Stau auf der B4 in Richtung Torfhaus | imago images/Jochen Eckel

Ansturm auf Bergregionen "Bleiben Sie zu Hause!"

Stand: 29.12.2020 16:34 Uhr

Verstopfte Straßen, belegte Parkplätze und Menschen dicht an dicht - Corona-Lockdown sollte eigentlich anders aussehen. Appelle der Politik, auf Ausflüge zu verzichten, reichen in einigen deutschen Bergregionen nicht mehr.

Wegen des erhöhten Andrangs von Tagestouristen auf einige deutsche Bergregionen appellieren Politiker mehrerer Bundesländern an die Menschen, zu Hause zu bleiben.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet rief dazu auf, mit Blick auf die Corona-Pandemie etwa auf Kurztrips nach Winterberg im Sauerland zu verzichten. "Große Menschenansammlungen erhöhen das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Pandemie", mahnte der CDU-Politiker. "Mein Appell lautet daher: Bleiben Sie zu Hause!"

Rodeler und Spaziergänger auf einem hang in Winterberg | REUTERS

Bergbahnen und Skilifte dürfen in Deutschland derzeit nicht in Betrieb sein. Wie hier in Winterberg tummelten sich viele Menschen aber zu Fuß oder mit dem Schlitten auf den Skipisten. Bild: REUTERS

Verstöße gegen Corona-Regeln "konsequent ahnden"

Das Land unterstütze Winterberg bei allen Maßnahmen, um weitere Tagestouristen von der Anreise abzuhalten, sagte Laschet der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind bereit, auch kurzfristig mehr Einsatzkräfte zu schicken." Verstöße gegen Corona-Regeln würden konsequent geahndet.

Dabei geht es vor allem ums Rodeln, Spazierengehen und Wandern, denn Skilifte stehen wegen der Maßnahmen gegen die Pandemie still. Trotzdem hatten sich bereits am Morgen wieder zahlreiche Ausflügler auf den Weg nach Winterberg gemacht. Tagesbesucher hatten schon am Sonntag und Montag für ein Verkehrschaos mit überfüllten Parkplätzen und kilometerlangen Staus gesorgt.

Ähnliches Bild in Sachsen und Rheinland-Pfalz

Ähnlich sah es am Fichtelberg im Erzgebirge aus. In Oberwiesenthal leitete die Polizei am Sonntag 64 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen die sächsische Corona-Schutzverordnung ein. Am Montag wurden 24 Anzeigen aufgenommen, wie die Chemnitzer Polizeisprecherin Jana Ulbricht auf Anfrage mitteilte. Nach der aktuellen sächsischen Corona-Schutzverordnung darf die Wohnung nur mit einem triftigen Grund verlassen werden.

Im Hunsrück ist die Hauptzufahrt zum Wintersportgebiet Erbeskopf seit dem Morgen gesperrt. "Man will verhindern, dass Massenverkehr dort hoch fährt", sagte der Betriebsleiter des Zentrums, Klaus Hepp.

Am Montag und am Sonntag seien jeweils Tausende Besucher zum höchsten Berg von Rheinland-Pfalz gekommen. "Es hat wirklich chaotische Zustände gegeben." Auch die Eifelgemeinde Hellenthal appellierte an Ausflügler, auf die Anreise zu verzichten. Dienstag sei bereits der vierte Tag in Folge mit einem "extremen Besucheransturm", sagte Bürgermeister Rudolf Westerburg. Er schätzte, dass in den vergangenen Tagen jeweils etwa 1500 bis 2000 Besucher in die Region gekommen sind.

Andrang auch im Schwarzwald

Auch im Hochschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb kam es bereits am Wochenende vielerorts zu regelrechten Anstürmen auf die Bergregionen. Auch hier appellieren Politiker an die Vernunft der Menschen. "Das schlimmste ist die zufällige Begegnung, bei der ich nicht weiß, neben wem ich war und wer mich vielleicht infiziert hat", sagte Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha. "Deswegen die Kontaktbeschränkungen einzuhalten, ist sehr, sehr wichtig", so der Grünen-Politiker in der ARD.

Auch der Nationalpark Bayerischer Wald meldet überfüllte Wanderparkplätze und volle Wege und Berggipfel, auf denen der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Angesichts des Besucheransturms wird dort über höhere Bußgelder bei Verstößen nachgedacht. Mitarbeiter des Parks berichten, dass Besucher oder Wintersportler immer wieder die gekennzeichneten Wege verließen. Der stellvertretende Leiter des Nationalparks, Jörg Müller, würde höhere Bußgelder für Verstöße von Wanderern in Schutzgebieten begrüßen. "Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, dass man sagt, jawohl, zu den Preisen überleg' ich's mir doch, ob ich die Regeln einfach so bewusst missachte", sagte er dem BR.

Im Harz ist "die Hölle los"

Ähnliche Szenen spielen sich im Harz ab - laut einer Sprecherin des Tourismusverbandes ist dort "die Hölle los". Die Kennzeichen der Autos reichten von Berlin über Potsdam bis Bremen.

Wegen Überfüllung rät die Polizei von Ausflügen in den Harz ab. Parkplätze liefen "ruck zuck zu", sagte ein Sprecher der Polizei Goslar. Es sei so voll, dass die Menschen draußen die notwendigen Abstände nicht einhalten könnten. "Es ist nicht verboten, in den Harz zu fahren, es gibt kein Reiseverbot - das ist die Problematik", so der Sprecher.

Bereits in den vergangenen Tagen stauten sich die Autos in Ausflugsorten kilometerlang. Auf der Bundesstraße 4 von Bad Harzburg Richtung Torfhaus ging es weder vor noch zurück.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
CovidMe 29.12.2020 • 23:00 Uhr

Recht haben sie

Wunderbar! Menschen brauchen Gesellschaft um funktionieren zu können. Man sollte endlich konsequent alle Risikogruppen schützen, das Gesundheitssystem muss besser| direkter finanziert werden und der öffentliche Nahverkehr und die Bahn gehören als Hotspots stark reglementiert. Nichts tun und alles auszusitzen ist keine Option für unsere Gesellschaft, wir stehen im Wertbewerb.