Ein Panzer des Typs "Gepard" | REUTERS
Kommentar

Panzerlieferung an Ukraine Deutschland liefert - und da kommt noch mehr

Stand: 26.04.2022 19:01 Uhr

Die Lieferung deutscher Panzer wird den Krieg in der Ukraine nicht entscheiden. Doch sie zeigt, dass der Westen sich auf einen längeren Krieg einstellt und die Ukrainer auf andere Waffensysteme umsteigen müssen.

Ein Kommentar von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

Die Bewaffnung der Ukraine durch Deutschland war bislang ein einziges Kommunikationsdesaster. Wochenlang haben sich Kanzler und Regierung treiben lassen: von den eigenen Leuten, der Opposition und der Ukraine.

Uli Hauck ARD-Hauptstadtstudio

Der Vorwurf, Deutschland tue militärisch zu wenig, hat sich dadurch nachhaltig festgesetzt. Auch wenn Partner wie die USA diese Kritik ausdrücklich nicht teilen. Denn Deutschland stellt bereits jetzt zwei Milliarden Euro Ertüchtigungsmittel, damit sich vor allem die Ukraine zusätzliche Waffen kaufen kann. Zum Vergleich: Der gesamte Militäretat der Ukraine hat im vergangenen Jahr gerade einmal fünf Milliarden Euro betragen.

Es ist ein falscher Eindruck entstanden

Deutschland hat außer Geld zudem Panzerfäuste, Mörser, Luftabwehrraketen, 100.000 Handgranaten und mehr als 16 Millionen Schuss Munition geliefert. Deutschland hat bereits der Lieferung von knapp 60 ehemaligen NVA-Schützenpanzern aus Tschechien und einem Ringtausch von Panzern aus Slowenien in die Ukraine zugestimmt. Und dennoch bleibt haften: Deutschland liefert keine schweren Waffen.

Anstatt offen zu kommunizieren, was militärisch geleistet wird, hat die Regierung Informationen immer nur scheibchenweise öffentlich gemacht. Allen voran Kanzler Olaf Scholz hat die Öffentlichkeit immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt. Ohne klar zu kommunizieren, warum eine Entscheidung wie getroffen worden ist und warum man eben noch keine schweren Panzer geliefert hat.

Handlungsdruck durch Nicht-Kommunikation

Durch diese Nicht-Kommunikation ist eine Debatte und dadurch ein Handlungsdruck entstanden, der sich am Ende nicht mehr aufhalten ließ. Und jetzt liefert die deutsche Waffenindustrie eben "Gepard"-Flugabwehrpanzer direkt in die Ukraine. Ein Schritt, der plötzlich als die große militärische Kehrtwende wahrgenommen wird, der aber auch nicht kriegsentscheidend sein wird.

Denn diese 40 alten "Gepard"-Panzer sind kompliziert in Wartung und Handhabung. Und da die Ausbildung dauert, könnten sie frühestens in ein paar Monaten in der Ukraine zum Einsatz kommen. Zudem ist noch nicht geklärt, woher überhaupt ausreichend Munition kommen soll. Und trotzdem: Die Lieferung von deutschen "Gepard"-Panzern - aber auch von französischen oder niederländischen Haubitzen - zeigt, dass sich der Westen auf einen längeren Krieg einstellt.

Ukrainer müssen auf andere Waffensysteme umsteigen

Denn die bisherige Lieferung von ehemaligen Sowjetpanzern aus den Beständen osteuropäischer NATO-Staaten in die Ukraine ist endlich. Und deshalb müssen die Ukrainer mittelfristig auf westeuropäische und amerikanische Waffensysteme umsteigen, wenn sie gegen Russland durchhalten sollen.

Dafür, so kündigte es US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Ramstein pathetisch an, werde man "Himmel und Erde" in Bewegung setzen. Und Deutschland will sich offenbar an dieser massiven Unterstützung weiter beteiligen.

Deutschland ist längst ein großer Waffenlieferant der Ukraine. Nun liefert es auch direkt Panzer. Das ist neu. Und weitere Panzer aus Deutschland werden folgen. Die Bundesregierung und vor allem der Kanzler hätten das längst klar machen können: Wir machen viel und da kommt noch mehr.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. April 2022 um 19:05 Uhr.