Polizisten sichern die Zufahrt zu einer Highschool in Parkland. | CRISTOBAL HERRERA/EPA-EFE/REX/Sh
Kommentar

Waffenpolitik in den USA Einsicht gleich null

Stand: 15.02.2018 17:19 Uhr

Die US-Regierung trägt eine Mitschuld am Attentat in Florida. Denn jeden Tag sterben 90 US-Bürger durch Waffengewalt und statt Gesetze zu verschärfen, werden sie gelockert.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Diese Bilder habe ich in den vergangenen Jahren zu oft gesehen: schreiende Schüler, weinende Eltern, schockierte Bürgermeister, die nicht glauben können, dass solch ein Massaker in ihrer Gemeinde passieren konnte. Doch - es kann überall in den USA passieren.

Martin Ganslmeier

Am Tag danach die immer gleichen Rituale: Präsident Trump und die Republikaner rufen zu Gebeten für die Opfer und ihre Angehörigen auf: Jetzt sei nicht die Zeit, über Waffengesetze zu sprechen. Wann denn, wenn nicht jetzt?

Nach dem Massaker von Las Vegas vor einigen Monaten räumten selbst Trump und republikanische Abgeordnete ein, man müsse über ein Verbot der Schnellfeuervorrichtungen nachdenken. Diese Kolben halfen dem Attentäter, in kurzer Zeit so viele Menschen wie möglich zu töten, ohne selbst abdrücken zu müssen.

Mehr statt weniger Waffenfreiheit

Und was ist seither im US-Kongress passiert? Gar nichts! Dafür hat die Mund-zu-Mund-Beatmung der mächtigen Waffenlobby NRA gesorgt. Stattdessen soll demnächst im Kongress ein Gesetz verabschiedet werden, das den Erwerb von Schalldämpfern für Waffen erleichtert. Der von der NRA vorbereitete und von den Republikanern befürwortete Entwurf nennt sich "Gesetz für besseren Gehörschutz für Waffenbesitzer". Hätte der 19-jährige Täter von Parkland Schalldämpfer gehabt, wären Dutzende Schüler mehr getötet worden, bevor es irgendjemand bemerkt hätte.

In demokratisch regierten Bundesstaaten an den Küsten Amerikas gibt es mutige Politiker, die strengere Waffengesetze verabschiedet haben. Allerdings hilft das wenig, wenn sich Täter schon im Nachbarstaat problemlos mit Waffen eindecken können. Das Problem muss landesweit angepackt werden.

Mit ihrer Tatenlosigkeit machen sich der Präsident und die Republikaner mitschuldig an einem der schlimmsten Missstände in den USA. Jeden Tag sterben 90 US-Bürger durch Waffengewalt.

Trump-Regierung versucht Attentat kleinzureden

Man stelle sich nur einmal vor, das Attentat von Parkland wäre von einem islamistischen Einwanderer verübt worden. Die Trump-Regierung hätte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt.

So aber war es ja "nur" die schlimme Tat eines psychisch gestörten Ex-Schülers - kein Fall also für die US-Regierung oder das Heimatschutz-Ministerium. Obwohl die Seuche der Waffengewalt die Heimat der Amerikaner täglich bedroht. Immer mehr US-Bürger fühlen sich nur sicher, wenn sie eine Waffe haben - ein Teufelskreis.

Im Jahr 2000 waren noch zwei Drittel der US-Bürger für strengere Waffengesetze. Heute sind es nur noch 51 Prozent. Es gibt heute mehr Waffen als Menschen in den USA. Vor größeren Schulen und Universitäten stehen permanent Polizeiwagen. Immer mehr Bundesstaaten empfehlen den Lehrern eine Waffe zu tragen. Das Training hierfür bieten Mitarbeiter der Waffenlobby NRA übrigens kostenlos an.

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