Dennis Muilenburg | Bildquelle: REUTERS

Krise um 737 Max Boeing-Chef Muilenburg tritt zurück

Stand: 23.12.2019 15:52 Uhr

Der Vorstandschef des US-Luftfahrtriesen Boeing, Muilenburg, tritt im Zuge der Krise um den Flugzeugtyp 737 Max zurück. Nachfolger soll David Calhoun werden, der derzeit Chef des Verwaltungsrats ist.

Der Chef des Flugzeugbauers Boeing, Dennis Muilenburg, ist zurückgetreten. Wie das Unternehmen mitteilte, soll sein Nachfolger der derzeitige Verwaltungsratsvorsitzende David Clahoun werden. Er soll den Vorstandsvorsitz ab 13. Januar übernehmen. Der Führungswechsel sei notwendig, um "Vertrauen wieder herzustellen". Boeing wolle seine Beziehungen zu Regulierungsbehörden, Kunden und anderen Partnern "reparieren".

Boeing steckt derzeit in einer Krise, die durch zwei tödliche Unfälle des Flugzeuges 737 MAX ausgelöst wurden. Bei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien im Oktober 2018 und März 2019 kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben.

Kritik wegen mangelhaften Krisenmanagements

Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf dem Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, räumte aber verschiedene Fehler und Pannen ein. Muilenburg stand wegen seines Krisenmanagements in der Kritik und war bereits länger mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Software-Update zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien. Das Update hat noch immer keine Zulassung der FAA.

Produktion eingestellt

Vergangene Woche hatte das Unternehmen angekündigt, vorerst keine weiteren Exemplare der 737 Max zu produzieren. Damit dürften sich die Probleme noch einmal deutlich verschärfen. Der Vorgang sei beispiellos, kommentierte der US-Luftfahrtexperte Henry Harteveldt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist eine Entscheidung mit gravierenden Folgen für Boeing, die Zulieferer und die Fluglinien."

Im November noch zuversichtlich

Zuvor hatte die US-Luftfahrtaufsicht FAA Boeing deutlich zu verstehen gegeben, nicht auf eine rasche Wiederinbetriebnahme der 737 Max zu setzen. FAA-Chef Steve Dickson habe Bedenken, dass der Flugzeugbauer einen "unrealistischen" Zeitplan verfolge, so die Behörde.

Muilenburg hatte im November noch Zuversicht verbreitet, noch vor dem Jahreswechsel eine Genehmigung der FAA für die 737 Max zu erhalten. Der ungewöhnliche öffentliche Rüffel von Behördenleiter Dickson hatte den ohnehin schon angezählten Muilenburg zuletzt noch schlechter aussehen lassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2019 um 15:40 Uhr.

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