Ein ICE fährt auf der Strecke Hannover - Göttingen an einem Schotterhaufen vorbei. | Bildquelle: dpa

Vorlage für Aufsichtsrat Neue Bahn-Strategie gegen alte Probleme

Stand: 07.06.2019 19:36 Uhr

Mehr Züge, bessere Wartung, gestärkte Infrastruktur: Der Bahn-Vorstand hat ein 170-seitiges Strategiepapier verfasst. Dieses beschäftigt sich neben Zügen und Schienen auch mit umstrittenen Beratern.

Der Vorstand der Deutschen Bahn hat eine umfassende Konzernstrategie erarbeitet, um deutlich mehr Kunden anzulocken. Laut der "DB Dachstrategie" hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, im Fernverkehr auf mehr als 260 Millionen Fahrgäste pro Jahr zu kommen - das sind im Vergleich zu 2015 doppelt so viele.

Um dies zu schaffen, soll in den nächsten Jahren investiert werden: In rund 100.000 neue Mitarbeiter und in einen Ausbau der Fernverkehr-Flotte von rund 460 Zügen auf bis zu 600. Die Kapazität in der Schieneninfrastruktur soll um 30 Prozent steigen. "Wir setzen voll und ganz auf einen starken Ausbau der Bahn", zitiert etwa der "Spiegel" aus dem Papier. Drei Felder hat der Vorstand demnach identifiziert. Die Infrastruktur soll "robuster" werden, die Organisation "schlagkräftiger" und das Angebot "moderner". Ein konkretes Zieljahr ist allerdings nicht genannt.

Anfang des Monats hatte das Unternehmen bereits die Stärkung wichtiger Verbindungen angekündigt. Nach einem "Schienengipfel" im Bundesverkehrsministerium wurde öffentlich, dass zum Beispiel zwischen Berlin und Hamburg ICE-Züge im Halbstundentakt fahren sollen - allerdings erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021.

Strategiewechsel bei der Deutschen Bahn
tagesschau 20:00 Uhr, 07.06.2019, Esther Neumeier, RBB

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Ausbau diverser Strecken geplant

Das Strategiepapier soll dem Aufsichtsrat noch in diesem Monat präsentiert werden. Laut den Medienberichten bezeichnet der Vorstand den Plan selbst als "enormen Kraftakt". Denn der Konzern braucht dafür nicht nur Hunderte ICE zusätzlich - mit 200 rechnet die Bahn allein bis 2024. Außerdem müssten diverse Strecken ausgebaut werden.

Vor allem das veraltete Schienennetz belastet den Konzern, der 2018 trotz Fahrgastrekords im Fernverkehr einen Gewinneinbruch verbuchen musste. Aus- und Umbau sorgen bei den Kunden kurzfristig allerdings eher für Frust. Bereits in diesem Jahr soll es in Spitzenzeiten 800 Baustellen gleichzeitig geben, hatte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla im Februar mitgeteilt.

Baustelle der Deutschen Bahn | Bildquelle: dpa
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Baustellen sorgen für Umleitungen und Verzögerungen - langfristig sollen die Passagiere aber profitieren. (Archivbild)

Schluss mit "Saunawagen"?

In dem neuen Strategiepapier wird zudem eine verbesserte Wartung angekündigt, um Züge nicht mit defekten Klimaanlagen oder Kaffeemaschinen auf die Strecke zu schicken. Überhitzte Züge sind ein Dauerärgernis für die Passagiere und sorgten in den vergangenen Sommern immer wieder für Hohn, Spott und gereizte Kommentare.

Bahnhöfe sollen zu "Drehscheiben moderner Mobilität" werden - mit neuen Angeboten wie Carsharing, E-Scootern und mietbaren Arbeitsplätzen, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. Die Bahn will außerdem schneller komplett auf Ökostrom umstellen - statt wie bisher angestrebt bis 2050 soll dies bereits bis 2038 erfolgen.

Weniger teure Berater

Dass die Bahn mehr in Züge und Infrastruktur investieren will, ist nicht neu. Auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist als Ziel festgehalten, dass die Zahl der Bahnkunden verdoppelt werden soll. Mit der "Dachstrategie" will sich der Konzern nun auch nach innen vergewissern und alte Strategien wie "DB2020" und "DB2020+" ablösen.

Nach dem Motto "Deutschland braucht eine starke Schiene" sollen im Konzern künftig alle Beteiligungen am Beitrag zur Schiene gemessen werden. Auch deshalb wird derzeit ein Verkauf der Bahn-Tochter Arriva geprüft. Arriva betreibt Busse und Züge in 14 europäischen Ländern, der Verkauf soll Milliarden einbringen und Finanzlöcher stopfen. Der Konzern rechnet derzeit damit, dass die Schulden Ende des Jahres bei 20 Milliarden Euro angelangt sein könnten.

Pikanter Teil des Papiers: Unternehmensberater soll es in dem Konzern künftig kaum noch geben. Pikant ist dies deshalb, weil sich zurzeit ein Skandal um Beraterverträge andeutet. Wie das Unternehmen bestätigte, untersucht es derzeit Auffälligkeiten zwischen Verträgen im Zeitraum 2010 bis 2018. Auch ehemalige Konzernvorstände seien betroffen. Der Aufsichtsrat kündigte bereits eine Sondersitzung und eine vollständige Aufklärung "ohne Ansehen der Personen" an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2019 um 17:00 Uhr.

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