Die 5G-Lizenzen sind an vier Mobilfunkanbieter versteigert worden. | Bildquelle: dpa

Neuer Mobilfunkstandard 5G-Modellregion Kaiserslautern - kein Zufall

Stand: 02.08.2019 04:21 Uhr

Vor seinem bundesweiten Ausbau wird der neue Mobilfunkstandard 5G zunächst in sechs Modellregionen erprobt. Auch Kaiserslautern in der Westpfalz gehört dazu - aus guten Gründen.

Von Axel John, SWR

Am Rande von Kaiserslautern erinnert ein in die Jahre gekommenes Denkmal an die ruhmreiche Zeit der Kicker vom FCK. Das ist lange her. Auch aktuell sieht es nicht rosig aus: Im Zukunftsatlas rutscht die Stadt in der strukturschwachen Westpfalz seit Jahren stetig ab. Das könnte sich jetzt ändern. Kaiserslautern ist Modellregion für den neuen Mobilfunkstandard der fünften Generation (5G) geworden.

Neben Kaiserslautern sollen sechs weitere Städte und Regionen, unter anderem Hamburg und Wolfsburg, aber auch die Region um die Lausitz 5G-Schrittmacher für ganz Deutschland werden. Dafür will der Bund mindestens 44 Millionen Euro ausgeben.

Zwei Facheinrichtungen

Experten überrascht die Wahl Kaiserslautern kaum, denn die Technische Universität und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben bei der Entwicklung von 5G Pionierarbeit geleistet. Professor Hans Schotten von der TU gerät bei den Potenzialen von 5G ins Schwärmen - für Kaiserslautern und für ganz Deutschland. Er gilt als einer der Experten für industrielle 5G-Anwendungen.

"Wir können gerade hier die Technik und die Anwender, also 5G und Unternehmen, ideal zusammenbringen. Im Bereich der vernetzten Arbeitsmaschinen eröffnen sich große Chancen für die Landwirtschaft, Nutzfahrzeughersteller oder in der Baustellentechnik."

Schotten und sein Team arbeiten derzeit auch an einem Konzept eines 5G-Systems, das den Unterschied zwischen Stadt und Land abmildern könnte. Viele ländliche Regionen fühlen sich abgehängt. Das könnte ein sogenanntes portables 5G-Netz und ein 5G-Campusnetz ändern. "Firmen auf dem flachen Land müssen so nicht auf den Aufbau des 5G-Netzes durch die Provider warten. Wir geben Ihnen die Möglichkeit, ihre Ideen früh in einem solchen Netz zu testen und dann bei Bedarf ein eigenes, firmeninternes System zu errichten." So könnten sie etwa ihre Maschinen miteinander vernetzen und Geschäftsideen testen und entwickeln. Die Betriebe würden so deutlich unabhängiger und könnten dann auf nationalen und internationalen Märkten ganz anders mitmischen, erklärt Schotten.

5G-Testantenne in Hamburg | Bildquelle: picture alliance/dpa
galerie

Eine 5G-Testantenne in Hamburg. Die Hansestadt ist ebenfalls Modellregion.

5G im Bereich Stadtentwicklung

5G-Campusnetze bieten so gerade für strukturschwache Regionen ganz neue Chancen auf wirtschaftliches Wachstum. Aber nicht nur für die Industrie, auch im Alltagsleben könnte sich bald einiges in Kaiserslautern und anderswo ändern.

An der TU arbeitet man im Bereich der Stadtentwicklung an einem System, mit dem Elektro-Minibusse an Haltestellen bestellt werden können. Diese fahren die Kunden dann mit ihren Einkäufen direkt vor die Haustüre. Mit solchen Projekten soll der Aufbau von 5G in Städten für breite Bevölkerungsschichten vorangebracht werden. Nach der Auktion der Lizenzen soll 5G in Deutschland zum Standard werden - zunächst für die Industrie, dann für die Bürger.

5G-Anwendungen als große Chance

Für Professor Schotten eine entscheidende Zeit. Der Mobilfunkmarkt für Smartphone-Nutzer werde zurzeit durch Asien getrieben. Bei den Anwendungen dagegen sei Deutschland ganz gut aufgestellt, erklärt Schotten. "Wir müssen jetzt die 5G-Anwendungen in unseren Kernkompetenzen, wie Automobil- und Maschinenindustrie schnell umsetzen. Das würde einen riesigen Innovationsschub bedeuten. Sind wir da vorne, können wir die weltweiten Standards setzen." Das hätte laut Schotten auch Folgen bei Themen wie Energieeffizienz, Datenschutz und der Kontrolle der Maschinen durch den Menschen.

Deutschland steht bei der 5G-Umsetzung am Anfang. Ideen und Projekte laufen aber bereits auf breiter Front auf Hochtouren an. Und was kommt danach? Erste Visionen gibt es bereits. Danach könnten Informationen ganz ohne elektromagnetische Wellen übertragen werden - etwa über Nanopartikel oder Miniluftbläschen. "Ja, solche Konzepte untersuchen wir in der Tat bereits", erklärt Schotten. "Aber jetzt warten wir erstmal die ersten Erfahrungen mit dem Einsatz von 5G ab." 6G ist zwar noch sehr weit entfernt, aber sollte die sechste Generation wirklich kommen, dann wollen Professor Schotten und Kaiserslautern von Anfang wieder mit am Ball sein.

Darstellung: