Seniorin bei Corona-Impfung | dpa
Kommentar

Corona Die Länder müssen sich kümmern - nicht der Bund

Stand: 08.11.2021 16:57 Uhr

Nicht die Bundesregierung ist in Sachen Corona gefordert, sondern die Bundesländer und die Landkreise. Denn dort müssen sie für die Impfung werben - und den Skeptikern die Konsequenzen klar machen.

Ein Kommentar von Christopher Jähnert, ARD-Hauptstadtstudio

Die Rufe nach der Bundesregierung sind nicht zu überhören. Die Kanzlerin oder der künftige Kanzler sollten endlich etwas in der Corona-Krise unternehmen, heißt es. Nur: Was genau soll denn die Bundesregierung tun - ganz egal ob es die alte oder die mögliche neue ist? Eine neue Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten organisieren, die dann ein wachsweiches Ergebnis bringt, an das sich hinterher sowieso keiner mehr hält? Darüber sollte man hinweg sein.

Christopher Jähnert ARD-Hauptstadtstudio

Nein. Es braucht jetzt keine bundesweiten Regeln. Die Bundesländer müssen sich selbst drum kümmern, dass etwas passiert. Die Inzidenz ist zwar in fast allen Bundesländern hoch. Aber sie ist nur in einzelnen Regionen im Moment wirklich ein großes Problem - und zwar meistens da, wo die Impfquoten auch besonders niedrig sind.

Die Impfung macht den Unterschied

Impfen schützt bekanntlich ziemlich gut davor, dass man nach einer Infektion auf die Intensivstation muss. Das zeigt sich beim Blick auf die sogenannte Hospitalisierungsquote. Also: Wie viele Menschen infizieren sich mit Corona und müssen dann auch noch ins Krankenhaus? Den bisherigen Höhepunkt gab es im Dezember 2020. Da lag die Quote bei mehr als 15 pro 100.000 Einwohner bundesweit. Im Moment liegt sie in den meisten Bundesländern zwischen drei und vier. Das bedeutet: Die Gefahr, dass die Intensivstationen dort schnell volllaufen, ist aktuell eher gering. Das zeigt: Die Impfung macht den Unterschied.

In Thüringen liegt die Quote aber schon jetzt bei fast 14, in Bayern bei mehr als fünf. Und das, obwohl die Inzidenz höher ist als damals - teilweise sogar dramatisch höher. Warum gibt es denn in Sachsen, Thüringen oder Bayern Landkreise mit Inzidenzen, die teils auf direktem Weg in Richtung 1000 sind? Das ist eine Frage, die die Länder und Kreise erst mal für sich klären müssen, um dann eine Lösung zu finden.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder argumentiert, die Impfbereitschaft in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen sei traditionell niedriger - weil es in den Ländern besonders viele "Querdenker" gebe. Das kann sein. Aber wer kann jetzt etwas machen? Eben. Das ist ein Problem, das man vor Ort angehen muss. 

Was tun?

Was soll die Bundesregierung also tun? Oder was hätten Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern mit dem Problem zu tun? Man kann natürlich kostenlose Tests wieder einführen. Das plant die Ampel-Koalition auch, aber das wird es am Ende auch nicht bringen. In anderen Ländern auf der Welt ist zu sehen, was die Lösung ist: Impfen.

Es gibt genug Impfstoff für alle. Aber es gibt zu viele Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen - in manchen Regionen sind das mehr als in anderen. Also liegt der Ball weiter in den Bundesländern und den Landkreisen: Sie müssen vor Ort für die Impfung werben und klarmachen, was die Alternative ist. Nämlich: volle Krankenhäuser. Niemand kann zum Impfen gezwungen werden - aber allen müssen auch die Konsequenzen klar sein, die das dann vor Ort hat.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2021 um 18:50 Uhr.