Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet | dpa
Kommentar

Laschets Wahlkampf Zwei Schritte vor und einer zurück

Stand: 30.08.2021 16:53 Uhr

Im Triell gelang es Laschet, Unionsanhänger zu mobilisieren, meint Martin Ganslmeier. Doch schon bei seinem Auftritt am Tag danach sei die positive Dynamik eines kämpferischen Kanzlerkandidaten wieder verpufft.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Hauptstadtstudio

Die gute Nachricht für Armin Laschet: Im TV-Triell mit Olaf Scholz und Annalena Baerbock hat der Kanzlerkandidat der Union endlich den Schlafwagen verlassen und den Kampf ums Kanzleramt begonnen. Angesichts der miserablen Umfragen war es höchste Zeit, dass Laschet in den Angriffsmodus überging. Die vielleicht wichtigste Botschaft ging an die eigene Parteibasis und die bislang eher enttäuschten Stammwähler der Union: Laschet kann und will kämpfen.

Martin Ganslmeier ARD-Hauptstadtstudio

Das bekam auch Scholz zu spüren, der sich seriös-gelassen wie der eigentliche Erbe der Merkel-Raute präsentierte. Verkehrte Rollen: Wie ein Oppositionspolitiker griff Laschet mehrfach Scholz direkt an. Konfrontierte ihn zum Beispiel mit der Frage, warum Scholz eine rot-rot-grüne Koalition nicht klipp und klar ausschließen will. Und bewies, dass er auch polemisch zuspitzen kann: Scholz könne nicht "spielen wie Angela Merkel und reden wie Saskia Esken".

Wiederauflage der Rote-Socken-Kampagne

Laschets Botschaft: Wer Scholz wählt, kann nicht sicher sein, dass nach der Wahl womöglich Rot-Rot-Grün regiert. Ob eine Wiederauflage der Rote-Socken-Kampagne tatsächlich so erfolgreich wie in den 90er-Jahren sein wird, ist keineswegs sicher. Trotzdem versucht Laschet damit, bei den Bürgern über 60 zu punkten. Denn in der älteren Wählergruppe liegt nach den jüngsten Umfragen Scholz vor ihm - eine für die Union alarmierende Entwicklung.

In einer Blitzumfrage nach dem TV-Triell schnitt Scholz besser ab als Laschet. Diese Umfrage sollte jedoch nicht überbewertet werden. Wichtiger für Laschet war, die Unionsanhänger für den Wahlkampfendspurt zu mobilisieren. Und das ist ihm im TV-Triell gelungen.

Kleckern statt klotzen

Nicht gelungen - und das ist die schlechte Nachricht für Laschet - war dagegen sein Auftritt am Tag danach. Die positive Dynamik eines kämpferischen Kanzlerkandidaten verpuffte in einer merkwürdig improvisiert wirkenden Pressekonferenz. Klotzen wäre gut gewesen. Stattdessen kleckerte Laschet. Fünf zündende Themen für den Wahlkampfendspurt hätte Laschet präsentieren können, für die fünf profilierte Köpfe der Union stehen - das wäre ein Aufschlag gewesen. Stattdessen redeten Laschet, zwei Unionsabgeordnete und eine CDU-Nachwuchspolitikerin erstmal über das Thema "klimaneutrales Industrieland". Was denn die anderen vier Themen sind, wann diese präsentiert werden und mit welchen Köpfen, dazu äußerte sich Laschet erst auf Nachfragen der Journalisten - ohne konkrete Angaben zu machen.

Aus einem Guss sieht anders aus. Eine verpasste Chance. Fazit: Im TV-Triell machte ein kämpferischer Laschet zwei Schritte nach vorne, aber am Tag darauf wieder einen zurück.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2021 um 17:00 Uhr.