Paul Ziemiak | dpa

Nach Antisemitismus-Debatte Ziemiak nimmt Vorwürfe gegen Emcke zurück

Stand: 16.06.2021 10:30 Uhr

Keine Entschuldigung, aber ein Rückzieher: Nach einem Telefonat mit der Publizistin Emcke nimmt CDU-Generalsekretär Ziemiak seine Antisemitismusvorwürfe gegen sie zurück.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat nach einem Telefonat mit der Publizistin Carolin Emcke seine Vorwürfe gegen sie zurückgenommen. Zuvor hatte er ihr Antisemitismus vorgeworfen.

Er habe ein längeres und gutes Telefonat mit Emcke geführt, schrieb Ziemiak am Dienstagabend auf Twitter. "Miteinander reden ist besser als übereinander. Bin immer besonders sensibel, wenn ich Vergleiche mit Juden höre." Im Kontext der ganzen Rede werde deutlich, dass Emcke Hass und Lügen gegen Juden nicht vergleiche oder verharmlose.

Videobotschaft auf Grünen-Parteitag

Hintergrund ist eine Videobotschaft von Emcke am ersten Tag des Grünen-Bundesparteitags. Sie hatte darin am Freitagabend gesagt:

Die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben. Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen oder die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.

Emcke zeigte bei dem kritisierten Zitat im Video Gänsefüßchen, etwa vor der Formulierung "Eliten" oder "Juden und Kosmopoliten".

Die "Bild"-Zeitung berichtete darüber am Samstag. Ziemiak schrieb dazu ebenfalls am Samstag auf Twitter: "Das ist eine unglaubliche + geschichtsvergessene Entgleisung auf dem Parteitag der Grünen."

"Billiges Wahlkampfmanöver"

Ziemiak wurde dafür von verschiedenen Seiten kritisiert. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte: "Ich kenne und schätze Carolin Emcke. Ihr Antisemitismus zu unterstellen, ist wirklich schäbig." Die CDU solle mal "ein bisschen runter kochen". Die Grünen verwahrten sich gegen den Vorwurf. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner nannte Ziemiaks Aussage "ein billiges Wahlkampfmanöver" und forderte eine Entschuldigung an Emcke.

Explizit entschuldigt hat Ziemiak sich nun nicht, aber er erklärte nach dem Telefonat mit der Publizistin, die unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, Emcke engagiere sich seit jeher für die Demokratie und gegen Antisemitismus. "Diese klare Haltung wollte ich nicht infrage stellen. Eine differenzierte Auseinandersetzung erfordert bei diesem Thema meistens mehr Raum als einen Tweet - das nehme ich mir zu Herzen", schrieb der CDU-Generalsekretär auf Twitter.

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz reagierte umgehend und antwortete ebenfalls auf Twitter: "Finde ich gut, Paul. Danke!"