Uhren der Installation "Zeitfeld» von Klaus Rinke in Düsseldorf | Bildquelle: dpa

Abstimmung über Zeitumstellung Rückkehr zu normaler Zeit in Sicht

Stand: 26.03.2019 13:55 Uhr

Seit 1980 drehen die Deutschen zwei Mal im Jahr an ihren Uhren. Die Zustimmung für die Zeitumstellung sinkt. Das Europaparlament stimmt nun über das Ende der Umstellung ab.

Von Dominika Jaschek, tagesschau.de

Psychische und physische Erkrankungen, Einschlafprobleme, Schlafstörungen: Aus medizinischer Sicht ist die Zeitumstellung offenbar eine derart starke Belastung für den Körper, dass sich ein Gros der Schlafmediziner gegen einen halbjährlichen Wechsel ausspricht.

Die Vollversammlung des Parlaments wird heute abschließend über die Frage abstimmen, ob die Zeitumstellung in Europa abgeschafft werden könnte. Anschließend müssten die EU-Staaten zustimmen. Die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten können jedoch erst beginnen, wenn diese sich auf eine gemeinsame Haltung verständigt haben.

Mini-Jetlag mit erheblichen Auswirkungen

"Es gibt keinen medizinischen Grund für eine Zeitumstellung", sagt Professor Peter Young, Leiter der Schlafmedizin am Universitätsklinikum Münster und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Der Mini-Jetlag hätte erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Auch bei Menschen ohne Schlafprobleme dauere es bis zu drei Tage, bis sich der Körper von der Zeitumstellung erholt habe.

Die Fachgesellschaften in ganz Europa seien sich einig, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden müsste. Die DGSM spricht sich gegen die Sommer- und für die Winterzeit, also die Normalzeit, aus, denn: "Das soziale Leben in Deutschland hat sich in der Winterzeit entwickelt." Es gibt allerdings keine wissenschafliche Studie, die vergleicht, welche Zeit für den Körper besser wäre, sagt der Schlafmediziner: "Das wäre auch sehr schwierig zu untersuchen."

"Winterzeit" ist Normalzeit

Die in Deutschland geltende normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wird häufig "Winterzeit" genannt. Eine "Winterzeit" im engeren Sinne gibt es nicht: Wenn die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) endet, herrscht einfach wieder die Normalzeit, die MEZ. Diese galt als einzige Zeit in Deutschland bis zur Einführung der Sommerzeit im Jahr 1980. Die Europäische Union vereinheitlichte die Sommerzeit im Jahr 1996.

84 Prozent gegen die Zeitumstellung

In der deutschen Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die Zeitumstellung: Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK liegt der Anteil der Befürworter bei nur noch 18 Prozent. In einer EU-weiten Online-Befragung sprachen sich im vergangenen Sommer rund 84 Prozent für ein Ende der Zeitumstellung aus.

Aus wirtschaftlicher Sicht spielt es eine untergeordnete Rolle, welche der beiden Zeiten gilt. Das Umweltbundesamt ist sich sicher: Die Zeitumstellung spart keine Energie. Das Problem ist die Zeitumstellung an sich, die für viele Unternehmen mit einem hohen Aufwand verbunden ist - beispielsweise bei Verkehrsbetrieben, die ihren Fahrplan zwei Mal im Jahr anpassen müssen.

#kurzerklärt: Was bringt die Zeitumstellung?
nachtmagazin 00:00 Uhr, 23.03.2018, Alina Stiegler, NDR

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Europäischer Fleckenteppich wäre fatal

Korbinian von Blanckenburg, Dekan für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, forscht zum Thema Zeit. Auch er spricht sich gegen eine Zeitumstellung aus. Die Diskussion, ob nun eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit besser wäre, sieht er aus ökonomischer Sicht eher zweitrangig.

Prof. Dr. Korbinian von Blanckenburg | Bildquelle: Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe
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Korbinian von Blanckenburg forscht zum Thema Zeit.

Von Blanckenburg warnt vor einem anderen Szenario: "Hätte jedes europäische Land seine eigene Zeitzone, wäre das fatal." Es dürfte auch weiterhin nicht mehr als drei Zeitzonen in Europa geben, so von Blanckenburg. Alle Länder auf dem selben Längengrad sollten auch in der selben Zeitzone leben. "Würden nun aber beispielsweise Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande in verschiedenen Zeitzonen liegen, hätte das einen spürbar negativen Effekt auf den Handel."

Deswegen sieht von Blanckenburg noch "ein großes Fragezeichen", ob die Zeitumstellung wirklich fällt. Aus seiner Sicht kann dies nur funktionieren, wenn das Europaparlament eine Entscheidung fällt, an die sich alle Mitgliedstaaten halten - und nicht den einzelnen Staaten überlässt, für welche der beiden Zeiten sie sich letztendlich entscheiden.

"Nehmt euren Schlaf ernst!"

Der Vorsitzende der DGSM, Young, nutzt die Diskussion um die Zeitumstellung für ein Plädoyer: "Nehmt euren Schlaf ernst!" Natürlich sei es netter, abends bis 22.30 Uhr mit einem Glas Wein auf dem Balkon zu sitzen und den längeren Tag auszunutzen. Für die Bevölkerung sei das "toll", aber: "Aus medizinischer Sicht wird das Schlafdefizit durch eine immer bestehende Sommerzeit befördert. Denn natürlich verleitet die Helligkeit zum längeren Wachbleiben."

Von Blanckenburg geht sogar noch einen Schritt weiter: Er persönlich tendiert zu einer ganzjährigen Sommerzeit, allerdings nur unter einer Bedingung - der Alltag der Menschen müsste verändert werden und sich mehr dem natürlichen Biorhythmus anpassen: "Der Staat müsste das Verhalten an die Helligkeit anpassen." Der Wirtschaftwissenschaftler denkt dabei beispielsweise an einen späteren Schulstart, aber auch flexiblere Arbeitszeiten: in der dunklen Jahreszeit ein späterer Beginn, in der hellen Jahreszeit ein früherer. Er gibt aber auch zu: "Es wird sicherlich schwierig, gewohnte Tagesabläufe vollständig zu verändern."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2019 um 06:00 Uhr.

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