In einer Schule liegt während einer Unterrichtsstunde ein Mund-Nasen-Schutz auf dem Tisch einer Schülerin. | dpa
Kommentar

Versäumnisse zum Schulstart Corona-Hausaufgaben nicht gemacht

Stand: 03.08.2021 11:45 Uhr

Das Ende der Sommerferien kommt immer viel zu schnell. In diesem Jahr offenbar vor allem für die politischen Entscheidungsträger. Denn ihre Corona-Hausaufgaben haben sie nicht einmal ausreichend gemacht.

Ein Kommentar von Sarah Frühauf, ARD-Hauptstadtstudio

Diese Situation werden die meisten aus ihrer Schulzeit kennen: Die Aufgaben werden noch schnell halbherzig im Bus auf dem Schulweg erledigt. Wenn die Lehrerin oder der Lehrer die Runde durch die Klasse macht, hat man zumindest etwas im Heft stehen. So ähnlich scheinen Vertreter von Bund und Ländern bei der aktuellen Bildungspolitik vorgegangen zu sein. Es gibt zwar Pläne, um Schülerinnen und Schüler vor Corona zu schützen. Die kommen aber zu spät und sind wenig durchdacht.

Sarah Frühauf ARD-Hauptstadtstudio

Beispiel mobile Luftfilter: Nach langem Hin und Her fördert der Bund die Geräte zwar mit. Die Entscheidung fiel aber erst vor wenigen Wochen - als zahlreiche Bundesländer schon in den Sommerferien waren. Viele Verantwortliche in den Schulen werden es nicht geschafft haben, die Klassenzimmer so schnell mit den Luftfiltern auszurüsten. Ja, die Filter sind wegen ihrer Lautstärke und ihres Nutzens umstritten. Aber alles, was auch nur im Ansatz dazu beitragen kann, dass weiter Präsenzunterricht stattfinden kann, muss versucht werden.

Beschwerden sind der Politik bekannt

Denn Wechsel- oder Online-Unterricht sollten nicht mehr die Regel, sondern nur noch die Ausnahme sein. Zu viele Kinder und Eltern haben unter dem Homeschooling gelitten. Maskenpflicht in den Gängen, Abstandsregeln und regelmäßige Corona-Tests sollen helfen, Corona-Ausbrüche zu verhindern.

Doch wie sollen die Lehrkräfte das bei Hunderten Schülerinnen und Schülern kontrollieren? Auch die Beschwerden über überfüllte Schulbusse kennen die Politikerinnen und Politiker seit langem. Doch das nächste Schuljahr startet wie das alte endete: Mit Maßnahmen, die in den Schulen nicht ausreichen.

Entscheidungen mit schwerwiegenden Folgen

Neu ist ein milliardenschweres Bundesprogramm für Aufholförderung. Als Lehrer könnte man auch hier darunterschreiben: "Guter Ansatz. Bitte ausführlicher." Wer soll die Nachhilfe geben? Die Folgen des Lehrermangels zeigen sich in der Pandemie stärker denn je.

Wenn Schülerinnen und Schüler ihre Hausaufgaben fehlerhaft abgeben, geben ihnen Lehrer manchmal die Möglichkeit, sie auszubessern. Politikerinnen und Politiker haben diese Chance in der Pandemie nicht. Denn ihre Entscheidungen haben schwerwiegende Folgen. Ein Corona-Ausbruch in einer Schule lässt sich nicht korrigieren. Sie sollten sich deswegen in der Corona-Krise bei der Bildungspolitik mehr Mühe geben.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. August 2021 um 06:18 Uhr.