Flugzeug-Fertigung bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder | Bildquelle: dpa

Neue Börsen-Regeln Airbus droht Ausschluss aus dem MDax

Stand: 23.11.2020 11:00 Uhr

Die Deutsche Börse plant neue Regeln für den DAX. Stellen Konzerne "umstrittene Waffen" her, könnten sie aus den Aktienindizes ausgeschlossen werden. Für Airbus wäre das ein Problem.

Von Christoph Prössl, NDR

Die Werbung für die Trägerrakete ist auf der Internet-Seite des Unternehmens Ariane-Group zu finden. „M51 - zentrales Element der nuklearen Abschreckung“ heißt es dort. Ariane-Group sei Hauptauftragnehmer der französischen Beschaffungsbehörde für die ozeanischen Nuklearstreitkräfte der französischen Marine, teilt das Unternehmen mit. Animierte Bilder zeigen die M51, die von U-Booten aus abgefeuert werden kann und Ziele in tausenden Kilometern Entfernung erreichen soll - bestückt mit Atomsprengköpfen. Die Ariane-Group stellt auch die Trägerraketen für die zivile Raumfahrt her. Die Firma gehört je zur Hälfte dem französischen Unternehmen Safran und Airbus.

Die Beteiligung an der Ariane-Group könnte für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern nun zu einer Belastung werden. Denn die Deutsche Börse AG reformiert gerade die Regeln für die Unternehmen in den Aktienindizes DAX, MDAX, SDAX und TechDAX.

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Es geht um Transparenz-Vorgaben und die Frage, ob der DAX künftig 40 statt 30 Konzerne umfassen soll. Es geht aber auch um Nachhaltigkeitskriterien. Die Deutsche Börse AG könnte vorgeben, dass Unternehmen, die „umstrittene Waffen“ produzieren, künftig nicht mehr in den Indizes der DAX-Familie vertreten sind.

„Mit der Streichung von Konzernen, die die schlimmsten der schlimmen Waffen herstellen, haben wir erst mal nur ein moralisches Minimum erreicht“, sagt Alexander Lurz, Abrüstungsexperte von Greenpeace. Hier gehe es nur um einen Konzern. „Andere deutsche Rüstungskonzerne wie Rheinmetall, MTU oder ThyssenKrupp oder Jenoptik dürfen ihren Platz ja behalten. Es ist also bei weitem nicht so, dass die DAX-Indizes jetzt das Paradies für ethisch orientierte Anleger werden“.

Airbus stellt keine geächteten Waffen her

Der Bundesverband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, BDSV, kritisiert die mögliche Neuregelung. Der Hauptgeschäftsführer Hans Christoph Atzpodien teilte auf Anfrage mit: „Für uns ist maßgeblich, dass Unternehmen, die im öffentlichen Auftrag, im Kontext der Verteidigungsstrategien der Bundesrepublik Deutschland, der EU und der NATO sowie in vollem Einklang mit geltendem internationalem Recht agieren, nicht den Zugang zu DAX-Indizes verlieren.“ Airbus stellt keine Streumunition her, keine Minen, also keine international geächteten Waffen.

Airbus wollte die möglichen neuen Regeln für die Indizes der DAX-Familie vor der geplanten Bekanntgabe durch die Deutsche Börse AG am Dienstag nicht kommentieren. Aus Sicht des Unternehmens wäre der Ausschluss vor allem politisch ein fatales Signal. Airbus baut beispielsweise das militärische Transportflugzeug A400M, ein Projekt, das Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien einst angeschoben haben. Frankreich und Deutschland halten große Aktienpakete an dem Konzern. In den nächsten Jahren wollen Frankreich und Deutschland mit Airbus und Dassault ein gemeinsames Kampfflugzeugsystem (FCAS) entwickeln. In Paris ist Airbus im bedeutendsten Aktienindex, dem CAC40, gelistet. Sollte Airbus aus dem MDAX fliegen, dürfte dies in Frankreich auf Unverständnis stoßen.

Anleger meiden Waffenhersteller

Die Deutsche Börse AG will am Dienstag vor Eröffnung des Handels bekannt geben, welche neue Regeln für Unternehmen in den DAX-Indizes künftig gelten sollen. In die Entscheidung ist eine Umfrage eingeflossen. Die Deutsche Börse AG ließ bei Kunden - vom Privatanleger bis zur Investment-Gesellschaft - abfragen, was ihnen wichtig ist; unter anderem, ob Konzerne, die sogenannte „umstrittene Waffen“ herstellen, im DAX gelistet sein sollten. Die Definition „umstrittene Waffen“ umfasst eben auch Atomwaffen. Mehr als 600 Anleger beteiligten sich. Zahlreiche Investmentgesellschaften kaufen längst keine Aktien mehr von Unternehmen, die Waffen herstellen.

Airbus ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern - mit mehr als 130.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 70 Milliarden Euro. Der Konzern ist an den Börsen in Paris, Madrid und Frankfurt notiert.

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