Ein Lastwagen fährt an Containern im Hafen von Zhangjiagang in Ostchina vorbei. | Bildquelle: AFP

Handelsstreit mit USA Exodus europäischer Firmen aus China?

Stand: 29.08.2018 23:27 Uhr

Der Handelsstreit zwischen den USA und China trifft deutsche Unternehmen in Asien schwer: Viele denken darüber nach, die Produktion in andere Länder zu verlagern. Das wäre aber nicht einfach.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine Fabrik der Firma Positec im ostchinesischen Suzhou. Das Unternehmen produziert Bohrmaschinen, Kettensägen und andere Heimwerkergeräte. Rund die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen in den USA, wo die Geräte unter dem Markennamen "Worx" verkauft werden.

Dass der US-chinesische Handelsstreit derart eskaliere, habe er nicht erwartet, sagt Firmengründer und Chef Don Gao. Die US-Zölle auf seine Produkte treffen ihn und sein Unternehmen.

Die Frage sei jetzt: "Wie kommen wir damit klar? Natürlich prüfen wir unter anderem, ob wir unsere Produktion in ein anderes Land verlagern können."

Im Kreuzfeuer der gegenseitigen Sonderzölle

Auch europäische Firmen, die in China aktiv sind, litten vermehrt unter dem Handelsstreit zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen, sagt Carlo D'Andrea von der Europäischen Handelskammer in Shanghai.

Denn diese Firmen geraten ins Kreuzfeuer der gegenseitigen Sonderzölle. Zum Beispiel deutsche Firmen, die in China Waren für den US-Markt herstellen.

Simone Pohl, Geschäftsführerin der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Shanghai, sagt: "Wir haben auf der einen Seite die Firmen, die direkt von den Zöllen betroffen sind, weil sie etwa Bauteile oder Rohstoffe verwenden, die mit Sonderzöllen belegt werden. Das zweite Beispiel sind Unternehmen, deren weltweite Lieferketten betroffen sind. Und dort stellt man sich nun die Frage, wie man das gestaltet."

Vietnam, Thailand oder Indonesien werden attraktiv

Nach Angaben der Deutschen Auslandshandelskammer in China überlegen manche der Unternehmen inzwischen, die Produktion aus China abzuziehen. "Nehmen wir zum Beispiel ein Unternehmen, das Maschinen in China herstellt und in die USA liefert. Wenn solch ein Unternehmen auch eine Niederlassung in Mexiko hat, überlegt es sich nun, ob es die Maschinen künftig in Mexiko herstellen und von dort in die USA liefern kann", sagt Pohl.

Doch ganz so einfach wie es klingt, ist eine Verlagerung der Produktion natürlich nicht. Das Ganze sei eine sehr komplexe Angelegenheit, betont Pohl. Außerdem sei vor allem die deutsche Wirtschaft mit sehr vielen kleinen und mittelständischen Firmen in China aktiv, für viele komme eine Verlagerung der Produktion nicht so einfach in Frage.

Trotzdem ist es für zahlreiche Firmen in China inzwischen durchaus eine Option, das Land wegen des Handelsstreits zu verlassen. "Andere Staaten in Asien wie Vietnam, Thailand oder Indonesien werden plötzlich attraktiver", sagt D'Andrea von der Europäischen Handelskammer. "Früher sind Firmen wegen der steigenden Lohnkosten aus China abgezogen, jetzt spielt auch die geopolitische Lage eine Rolle."

Ein Mann steht in China vor einem Plakat, das von den 25-Prozent Sonderzöllen auf US-Waren kündet. | Bildquelle: AP
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Ein Mann steht in China vor einem Plakat, das von den 25-Prozent Sonderzöllen auf US-Waren kündet. Trumps Handelspolitik habe bei vielen Chinesen zu einem Umdenken geführt, sagt ein Unternehmer.

"Umdenken bei vielen Chinesen" in puncto US-Handel

Das vermutlich größte Problem aber dürfte der Vertrauensverlust sein, den der Handelsstreit im chinesisch-amerikanischen Verhältnis ausgelöst hat.

Viele in China seien bisher der Meinung gewesen, die USA stünden für wirtschaftliche Freiheit und für den Freihandel, sagt Gao vom Heimwerkergeräte-Hersteller Positec: "Die jüngsten Ereignisse aber haben bei vielen Chinesen zu einem Umdenken geführt."

Handelskonflikt mit den USA: Firmen könnten aus China abziehen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
30.08.2018 07:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2018 um 05:17 Uhr ("Informationen am Morgen").

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