Blick auf den Neubau der 2018 eingestürzten Autobahnbrücke in Genua. | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/Shutterstoc

Nach Brückeneinsturz von Genua Betreiber gibt Italiens Autobahnen auf

Stand: 15.07.2020 13:28 Uhr

Das Tauziehen um Italiens Autobahnen hat offenbar ein Ende: Die Familie Benetton hat angekündigt, der Regierungsforderung nachzugeben und sich aus dem Autobahnbetrieb zurückzuziehen. Auslöser des Streits war der Brückeneinsturz von Genua.

Im Streit um die Konzession für den größten Autobahnbetreiber Italiens ist eine Lösung in Sicht. Der Konzern Atlantia kündigte an, sich aus dem Autobahnbetrieb zurückzuziehen. Das Unternehmen, Mehrheitseigentümer von Autostrade per l'Italia (ASPI), beugt sich damit dem Druck der Regierung, die mit dem Entzug der Maut-Konzession gedroht hatte.

Die Kontrolle über ASPI werde an eine staatliche Behörde übertragen, teilte die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conti nach einer sechsstündigen Nachtsitzung des Kabinetts mit. Einem Insider zufolge sollen die Minister für Verkehr und Wirtschaft nun die Details aushandeln. Der Entscheidung waren monatelange Verhandlungen zwischen der Regierung und dem von der Familie Benetton kontrollierten Konzern vorausgegangen.

Auslöser des Streits um die lukrative ASPI-Lizenz war der Einsturz einer Autobahnbrücke bei Genua, bei dem 43 Menschen ums Leben kamen. Die Regierung warf dem Autobahnbetreiber Versäumnisse bei der Instandhaltung des 3000 Kilometer langen Mautstraßennetzes vor und gab ihm eine Mitschuld an dem Unglück.

3,4 Milliarden Euro Entschädigung

Nach dem Vorschlag von ASPI und Atlantia soll die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) über eine Kapitalerhöhung zunächst mit 51 Prozent bei ASPI einsteigen. Der Mautbetreiber soll nach Angaben der Regierung dann an die Börse gebracht werden. Die Benettons würden dann allenfalls noch einen kleinen Anteil an ASPI halten.

Alternativ bietet Atlantia an, seine gesamte Beteiligung sofort an die CDP und institutionelle Investoren zu verkaufen. Zudem sei ASPI bereit, 3,4 Milliarden Euro Entschädigung zu bezahlen, Abstriche bei den Mauttarifen zu machen und auf Rechtsmittel zu verzichten.

Einigung noch nicht vollzogen

"Das Unternehmen hat zugesagt, viel Geld in das Autobahnnetz und dessen Erhaltung zu investieren", erklärte die Regierung. Bis zur endgültigen Einigung stehe der Konzessionsentzug aber weiter im Raum.

Bei einem Entzug der Konzession droht dem Autobahnbetreiber allerding die Pleite. Ohne die Mautgebühren kann ASPI die milliardenschweren Anleihen nicht mehr bedienen, über die sich das Unternehmen hauptsächlich finanziert. Die Börse in Mailand reagierte positiv auf die Ankündigung. Am Vormittag stieg der Aktienkurs der Atlantia-Gruppe vorübergehend um fast 20 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 13:54 Uhr.

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