Menschen stehen Schlange, um Geld in einer Bank in Kandahar (Afghanistan) abzuheben. | EPA

Eindringliche Warnung Banken in Afghanistan drohen zusammenzubrechen

Stand: 22.11.2021 12:19 Uhr

Drei Monate sind die Taliban nun in Afghanistan an der Macht. Dem Bankensystem scheint das nicht gut zu bekommen. Die Vereinten Nationen waren vor den Folgen eines Zusammenbruchs.

Das Bankensystem in Afghanistan steht laut den Vereinten Nationen vor dem Zusammenbruch. Die supranationale Organisation warnt vor extremen Auswirkungen, sollte es dazu kommen.

Die wirtschaftlichen Kosten mit den gesellschaftlichen Folgen wären "kolossal", heißt es in Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP). Je länger die Verzögerung der Wiederherstellung des Finanz- und Bankensystems dauere, desto länger sei die Erholungsphase aufgrund des folgenden Vertrauensverlusts der internationalen Märkte. Diese Erosion sei schwer zu beheben und könne Jahrzehnte dauern. Der Schutz wenigstens eines Teils des kommerziellen Bankensystems sei zudem notwendig, um humanitäre Hilfe leisten zu können.

Zahlung von Gehältern begonnen

Erst am am Samstag hatten die neuen Machthaber drei Monate nach der Übernahme des Landes nach eigenen Angaben mit der Zahlung von ausstehenden Gehältern der Staatsbediensteten begonnen. Ab sofort würden drei Monatsgehälter, rückwirkend ab dem 23. August, ausbezahlt, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Ahmad Wali Hakmal, vor der Presse in Kabul.

Die Taliban hatten nach Beginn des Abzugs der internationalen Nato-Truppen weite Teile Afghanistans erobert. Am 15. August zogen die militanten Islamisten kampflos in die Hauptstadt Kabul ein und regieren seitdem. Gleichzeitig stellten Geberländer Hilfs- und Entwicklungsgelder für das Land ein. Reserven der afghanischen Zentralbank von mehr als neun Milliarden Dollar wurden eingefroren.

Keine Devisen mehr für Afghanistan

Internationale Überweisungen in das Land über das Swift-System sind ausgesetzt. Seither gibt es keine regulären Dollar-Lieferungen mehr in das Land, was zu einer Liquiditätskrise geführt hat. Kontoinhaber können nur je nach Bank 200 bis 400 US- Dollar pro Woche abheben. Banken haben die Kreditvergabe eingestellt. Die Einlagen auf afghanischen Banken sinken zudem laut dem UNDP-Bericht - Schätzungen zufolge bis Jahresende im Vergleich zu Ende 2020 um rund 40 Prozent. Gleichzeitig stiegen die notleidenden Kredite in dem vergleichsweise kleinen Kreditmarkt von rund 30 Prozent Ende 2020 auf 57 Prozent im September.

Laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds könnte die afghanische Wirtschaft 2021 und 2022 um bis zu 30 Prozent schrumpfen. Neben dem Einbruch der Wirtschaft könnten auch die Probleme im Bankensystem die Überlebenswahrscheinlichkeit von kleinen und mittleren Unternehmen, die für die Bevölkerung entscheidend seien, weiter verringern, heißt es in dem Bericht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2021 um 15:00 Uhr.