraftturbinen. Um die Technologie besser zu beherrschen, hatte es 2008 den saarländischen Hersteller von getriebelosen Windenergieanlagen Vensys Energy übernommen.

Wiederholt sich das Drama der Solarindustrie?

Wie bereits in der Solarindustrie verfügen die Chinesen auch bei der Windkraft über einen entscheidenden Vorteil: die niedrigen Löhne. Dadurch können sie ihre Produkte 15 bis 20 Prozent billiger anbieten als die westliche Konkurrenz, beklagen Firmen wie die deutsche Nordex oder die Schweizer Repower.

Droht den hiesigen Herstellern von Windkraftanlagen demnächst also ein ähnliches Schicksal wie einst der Solarindustrie? Die wurde bis vor wenigen Jahren von europäischen Firmen dominiert, die nach und nach chinesischen Wettbewerbern wie Suntech und Yingli weichen mussten. Heute gehören die Chinesen zur Weltspitze, während die meisten deutschen Solarfirmen vom Markt verschwunden sind. Experten schätzen, dass mehr als jedes zweite in Deutschland installierte Solarmodul inzwischen aus dem asiatischen Land stammt.

In der Windkraftbranche haben die chinesischen Firmen noch einige Schwächen. Laut den Aussagen von Germany Trade & Invest beliefern deutsche Unternehmen wie der Halbleiterkonzern Infineon die Hersteller aus der Volksrepublik mit komplexen Komponenten wie Steuerungsanlagen, Chips oder Verbundstoffen. Dennoch gewinnen sie immer mehr Marktanteile hinzu, auch außerhalb ihrer Heimat.