Zwei Männer sind auf dem Weg zur Agentur für Arbeit. | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt im Mai Jahrelanger Stellenboom scheint gestoppt

Stand: 29.05.2019 10:06 Uhr

Die Konjunkturabkühlung schlägt sich auf dem deutschen Jobmarkt nieder. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai leicht auf 2,2 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,9 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai leicht gestiegen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Mai 7000 Arbeitslose mehr als im April, die Gesamtzahl stieg damit auf 2,236 Millionen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,9 Prozent.

Schwächere Konjunktur wirkt sich aus

Im Jahresvergleich zum Frühjahr 2018 allerdings ist die Zahl der Arbeitslosen noch einmal zurückgegangen. Im Mai 2018 waren es noch 80.000 Arbeitslose mehr gewesen. "Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern schwächt sich merklich ab", sagte Behördenchef Detlef Scheele. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bleibt aber auf Wachstumskurs."

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Arbeitsmarktzahlen im Mai 2019

Arbeitslosigkeit (absolute Zahlen und Quote)

Arbeitslosigkeit (absolute Zahlen und Quote)

Auch bei der Zahl der offenen Stellen gab es im Jahresvergleich einen ganz leichten Rückgang: Bei der Bundesagentur waren 792.000 Jobs gemeldet - 1000 weniger als vor einem Jahr.

Forschungsinstitute und die Bundesregierung hatten in den vergangenen Monaten ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt. Die Bundesregierung rechnet nur noch mit einem Plus von 0,5 Prozent, nach 1,4 Prozent 2018.

Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen frei

Als vergleichsweise immun gegenüber der Konjunkturschwäche zeigt sich das Gesundheits- und Sozialwesen. Auch in der Baubranche gebe es nach wie vor viele freie Stellen. Rückläufig seien dagegen die Stellenmeldungen im Verarbeitenden Gewerbe und in der Verkehr- und Logistikbranche. Auch Zeitarbeitsunternehmen hätten nicht mehr so viele offene Stellen wie noch vor ein paar Monaten. Trotzdem bleibe die Industrie zusammen mit dem Gesundheits- und Sozialwesen, was die Zahl der offenen Stellen angeht, bei der Arbeitskräftenachfrage eine wichtige Säule. Das gleiche gelte für den Handel.

Deutschland für ausländische Fachkräfte unattraktiv

Ausländische Fachkräfte für diese Stellen anzuwerben, könnte allerdings zum Teil schwerfallen. Laut einer Studie ist Deutschland für ausländische Fachkräfte im OECD-Vergleich nur ein mäßig attraktives Ziel. Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands sei, dass ausländische Abschlüsse "auf dem deutschen Arbeitsmarkt häufig stark abgewertet werden". Besonders attraktiv sind hier Australien, Schweden, die Schweiz, Neuseeland und Kanada. Sie böten vor allem "günstige Arbeitsmarktbedingungen".

Punkten kann Deutschland aber beim Studium - nur die Schweiz und Norwegen sind für ausländische Studierende attraktiver. Auch für Unternehmer ist die Bundesrepublik im Vergleich der 36 OECD-Länder ein attraktives Ziel und gehört hier zu den besten sechs Ländern. Angeschaut wurden für die Studie sieben Faktoren: berufliche Chancen, Einkommen und Steuern, Zukunftsaussichten, Möglichkeiten für Familienmitglieder, Kompetenzumfeld, Diversität und Lebensqualität. Außerdem wurde betrachtet, wie einfach ausländische Fachkräfte an ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung kommen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Mai 2019 um 10:00 Uhr.

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