Aldi-Filiale in Shanghai von außen | Bildquelle: dpa

Aldi in Shanghai Würstchen, Bier und Hühnerfüße

Stand: 07.06.2019 14:31 Uhr

Aldi hat in China seine ersten Filialen eröffnet. Der Discounter will in Shanghai auch mit dem Vertrauen in deutsche Produkte punkten. Doch der chinesische Markt gilt als schwierig.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai

Dass das kein gewöhnlicher deutscher Supermarkt ist, merkt man sofort: Es gibt Musik und ein Lichtkonzept mit unterschiedlichen Farben und Klängen, je nach Tageszeit. Und voll ist es, man kommt kaum durch die Gänge.

Draußen ein roter Teppich, die Schlange mit Interessierten reicht bis zur Straße. Direkt am Eingang im ersten Kühlregal: das beste aus beiden Welten, deutsche Würstchen neben abgepackten Hühnerfüßen. Dann: viel Gemüse, viel Frisches, einiges aus Regionen nicht weit von Shanghai.

Filiale von Aldi in China | Bildquelle: dpa
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Hoffen auf das Vertrauen in "made in germany": Aldi-Filiale in Shanghai

Eigenmarken und Importweine

Eine Pressefrau vom Aldi-China-Medienteam führt herum, darf aber nicht zitiert werden. Sie benutzt mehrfach Vokabeln wie "regional", "nachhaltig" und "exklusiv". Bei Schokolade ist das vielleicht nur ein schöneres Wort für "Eigenmarke". Aber es gibt tatsächlich auch französische Weine zu erschwinglichen Preisen.

Und weiter hinten: Dosenbier palettenweise. Als Deutscher erinnert man sich da vielleicht an früher. Für manche der eher älteren Leute, die hier Bierdosen in ihre Körbe stapeln, etwas Neues.

"Das kommt aus Deutschland und ist im Angebot", sagt Herr Ji. Er ist begeistert: Die Dose kostet heute nur drei Yuan, umgerechnet 40 Cent. Er sagt, er habe noch nie deutsches Bier getrunken. Zuhause will er es sofort probieren.

Das Bierregal ist schon fast leer. Einen Gang weiter wuchtet eine Frau riesige Kanister Speiseöl in ihren Einkaufswagen. Die Kundschaft, nach früheren Lebensmittelskandalen in China misstrauisch, deckt sich gerne ein, wenn sie kann: "Die Marken kenne ich nicht, aber in einem deutschen Laden wird es schon nicht gefälscht sein."

Spiritousen in der Aldi-Filiale in Shanghai | Bildquelle: dpa
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Das Bier erfreute sich großer Nachfrage, das Weinregal war noch gut gefüllt.

Schwer zu vermarktender Name

Nur deutsch ist der Laden aber nicht. Er soll vor allem auf die Bedürfnisse der chinesischen Kundschaft ausgerichtet sein. Der Name allerdings - Aldi nennt sich in China "Aolèqí" - hat auf Chinesisch keine besondere Bedeutung. Marketingmäßig ist das schwierig.

Und auch die Hotdogs, die an einer Theke frisch gemacht werden, schmecken einem chinesischen Testesser nicht besonders. Aber der Renner an dieser Theke ist schon ausverkauft: "Berliner Bao", eine gedämpfte Teigtasche (Baozi) gefüllt mit Würstchen und Sauerkraut.

Bezahlen mit Smartphone

Direkt daneben ist die Kasse. Man kann aber auch einfach mit dem Smartphone bezahlen, wie der 30-jährige Xin, der einen abgepackten Fertigsalat kauft. Er scannt den Code mit der App, bezahlt und packt ihn in seine Tasche.

Mit den Daten und dem Einkaufsverhalten will Aldi in China die Produktauswahl gezielt steuern: Wenn Leute in Shanghai eher auf süße Produkte stehen, dann gibt es eben keine Walnüsse mehr, sondern mit Honig geröstete Mandeln.

Lieferservice für die nähere Umgebung

Datensammeln auf der einen Seite, bequemes Einkaufen auf der anderen. Das kann man auch online haben: Über einen QR-Code kommt man auf die Aldi-Seite bei WeChat, der chinesischen Alleskönner-App. Die Pressemitarbeiterin im Laden verspricht, dass bei einer Bestellung im Umkreis von drei Kilometern die Waren "sofort" geliefert würden.

Wir bestellen aus zwei Kilometern Entfernung, aber es dauert fast anderthalb Stunden - und es fehlt eine Dose Bier! Ausverkauft. Nach Reklamation wird der Preis erstattet. Vielleicht ist das dem Ansturm am Eröffnungstag geschuldet.

Aldi-Filiale in Shanghai | Bildquelle: dpa
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Ob das Konzept aufgeht? Aldi wäre nicht der erste ausländische Supermarkt, der in China scheitert.

Andere sind schon gescheitert

Ob Aldi in China erfolgreich sein kann, wird sich noch zeigen - das Marktumfeld ist schwierig. So hat sich beispielsweise MediaMarkt 2013 wieder aus China zurückgezogen. Auch andere westliche Unternehmen sind mit ihrem Markteintritt gescheitert. Die wenigen, die es schaffen, passen sich stark an. Die französische Kette Carrefour etwa ist noch da.

Wenn man in China erfolgreich sein will, muss man sich als chinesisches Unternehmen positionieren. Deshalb will Aldi eine edle Einkaufserfahrung bieten, mit deutschen, aber auch einheimischen Produkten, teilweise regional produziert.

Vorsichtiges Vortasten

Auch sonst agiert der deutsche Discounter äußerst vorsichtig. Er startete vor zwei Jahren als reiner Online-Shop auf der Plattform Tmall, die zum Handelsriesen Taobao gehört. Dort präsentierte sich Aldi als Wohlfühlhändler mit "Produkten für die ganze Familie", Bio-Müsli und australischer Wein inklusive.

Auch jetzt mit den ersten beiden stationären Läden in Shanghai will Aldi viele Daten auswerten, Kundenwünsche berücksichtigen und die Produktpalette direkt danach ausrichten. Ob eine weitere Expansion geplant ist, ließ eine Sprecherin offen.

Würstchen und Hühnerfüße - Aldis erster Laden in China
Markus Pfalzgraf, ARD Shanghai
07.06.2019 15:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 13:22 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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