Einkaufswagen stehen in Hamburg vor einer Aldi-Filiale.

Wechsel beim Discounter Aldi-Nord-Chef Heußinger geht

Stand: 07.09.2018 11:00 Uhr

Es ist eine überraschende Wende bei Aldi Nord: Der Chef Heußinger gibt seinen Posten ab. Die Hintergründe lässt der Konzern offen, doch schon länger wird über Unstimmigkeiten zwischen Heußinger und den Eigentümerfamilien spekuliert.

Nach rund sieben Jahren an der Spitze der Discounter-Kette Aldi Nord gibt der Chef Marc Heußinger seinen Posten ab. Das teilte das Unternehmen in seiner Zentrale in Essen mit. Heußinger habe selbst darum gebeten, "ihn von seiner Funktion und seinen Aufgaben zu entbinden", hieß es. Zuerst hatte das "manager magazin" von dem Wechsel berichtet.

Die Geschäfte soll nun Heußingers Stellvertreter, Torsten Hufnagel, zunächst kommissarisch übernehmen. Heußinger stand seit 2011 an der Spitze der Supermarkt-Kette, erst im Dezember war sein Vertrag bis 2021 verlängert worden.

Differenzen mit Eigentümerfamilien?

Zu den Gründen des Rücktritts äußerte sich das Unternehmen nicht weiter. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass Unstimmigkeiten zwischen Heußinger und den Eigentümerfamilien von Aldi Nord zu der Entscheidung des 52-Jährigen geführt hätten.

Die Kette liegt heute in den Händen von insgesamt drei Stiftungen: der Markus-, der Lukas- und der Jakobus-Stiftung. Die Markus- und die Jakobus-Stiftung werden von der Gründerwitwe Cäcilie Albrecht und ihrem Sohn Theo Albrecht Junior geführt. Um die Jakobus-Stiftung gab es lange juristischen Streit, der im vergangenen Jahr durch das Urteil des schleswig-holsteinischen Oberverwaltungsgerichts entschieden wurde: Durch den Richterspruch sitzen mittlerweile auch Konzernvetreter der Stiftung vor, die zuvor allein von den Kindern Berthold Albrechts geführt worden war. Berthold war der Bruder von Theo Albrecht junior.

Schon lange hätte Heußinger Bedenken geäußert, die Eigentümerfamilien würden ihm nicht mehr das nötige Vertrauen entgegenbringen und seine Entscheidungen anzweifeln, hieß es in den Medienberichten weiter. Gleichzeitig sollen dem Chef die zu gering ansteigenden Wachstumsraten des Konzerns und die zu langsame Umsetzung des Modernisierungsprogramms "Aniko" (Aldi Nord Instore Konzept) vorgeworfen sein.

Warenangebot ALDI Nord | Bildquelle: ALDI Nord
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Im Rahmen des "Aniko"-Programms will Aldi Nord auch sein Warenangebot erweitern.

"Aniko" soll Kette moderneres Gesicht geben

Das Programm war im vergangenen Sommer angelaufen: Alle rund 2300 Aldi-Nord-Märkte sollen bis Anfang 2019 neu gestaltet werden, heller und freundlicher, wie das Unternehmen es angekündigt hatte. Außerdem will der Konzern das Angebot an Frischwaren wie Obst, Fleisch und Fisch erweitern. Auch die rund 2400 Filialen im europäischen Ausland sollen modernisiert werden. Etwa 5,2 Milliarden Euro will Aldi Nord insgesamt für "Aniko" ausgeben.

Heußinger war gleich nach seiner Promotion 1998 zu Aldi gekommen, leitete zunächst eine Niederlassung in Nordrhein-Westfalen, bevor er 2009 Mitglied im übergeordneten Verwaltungsrat wurde. Nur zwei Jahre später - im Juni 2011 - wurde Heußinger Gesamtverantwortlicher bei Aldi Nord.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. September 2018 um 11:30 Uhr.

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