Bitcoin-Schild an einer Ladentür | Bildquelle: AFP

Bitcoin im Alltagstest Zum Shoppen zu schade

Stand: 21.11.2017 09:37 Uhr

In Medien und Werbung begegnet einem der Bitcoin ständig. Immer neue Rekordstände befeuern die Berichterstattung und lassen mehr und mehr Unternehmen auf den Bitcoin-Hype aufspringen. Im Alltag aber sieht man vom Bitcoin wenig. Und das hat gute Gründe.

Der vielleicht wichtigste Grund: Viele Menschen wissen einfach nicht, was es mit der Kryptowährung auf sich hat. Für sie sind Bitcoin und Co. zu kompliziert und zu unverständlich - eben zu kryptisch. Andererseits gibt es auch wenig Anreize mit Bitcoin zu bezahlen. Die starken Kursschwankungen machen Zahlungen mit Bitcoins unattraktiv. Vor einem Jahr musste man noch zehn Bitcoins für einen leistungsstarken Dell-Computer zahlen, heute vielleicht noch einen. Wer Bitcoins besitzt und auf weitere Kurssteigerungen hofft, der gibt seine Bitcoins nicht aus der Hand. Würde der Wert des Euro auch nur annähernd so dramatisch steigen, würde die Wirtschaft zusammenbrechen. Niemand würde mehr kaufen, sondern darauf hoffen, in der Zukunft deutlich mehr Ware für weniger Euro zu bekommen.

Der Legende nach waren übrigens die ersten Produkte, die mit Bitcoins bezahlt wurden, zwei Pizzen. Kostenpunkt: 10.000 Bitcoins. Aktuell mehr als 66 Millionen Euro wert.

Durch die Beliebtheit im Darknet, also dem Teil des Internets, in dem man anonym unter anderem Drogen, Waffen und Pornographie kaufen kann, verliert der Bitcoin an Seriosität. Journalisten und Whistleblower nutzen die Kryptowährung teils notgedrungen. Wikileaks bedankte sich nun bei Mastercard, Visa und Co. dafür, dass sie gesperrt wurden und in Bitcoin investieren mussten. Resultat: 50.000% Rendite. Der Bitcoin ist momentan eher Spekulationsobjekt und weniger Zahlungsmittel, als welches er ursprünglich entworfen wurde.

Weitere Kursinformationen zu Bitcoin in US-Dollar

Weitere Kursinformationen zu Bitcoin in Euro

Dabei ist der Zugang zum Bitcoin recht einfach. Ein Bitcoin-Geldbeutel, genannt Wallet, ist schnell und leicht eingerichtet. Sobald das Wallet besteht, kann man mit Bitcoins bezahlen, oder auf einen höheren Wert des Bitcoins warten, um zu verkaufen. Die Zahl der Firmen, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, ist überschaubar. Mit einer entsprechenden Kreditkarte können Sie aber im Grunde überall dort mit Bitcoins bezahlen, wo auch Kreditkarten akzeptiert werden. Dabei werden während Ihrer Zahlung ihre Bitcoins in Euro umgerechnet und dem Händler gutgeschrieben. Sie zahlen also mit Bitcoin oder einer anderen Kryptowährung und der Händler erhält die gewünschten Euros.

Aber Vorsicht!

Die Blockchain, also die Technologie hinter dem Bitcoin, ist sicher, nicht aber jeder Börsenbetreiber und Wallet-Anbieter. In der Vergangenheit hat es schon öfters Hacker-Angriffe auf Bitcoin-Handelsplattformen gegeben. Kunden verloren ihr Geld und der Kurs brach ein. So wurden den Kunden der größten Online-Börse Japans rund 850.000 Bitcoins gestohlen. Mehr, als in einem Jahr geschürft wird. Das Unternehmen Mt. Gtox meldete danach Insolvenz an. Der Geschäftsführer steht in Japan vor Gericht. Er soll Daten manipuliert und Bitcoins in die eigene Tasche gesteckt haben. Erst im Juli diesen Jahres konnten Hacker Bithump, die bekannteste Plattform Koreas, hacken. Dabei gingen Bitcoins und Kundendaten verloren.

Die Zahl der Wallet-Anbieter wächst stetig. Nicht alle sind seriös. Sie sollten sich deshalb vorher gut informieren, auf welcher Plattform Sie Ihre Bitcoins aufbewahren und handeln. Die bekanntesten Plattformen sind Bitfinex.de, Bitcoin.de und coinbase.com.

Bitcoins können aber auch durch eigenes Verschulden verloren gehen. Sollten Sie beispielsweise Ihre Zugangsdaten zum Wallet, also der digitalen Geldbörse, verlieren, so haben Sie keinen Zugriff mehr auf Ihre Bitcoins. Anders als bei einer herkömmlichen Überweisung haben Sie bei einer Bitcoin-Überweisung keine Möglichkeit, falsche Transaktionen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zurückzuholen. Ein Zahlendreher und ein Unbekannter freut sich über ihre Zahlung. Deshalb bedarf es besonderer Kontrolle, bevor man seine Transaktion in Auftrag gibt.

Krypto-Valley

In Deutschland hat das Finanzministerium den Bitcoin 2013 als “Recheneinheit” anerkannt. Aber bisher akzeptieren nur wenige deutsche Unternehmen die Kryptowährung als Zahlungsmittel. In unseren Nachbarländern sieht das anders aus. In Ländern wie Schweiz, Ungarn und Tschechien gibt es Bitcoin-Automaten. Wenn Sie ein Wallet, also eine Bitcoin-Geldbörse besitzen, können Sie also Ihre Euros in den Automaten stecken und in Bitcoins umwandeln. In Österreich geht das sogar bei der Post.

Für Blockchain-Visionäre ist das Kanton Zug in der Schweiz ein Paradies. Viele Blockchain-Startups haben ihren Sitz in das idyllische Städtchen Zug verlegt. Warum? Zum einen wegen der vergleichsweise günstigen Steuerbelastung. Zum anderen, weil der Staat auf eine Regulierung der Branche verzichtet. In Zug kann man auch öffentliche Dienste in Bitcoins bezahlen. Dieses Angebot nehmen aber nur sehr wenige Bürger in Anspruch.

Quelle: boerse.ard.de
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