Die Schulranzen von Schülern einer Grundschule sind während des Unterrichts neben den Tischen der Kinder zu sehen.  | dpa
Kommentar

Förderprogramm für Bildung Auch die Länder müssen aufholen

Stand: 05.05.2021 17:29 Uhr

Schon vor Corona hätten Schüler in Deutschland viel versäumt - weil viel geprüft und wenig gehandelt worden sei. Mindestens genauso wichtig wie das Aufholprogramm sei nun, dass auch die Bildungsverwaltung funktioniere.

Ein Kommentar von Uwe Jahn, ARD-Hauptstadtstudio

Es gibt viel aufzuholen in Deutschland. Denn Kinder und Jugendliche haben viel versäumt. Auch, weil zuvor die Bildungsverwaltungen viel versäumt hatten.

Uwe Jahn ARD-Hauptstadtstudio

Wir erinnern uns: Schon vor der Pandemie gab der Bund fünf Milliarden Euro für den Digitalpakt, weil die Länder mit der Digitalisierung überfordert waren. Das Geld kam erst zu spät und dann sehr schleppend an. Die Länder mit ihren Förderrichtlinien, Antragsformularen und deren Erarbeitung haben gebremst - überforderte Verwaltungen bis hin zu den Schulleitungen.

Es dauerte und dauert noch viel zu lange, bis das Geld dort landet, wo es hingehört. Wenigstens hat der Bund in der Pandemie die Bedingungen gelockert, Konzepte durften nachgereicht werden. Außerdem gab Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eineinhalb Milliarden Euro zusätzlich; davon sollten Laptops für bedürftige Schüler sowie Laptops und Weiterbildungen für Lehrkräfte bezahlt werden.

Viel geprüft und wenig gehandelt

Das Geld ist noch längst nicht ganz ausgegeben. Generell gilt trotz der teilweise miserablen Situation in vielen Klassenzimmern: Wohl keine Bundesregierung hat so viel Geld für die Schulen freigegeben wie diese. Ganztagsbetreuung, Schulsanierung, Digitalpakt und jetzt ein Aufholprogramm.

Aber freigegeben und ausgegeben ist nicht dasselbe. Dazwischen stehen die Verwaltungen. In den Bundesländern, wohlgemerkt. Sie sollen einerseits dafür sorgen, dass die Steuergelder verantwortlich ausgegeben werden. Und andererseits auch dafür, dass sie überhaupt ausgegeben werden - nämlich für den Zweck, den der Gesetzgeber vorgesehen hat.

Allerdings scheint diese Abwägung in Deutschland nicht ausgeglichen zu funktionieren. Da wird viel geprüft und wenig gehandelt. Die Vorschrift ist das höchste Gut. So kommt es zu Versäumnissen, die Schülerinnen und Schüler baden es aus.

Viel verpasst

Allerdings hat Corona auch gezeigt, dass es kaum Ausreden gibt, denn manche Schulen sind besser durch die Pandemie gekommen. Da, wo das Kultusministerium schnell war, wo der Bürgermeister schon längst für Breitbandanschluss gesorgt hatte, wo die Schulrätin auf Draht, die Schulleitung einfallsreich, die Eltern engagiert gewesen sind, da lief es besser. Vielleicht muss man sich auch an den Gedanken gewöhnen, dass die Schule nur so gut sein kann wie die Gesellschaft drumherum. Und dass Länder wie Kommunen viel verpasst haben.

Beim aktuellen Aufholprogramm nun müssen zunächst die Lernrückstände ermittelt werden, einen Runden Tisch soll es auch geben. Dabei soll es mit den ersten Nachhilfestunden schon nach den Sommerferien losgehen.

Das klingt sportlich. Jetzt müssen vor allem die Bildungsverwaltungen in den Ländern zeigen, dass sie schon aufgeholt haben und nun auch Tempo können.

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