Barbara Klepsch, Joe Chialo, Armin Laschet, Silvia Breher und Friedrich Merz  | EPA
Kommentar

Laschets Zukunftsteam Hektisch zusammengeschustert

Stand: 03.09.2021 17:54 Uhr

Eine kaum nachvollziehbare Personalauswahl, hektisch in letzter Minute zusammengeschustert - Laschets "Zukunftsteam" dürfte kaum jemanden überzeugen. Die Not bei der CDU scheint wirklich groß zu sein.

Ein Kommentar von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Die Not ist groß, Laschet als One-Man-Show hat nicht funktioniert. Jetzt also doch: Mannschaftsführer des Zukunftsteams. Hektisch zusammengeschustert, improvisiert vorgestellt - anders wäre die Vorstellung auf die Schnelle wohl kaum zu stemmen gewesen. Manch einer der neuen Mitstreiter wurde erst vor zwei Tagen angerufen und in die Mannschaft geholt.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Langes Zögern, unverständliche Auswahl

Warum Laschet so lange gezögert hat, ist unklar. Wollte er niemanden verprellen? Keine internen Konflikte riskieren? Das wäre alles andere als führungsstark, zudem ihn Teile der Partei in Sachen Teamvorstellung offenbar buchstäblich zum Jagen tragen mussten.

Dann ist da die Auswahl der Persönlichkeiten. Klar, Friedrich Merz war von Anfang an für Wirtschaft und Finanzen gesetzt, obwohl er den Zukunftshauch der 1990er-Jahre ausstrahlt. Laschet braucht ihn, um die Konservativen und Wirtschaftsliberalen in der Partei bei der Stange zu halten.

Wie sollen die Verantwortlichen des Missstands Aufbruch signalisieren?

Stammwählern mag das gefallen, aber was ist mit denjenigen, die der CDU nach Merkel misstrauen? Wo sind andere große Namen in der Partei, wie Norbert Röttgen, wohl der profilierteste Außenpolitiker der Union. Außenpolitik war Laschet schließlich wichtig genug, dass er sie gleich an den Anfang des Wahlprogramms setzen ließ. Sieht er das jetzt anders? Beansprucht er das Rampenlicht für sich?

Die meisten im Team sind überwiegend nicht so bekannt, dass sie die Zugkraft entwickeln könnten, die die Union jetzt bräuchte. Dorothee Bär von der CSU ist bekannt und seit Jahren für Digitalthemen zuständig, aktuell als Staatsministerin für Digitalisierung. Wenn Laschet also bemängelt, das Land sei digital nicht so aufgestellt, wie es sein müsste, wird nicht sofort klar, wie ausgerechnet die Frau, die den Missstand entweder mitverantwortet oder sich jahrelang nicht durchsetzen konnte, daran plötzlich etwas ändern soll.

Kaum Aussicht auf Ministerposten

Womöglich ist das Team auch vor allem der durchsichtige Versuch, den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz endlich vor sich herzutreiben. Zum Schluss der Vorstellung sagte Laschet, er sei gespannt, welches Team die SPD vorstellen werde. Aber wer von Laschets Auserwählten hat denn ernsthaft Aussichten auf Ministerposten, also darauf, nach der Wahl Verantwortung zu übernehmen?

Ein weiterer unauffälliger Terminhinweis deutet daraufhin, dass die CDU neben der Macht des Teams nun doch auf ein größeres Kaliber setzen will: Angela Merkel. Eigentlich sollte sie nur Wahlkampfauftakt und Ende bestreiten. Nun ist sie plötzlich Headlinerin bei einer Veranstaltung rund um Digitalisierung. Und damit hätte Laschet dann auch wirklich seine allerletzte Karte gespielt.

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Über dieses Thema berichtete am 03. September 2021 die tagesschau um 17:00 Uhr und NDR Info um 17:05 Uhr.