Indien: Arbeitslose Wanderarbeiter stehen Schlange | Bildquelle: dpa

Folgen der Pandemie Wie Corona weltweit Jobs vernichtet

Stand: 10.09.2020 17:30 Uhr

China: Jobsuchende warten schlafend auf einen Termin im Arbeitsamt | Bildquelle: AFP
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China: Besonders betroffen sind Wanderarbeiter. Sie müssen für neue Jobs zum Teil quer durch das Riesenreich reisen.

China: Besonders hart trifft es die Wanderarbeiter

Von Steffen Wurzel, ARD-studio Shanghai

Die Meldungen der chinesischen Staatsmedien zur Arbeitslosigkeit klingen trotz Coronavirus-Krise positiv: Die Arbeitslosenquote habe im Juli bei 5,7 Prozent gelegen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua Mitte August. Doch vergleichbar mit entsprechenden Statistiken in Deutschland sind die chinesischen Arbeitslosenzahlen nicht. Einbezogen in diesen Wert sind nur Arbeitslose in städtischen Gebieten des Landes. Kleinere Städte, Dörfer und dünn besiedelte Landstriche fallen damit raus aus der Statistik. Damit wird rund die Hälfte der chinesischen Bevölkerung gar nicht berücksichtigt.

Wirtschaftsexperten schätzen die "echte" Arbeitslosenquote in China auf mindestens zehn Prozent. Entscheidend dabei: Längst nicht alle Menschen, die in China ihre Stelle verlieren, melden sich arbeitslos. Das betrifft vor allem die rund 300 Millionen inländischen Arbeitsmigranten, die sogenannten Wanderarbeiter. Das sind Männer und Frauen jeden Alters, die aus den ärmeren Landesteilen Chinas stammen und in den großen Metropolen arbeiten, vor allem im Dienstleistungssektor: zum Beispiel für Kurier- und Essenslieferdienste, als Wachleute bei privaten Sicherheitsdiensten oder als Servicekräfte in der Gastro- und Hotelbranche. In diesen Bereichen sind im Zuge der Coronavirus-Krise viele Jobs weggefallen.

Steffen Wurzel, SWR

Die Staatsmedien versuchen zu beruhigen: Abseits der großen Metropolen hätten Lokalregierungen 13 Millionen Arbeitsplätze für Wanderarbeiter geschaffen, berichtete der Fernsehsender CGTN im August. Trotzdem: Viele Wanderarbeiter wollen trotz gestiegener Arbeitslosigkeit nicht in die Provinz zurückkehren und stattdessen in den großen Städten bleiben, unter anderem weil dort Gesundheitsversorgung und Bildung für die Kinder besser sind und weil die Beschäftigungschancen vielerorts immer noch besser sind als in ärmeren Regionen.

Große Sorgen bereitet Chinas Staats- und Parteiführung auch die Lage der Schul- und Universitätsabsolventen. Unter ihnen ist die Arbeitslosigkeit angesichts der Coronavirus-Krise dieses Jahr besonders hoch. Nach Medienberichten hat Chinas Führung Staatsunternehmen aufgefordert, zusätzliche Stellen zu schaffen. Unter anderem die staatlichen Banken und Finanzkonzerne haben nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg so Tausende neue Stellen für Berufseinsteiger geschaffen.

Über dieses Thema berichteten am 30. April 2020 die Hessenschau kompakt um 13 Uhr und NDR 1 Nds Regional Osnabrück am 17. Juli 2020 um 06:30 Uhr.

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