In einer Hausarztpraxis wird ein Patient geimpft. | dpa
Kommentar

Bund-Länder-Gipfel Impfen voranbringen, nicht Skeptiker überzeugen

Stand: 19.03.2021 22:48 Uhr

Die Hausärzte sollen nach Ostern in die Impfungen eingebunden werden - und das ist gut so. Denn sie kennen ihre Patienten. Impfskeptiker müssen die Ärzte allerdings nicht in Scharen überzeugen.

Ein Kommentar von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

So richtig schnell gehen wird es mit dem Impfen auch im April nicht. Und die Hausärzte sind enttäuscht, dass sie zunächst so wenige Impfdosen bekommen. Die Berliner Kassenärztliche Vereinigung will deshalb sogar den Vertrag mit den Impfzentren kündigen. Das ist falsch: Wenn der Impfstoff so kommt wie geplant, bekommen Hausärzte Ende April genauso viel davon wie die Impfzentren.

Kirsten Girschick ARD-Hauptstadtstudio

Für die Hausärzte spricht: Sie kennen ihre Patienten. Sie wissen, wer wahrscheinlich das höchste Risiko für einen schweren Verlauf hat - und von der Priorisierung bisher nicht erfasst wurde. Sie können bei der Familie mit dem chronisch kranken Kind, bei dem körperlich Behinderten, der nicht in einer Einrichtung lebt oder dem Krebspatienten, zu Hause vorbeischauen.

Keine Impfdosen mehr aufheben

Das Argument, nur die Hausärzte könnten Impfskeptiker von AstraZeneca überzeugen, scheint wenig nachvollziehbar. Es gibt wesentlich mehr Menschen, die sich sofort - egal wo und egal mit welchem Impfstoff - impfen lassen würden, als Menschen, die in den nächsten zwei Monaten qua Priorität drankommen.

Der Engpass ist nicht die Impfskepsis, sondern er liegt bei den Impfdosen. Und gleichzeitig sind wir längst in der dritten Welle. Deshalb sollten keine Impfdosen mehr für den zweiten Piks aufgehoben, sondern so schnell wie möglich erste Impfungen an möglichst viele verteilt werden - denn die schützen ja bereits vor schweren Verläufen.

Auch in den Hochrisikogebieten an den Grenzen sollte das Priorität sein - mit den zusätzlichen Dosen, die sie jetzt bekommen. Und ja, etwas mehr Flexibilität, wie sie die Kanzlerin angemahnt hat, schadet auch nicht. Die darf jetzt endlich mal vor die deutsche Gründlichkeit gehen.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. März 2021 um 22:05 Uhr.