Wolfgang Clement und Gerhard Schröder im September 2005. | AFP

Trauer um Wolfgang Clement "Bleibende Verdienste"

Stand: 27.09.2020 17:05 Uhr

Politiker vieler Parteien haben den gestorbenen ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement gewürdigt. Er habe Deutschland "große und bleibende Dienste erwiesen", sagte Kanzlerin Merkel.

Mit Trauer und Respekt haben Politiker parteiübergreifend auf die Nachricht vom Tod Wolfgang Clements reagiert. Der Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und frühere Bundeswirtschaftsminister war im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit in Bonn gestorben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Clement in einem Kondolenzschreiben an dessen Witwe als "überzeugten und überzeugenden Demokraten", der das Zeitgeschehen mitgeprägt habe. In allen Ämtern, vor allem als Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit von 2002 bis 2005 und als NRW-Ministerpräsident von 1998 bis 2002, habe er sich über Parteigrenzen hinweg bleibende Verdienste erworben. "Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat Wolfgang Clement konsequent das Reformziel, Deutschland zukunftsfähig zu machen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte "große und bleibende Dienste" Clements. In der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder sei er entscheidend "an einer der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben" beteiligt gewesen: "den Sozialreformen der Agenda 2010, die uns den Weg aus der hohen Arbeitslosigkeit wies".

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte Clement. Der streitbare Sozialdemokrat habe Deutschland entscheidend geprägt. Dafür gebühre ihm Dank. Parteikollege Peter Altmaier sprach von einem "großen Patrioten". Clement sei es nicht um Ideologie, sondern um Arbeitsplätze und Menschen gegangen, schrieb der Bundeswirtschaftsminister auf Twitter.

Ebenfalls über Twitter drückte FDP-Chef Christian Lindner die Trauer seiner Partei aus. "Als Sozialliberaler setzte er sich Zeit seines Lebens für sozialen Aufstieg, Arbeit und Wachstum ein." Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sagten, Clement habe leidenschaftlich für seine Überzeugungen gekämpft und für sozialen Aufstieg und eine starke Wirtschaft gestritten. "Dabei nahm er es auch in Kauf, mit seinen Positionen anzuecken".

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nannte Clement auf Twitter einen "Macher, der wie kein anderer für Soziale Marktwirtschaft stand, ein Ministerpräsident, der mit Dynamik unser Land vorangebracht hat". Auch sei er ein nahbarer Familienmensch gewesen.

Schwieriges Verhältnis zur SPD

Clement war unter dem damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau ab 1989 Chef der Staatskanzlei und ab 1995 Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr, bevor er Ministerpräsident und später dann Bundesminister wurde. Clement war Sozialdemokrat, verließ die SPD jedoch 2008 nach einem Streit.

Das Verhältnis zu seiner Ex-Partei, der SPD, blieb schwierig. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans bezeichnete Clement als "markanten und streitbaren Kopf". Er sei "ein Macher" gewesen, "mit dem es nicht immer leicht war. Seine Geradlinigkeit verdient allen Respekt." Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erklärte, Clement sei ein "ebenso überzeugter wie streitbarer Politiker" gewesen, der sich als Ministerpräsident und Bundesminister "große Verdienste" erworben habe.

Die Spitze der nordrhein-westfälischen SPD erklärte, das Verhältnis Clements zur Partei sei "kein einfaches" gewesen. "Sein langjähriges Engagement für die Sozialdemokratie und das Land Nordrhein-Westfalen werden wir trotz aller Widersprüche in ehrenvollem Gedenken halten."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. September 2020 um 14:00 Uhr.