Eine Frau zeigt auf einen Bildschirm.

Schwedische Studie "Frauen sind die besseren Chefs"

Stand: 28.11.2019 03:26 Uhr

Eine Studie in Schweden deutet auf einen Wechsel in den Denkmustern hin, was das Geschlecht von Vorgesetzten angeht. Frauen seien die besseren Chefs. Rambo-Allüren waren gestern. Heute ist Umsicht gefragt.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Jeanet Corvinius arbeitet als Gebietsleiterin einer großen schwedischen Firma auf dem Bau. Allein als Frau ist sie da eine große Ausnahme und als Chefin noch viel mehr. "Chef gleich Mann", diese Formel gilt häufig auch noch selbst im modernen Schweden mit seiner führenden Rolle auf dem Gebiet der Geschlechtergleichstellung.

Doch das ändere sich gerade, sagt die Gewerkschaft "Ledarna", in der knapp 100.000 Führungskräfte organisiert sind. Denn eine neue Studie, die sich mit den in dieser Zeit wichtigsten Führungseigenschaften beschäftigt, deutet auf einen grundlegenden Wandel hin und wird in schwedischen Medien mit der Schlagzeile "Frauen sind die besseren Chefs" zusammengefasst. Gebietsleiterin Jeanet ist ein Beispiel für die Zukunft von Frauen in Führungspositionen.

"Ich mag Wettbewerb und kann auch streng sein, aber nur, wenn es notwendig ist. Ich führe lieber mit den Mitarbeitern als über sie hinweg. Männliche Kollegen, die als Chefs beliebt sind, brauchen auch nicht diese Fassade, dieses 'Immer-Recht-haben'. Auch sie stimmen sich ab und entscheiden gemeinsam."

Umsicht und Teamfähigkeit gelten als weibliche Eigenschaften

Damit liegt Jeanet voll im Trend. In der Studie werden neun Führungseigenschaften genannt und Geschlechtern zugeordnet. Als typisch männlich gelten danach "autoritär", "selbstsicher" und "kämpferisch". "Kompetent", "mutig" und "ergebnisorientiert" laufen unter "neutral", typisch weiblich sind "flexibel", "umsichtig" und "teamfähig".

Rund 5500 Mitglieder der Chefgewerkschaft sind dann für die Studie des Sozialforschungsinstituts der Universität Stockholm nach ihren Prioritäten befragt worden. Dabei kam heraus, dass eine Führungskraft heute kein riesiges Selbstbewusstsein haben muss und schon gar keine Ramboallüren im Kampf gegen Konkurrenten und Kollegen.

Schild mit Aufschrift "Chefin" | Bildquelle: dpa
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Frauen in Führungspositionen gelten als kompetenter, weil sie sich gegen mehr Widerstände haben behaupten müssen als Männer.

Kompetenz wird eher Frauen zugeordnet

Wichtiger sind demnach vor allem Kompetenz und Kooperationswilligkeit. Und auch wenn Kompetenz weder als typisch weiblich, noch typisch männlich gilt, wird sie eher Frauen zugeordnet, genau wie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Dabei kommt die Studie zum Schluss, dass Frauen in Führungspositionen als kompetenter gelten, weil sie sich auf ihrem Weg nach oben meist gegen wesentlich mehr Widerstände haben behaupten müssen als Männer.

Jeanet bestätigt das. Chefinnen müssten ihr Können immer aufs Neue beweisen, sagt sie. Bei Männern gehe man davon aus, dass sie etwas vom Job verstehen, aber nicht unbedingt von Menschenführung.

Männer haben Nachholbedarf bei den "Soft Skills"

In Schweden wird gerade Letzteres stark hinterfragt. Die "weiche Seite", wie Jeanet es sagt, oder "soft skills" in Businesssprech, das gilt hier im Land als wichtiger Faktor, wenn es um Mitarbeitermotivation und Teamleistung geht. Aber da haben selbst schwedische Männer offenbar noch immer Nachholbedarf, während ihre weiblichen Kollegen nach Ansicht der Führungskräfte-Gewerkschaft dringend bessere Aufstiegschancen bekommen müssen.

Joakim Pettersson, der die Studie für "Ledarna" betreut, sagte im Sender TV4, der Report solle helfen, das Umdenken, das in einigen schwedischen Firmen und Verwaltungen ja bereits begonnen hat, zu beschleunigen. Wichtig sei es, dass Führungskräfte vor allem wegen ihrer Kompetenz und Eignung eingestellt werden. Deshalb sei diese Studie gemacht worden. Man sehe ja, dass nach wie vor mehr Männer als Frauen Chefpositionen bekleiden.

Studie: Frauen sind die besseren Chefs
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
27.11.2019 21:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. November 2019 um 11:53 Uhr.

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