Französische Soldaten patrouillieren auf den Straßen von Timbuktu (Mali) | AP
Kommentar

Debatte um Militäreinsatz Mali bleibt ein Schlüsselstaat

Stand: 04.02.2022 10:42 Uhr

Die Lage in Mali ist höchst verfahren - und dennoch wäre ein Ende des internationalen Militäreinsatzes zu riskant. Mali bleibt entscheidend im Kampf gegen den islamistischen Terror. Aber der Einsatz braucht einen Neustart.

Ein Kommentar von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Europa hat sich in Mali in eine üble Lage manövriert: Fast zehn Jahre lang fabulieren Frankreich, Deutschland und andere europäische Regierungen vom Kampf gegen den Terrorismus im Land. Militärisch hat sich vor allem Frankreich darum gekümmert - und sich dabei ordentlich selbst überschätzt. Als die Anti-Terror-Strategie dann offenkundig nicht wirkte, holte sich Frankreichs Regierung Hilfe bei den anderen EU-Partnern. Erfolgreicher wurden die militärischen Aktionen dadurch kaum.

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Wenn es darum ging, politisch und wirtschaftlich etwas gegen die Wurzeln des Terrors und der Rebellionen zu tun, fand Europa keine klare Linie. Korruption, Misswirtschaft, gebrochene Zusagen - die EU ließ den malischen Regierungen viel zu viel durchgehen. Das Ergebnis: zwei Militärputsche innerhalb von nur zwei Jahren.

Seit Wochen eskaliert die Situation im westafrikanischen Wüstenstaat. Die Militärjunta soll sich berüchtigte russische Söldnertruppen ins Land geholt haben. Sie verweigerte Flügen von Bundeswehrsoldaten Landegenehmigungen. Sie verwies frisch eingeflogene dänische Spezialkräfte des Landes. Und zuletzt wurde Frankreichs Botschafter aufgefordert, das Land zu verlassen.

Ein ziemlicher Scherbenhaufen - deshalb wird in Europa jetzt auch über einen Abzug aus Mali gesprochen.

Ein Dominostein für die gesamte Sahelzone

Ein kompletter Truppenabzug aus dem Land ist aber zu riskant. Immerhin gilt Mali als Schlüsselstaat für den Kampf gegen Terror, als entscheidender Dominostein für die gesamte Sahelzone. Schon jetzt breiten sich Terrorgruppen in anderen Sahelstaaten aus und könnten in Zukunft noch viel stärker als jetzt sogar die als stabil geltenden Küstenstaaten Westafrikas bedrohen. Ein Versagen der malischen Regierung und ihrer internationalen Bündnispartner spielt den Terrorgruppen in die Hände - das riesige Gebiet vor Europas Haustür ist längst schon ein Pulverfass.

Europa kann Mali daher nicht egal sein. So weiterlaufen wie bisher kann das internationale Engagements aber  auch nicht - das ist schon lange klar. Sicherheitsexperten wiederholen seit Jahren gebetsmühlenartig: Militärisch ist der Terror nicht zu besiegen.

Das Problem ist: Der malische Staat ist in vielen Gegenden einfach nicht sichtbar. Deshalb haben Terroristen bereits Parallelstrukturen aufgebaut. Sie sind Teil der Gesellschaft geworden. Und das macht es so schwierig, sie als klassische Terrorkämpfer zu identifizieren. Mali steckt in einer Sackgasse. Damit das Land da rauskommt sind aber alle Beteiligten weiterhin gefragt. 

Was jetzt zu beachten ist

Drei Aspekte wurden bisher vernachlässigt. Erstens: Europa muss einen Neustart seines Engagement wagen. Zweitens: Nach jetziger Lage geht das nur mit der Militärjunta. Drittens: Europa muss eine Linie finden und nicht die Einzelinteressen beispielsweise Frankreichs in den Vordergrund stellen.

Daher müssen erst die Europäer untereinander eine gemeinsame Strategie finden - danach muss mit der Militärjunta verhandelt werden. Auch wenn die alles andere als ein Wunschpartner ist. 

Einen anderen Ausweg gibt es nicht - der Preis ist für alle zu hoch.

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2022 um 06:31 Uhr.